Sandau l Spätestens wenn der Stadtwald beginnt, gibt so mancher Kraftfahrer am Ortsausgang von Sandau in Richtung Havelberg schon wieder Gas und fährt schneller als 50 km/h. Und auch bei der Einfahrt in das Elbestädtchen aus Havelberg kommend rollt so mancher Pkw und Lkw schneller als erlaubt über die Bundesstraße. Ein Umstand, der schon längere Zeit in der Kritik steht. Geschwindigkeitskontrollen von Polizei und Landkreis gibt es zwar, doch ist das temporär und es steht die Frage, ob bauliche Veränderungen vorgenommen werden können, um die Kraftfahrer zur Einhaltung des Tempolimits zu veranlassen. Am besten im Zuge der geplanten Bauarbeiten auf der B 107 in Sandau.

Der Landtagsabgeordnete Chris Schulenburg (CDU), der in Sandau zu Hause ist, hat sich mit dieser Problematik an das Verkehrsministerium des Landes gewandt und nun Antwort erhalten. Der Landesstraßenbaubehörde sind die Geschwindigkeitsüberschreitungen bekannt. Bereits im Oktober 2017 hatte sich ein Bürger schriftlich an sie gewandt und erhebliche Probleme mit den gefahrenen Geschwindigkeiten geschildert. Deshalb wurde Ende 2017 eine Verkehrszählung veranlasst, heißt es in der Antwort von Staatssekretär Sebastian Putz.

Und weiter: „Mit dieser Zählung sollte ermittelt werden, wie viele Fahrzeuge den betroffenen Bereich befahren und welche Durchschnittsgeschwindigkeiten dort gefahren werden. In der 44. und 45. Kalenderwoche 2017 wurden die Zählgeräte installiert, die jedoch wegen technischer Probleme keine aussagefähigen Daten lieferten. Aus diesem Grund wurde die Zählung im Januar 2018 wiederholt.“ Im Ergebnis wurde festgestellt, dass „die maßgebliche Bewertungsgröße zur Dokumentation des vorherrschenden Geschwindigkeitsniveaus, die Vss-Geschwindigkeit (Geschwindigkeit, die von 85 Prozent der erfassten Fahrzeuge nicht überschritten wird), im Messungszeitraum sowohl in Richtung Schönfeld als auch in Richtung Havelberg über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h lag.“

Oberbau muss erneuert werden

Zur Sanierung der Ortsdurchfahrt Sandau schreibt das Ministerium, dass die Voruntersuchungen im Rahmen der Sanierungsplanung ergeben haben, dass stellenweise der gesamte gebundene Oberbau erneuert werden muss. „Somit ist zwar eine aufwändige Erhaltungsmaßnahme – eine sogenannte Erneuerung – erforderlich, aber auch mit dieser umfangreicheren Erneuerung sind bauliche Maßnahmen, die über einen Ersatz der vorhandenen Befestigung hinausgehen, nicht möglich. Der Einbau einer Verkehrsinsel, für den insbesondere Grunderwerb erforderlich ist, wäre somit grundsätzlich nur im Rahmen einer Um- und Ausbaumaßnahme umsetzbar.“ Dafür ist es neben den entsprechenden Planungsarbeiten erforderlich, auch Baurecht zu schaffen, welches im Regelfall durch ein zeitaufwändiges Planfeststellungsverfahren erlangt wird.

Erklärt wird außerdem, dass Verkehrsinseln als geschwindigkeitsreduzierende Maßnahme nicht immer geeignet sind. Ein Beispiel dafür sind die Erfahrungen mit den drei Verkehrsinseln in Schönfeld. Diese brachten nicht den gewünschten Erfolg. „Im Bereich der Verkehrsinseln kommt es durch die Brems- und Beschleunigungsvorgänge sogar zu erhöhten Lärmbelastungen.“

Derzeit werden andere Maßnahmen geprüft, das Tempo der Fahrzeuge zu mindern. Vorstellbar wäre zum Beispiel die Markierung einer optischen und akustischen Bremse, wie sie im Zuge der L 2 von Seehausen bis zur B 189 und der L 4 Ortsdurchfahrt Kümmernitz installiert worden sind. „Eine derartige Maßnahme könnte nach Bestätigung durch die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises im Rahmen der Erneuerung der Ortsdurchfahrt im Jahr 2020 mit realisiert werden“, so der Staatssekretär.

Auch Kontrollen durch die Polizei hatten Tempoüberschreitungen bestätigt. Gemessen wurde Ende 2017 sogar ein Fahrzeug mit 92 km/h. Allerdings würden die meisten Verstöße beim Verlassen Sandaus auftreten und nicht, wie von Anwohnern angenommen, bei der Einfahrt in die Stadt.