Havelberg l Theater dort aufzuführen, wo es keines gibt – und das auch noch ohne festen Eintritt für jedermann erlebbar machen – das haben sich 20 junge Leute aus Berlin auf die Fahnen geschrieben. Sie gründeten die erste gemeinnützige Theatergenossenschaft und hoben das Traumschüff-Projekt aus der Taufe: Theater auf dem Wasser, das Schiff wird zur Bühne.

Dieses Jahr ist bereits die zweite Spielsaison, Start war am Sonnabend in Havelberg mit einer Uraufführung: Das Traumschüff mutierte zum Raumschüff und nahm das Publikum mit auf eine phantastische Reise durchs All, hin zum „Planten Acasio“. Eigentlich wollte die Schülerin Flo auf Weltreise gehen, statt dessen landete sie im Raumschiff von Elliot (dargestellt vom Traumschüff-Initiator David Schellenberg) und setzte versehentlich das Startsystem in Gang.

Auf der Reise durchs All begegnete das ungleiche Duo solchen Charakteren wie der Kontrolleurin mit dem großen Hut, welche sämtliche Ausweise sehen wollte. Oder landete auf einem verschnupften Planeten, wo Papiertaschentücher verboten waren. Denn diese werden aus Bäumen hergestellt, welche den für die Bewohner lebenswichtigen Sauerstoff produzieren.

Bilder

Kulisse mit Dom und Weinbergstraße

Vom Werftgelände aus bot sich bei bestem Wetter ein toller Blick auf eine traumhafte Kulisse mit Stadtinsel, Dom und den Fassaden der Weinbergstraße. Dazu Kunstgenuss pur – Herz, was willst du mehr!

Die jungen Genossen vom Traumschüff – was denn auch den passenden Namen „Genossin Rosi“ trägt – haben eine besonders innige Beziehung zur Dom- und Hansestadt und besonders zur Kiebitzberg-Werft. Denn die Werft war Rosis Geburtsort, hier wurde der Schwimmkörper des Katamarans produziert. Den Theateraufbau mit verschiebbaren Wänden ersannen Studenten der Bauhaus-Uni Weimar, alles wurde dann in Havelberg zusammengebaut. Das Geld fürs „Schüff“ wurde übers Internet eingesammelt.

15 Spielorte an der Havel

In der Domstadt beginnt nicht nur die Saison, sie wird am 8. September auch wieder hier enden. Denn hier auf der Werft geht Rosi dann in den verdienten Winterschlaf. Bis dahin hat sie in 15 Orten an der Havel angelegt, bis hoch nach Fürstenberg geht die Reise. Nächste Anlegestelle ist vom 23. bis 27. Mai Premnitz, weiter geht es am 29. Mai nach Rathenow und am 5. Juni wird in Pritzerbe Anker geworfen. Zu sehen sein werden auch zwei Stücke, welche von den jeweiligen Havelorten handeln – wie dem Chemiewerk Premnitz.

Bevor die Reise ins Weltall – und damit das erste Kinderstück auf dem Traumschüff – begann, durften die jüngsten Besucher noch auf Schatzsuche gehen. Auf Zetteln gab es Tipps zum Versteck, was dann in einem Schlauchboot entdeckt wurde. Die Schokotaler wurden, wie es sich für kleine Piraten gehört, ordentlich geteilt.

Ensemble arbeitet ehrenamtlich

Das gesamte Ensemble arbeitet ehrenamtlich, weshalb man auf Sponsoren angewiesen ist. In der Kiebitzberg-Werft waren die jungen Leute mit ihrem Kunstprojekt gleich mit offenen Armen aufgenommen worden, berichtete Geschäftsführer Andreas Lewerken. Schließlich unterbreitet das Unternehmen in seinem Art-Hotel selbst kulturelle Angebote. Die Werft stellte nicht nur ihren Platz für das Open Air zur Verfügung, sondern unter anderem das komplette Mobiliar. Denn wo gibt es für Open Airs in Havelberg einen schöneren Platz als hier?