Vehlgast l Pfarrer Henning Utpatel konnte dazu in der kleinen Vehlgaster Dorfkirche den Musiker und Komponisten Dobrin Stanislawow begrüßen. Er sei sehr froh, dass es 2018 mit dem Auftritt des Musikers geklappt habe. 2017 hatten die Musikfreunde nämlich vergeblich auf den Auftritt gewartet. Wegen eines Anschlages auf Anlagen der Bahn strandete der aus Berlin anreisende Künstler in Nauen und saß dort auf dem Bahnhof fest. Er sei heute um so glücklicher, sagte er, dass er nun mit Panflöte, Didgeridoo und Oceandrum die Konzertbesucher verzaubern könne.

Ein Zettel auf dem Fußboden

Seine Musik entstehe aus dem Moment heraus, beschrieb der Magdeburger, der in Meiningen geboren ist, aber seine Wurzeln in Bulgarien auf den Balkan hat. Sein Leitfaden für das fast anderhalbstündige Konzert war ein Zettel, der am Stuhl vor dem Altar auf dem Fußboden lag. Darauf standen keine Noten, nur einige Stichworte, die er versuchte, während seines Konzerts in Klangbilder umzusetzen.

Eine Reise in die Phantasie

„Ich möchte Sie einladen, dass Sie vielleicht ein bisschen von fernen Kontinenten träumen. Lassen Sie Ihren Gedanken und Ihrer Phantasie einfach freien Lauf“, so der Musiker, der zu Beginn auch auf den von ihm praktizierten Obertongesang neugierig machte. „Lassen Sie sich am besten überraschen“, meinte Stanislawow. Das Publikum folgte ihm auf seiner Phantasie-Reise nicht nur mit den Ohren, sondern immer wieder auch mit neugierigen Blicken der sonst beim Träumen überwiegend geschlossenen Augen – zu groß ist der Drang, zu sehen, wie der Mann gerade diese oder jene Töne erzeugt.

Bilder

Spiel auf mehreren Instrumenten

Um solche „Reisen“ auszulösen, hatte Dobrin Stanislawow nicht nur seine Panflöten als Hilfsmittel. Immer wieder nahm er gleichzeitig die Oceandrum (Ozeantrommel) in die Hand, ließ sie kreisen, was Klänge wie Meeresrauschen erzeugte, legte sie sich dann auf die Knie, um zu diesem Rauschen weiterhin die Panflöte zu spielen oder das Didgeridoo, das Instrument der Aborigines in Australien. Oder er nahm eine seltsame Rassel zur Hand, die aus Samenkapseln einer südamerikanischen Pflanze hergestellt ist.

Verblüffender Obertongesang

War es schon erstaunlich, welche Töne er den Instrumenten entlockte, so verblüffte doch erst richtig der sogenannter Obertongesang. Es ist erstaunlich, wenn ein einzelner Mensch zwei Töne gleichzeitig singt. Etwa zwei Oktaven über der normalen Stimme klingt plötzlich ein zweiter flötenartiger Ton, der kristallklar im Raum zu schweben scheint. Die Zuhörer lauschten andächtig der Musik und bekamen nach Improvisationen zum Abschluss eine Eigenkomposition („Türkische Impressionen“) Stanislawows dargeboten.

Konzertabschluss mit Zugabe

Mit einer Zugabe verabschiedete sich der Magdeburger von seinem Publikum und lud sie noch zu Gesprächen über seinen Gesang und seinen Ins­trumenten ein. Gerne nahmen zahlreiche Besucher dieses Angebot an. Mehrere Panflöten hatte der Künstler dabei, unterschiedlich groß, unterschiedlich geformt und aus verschiedenen Ländern der Welt stammend. Da wollte man wissen, wie man aus den Bambusröhren die verschiedensten Klänge erzeugen kann.

Zuhörer testen Ozeantrommel

Große Aufmerksamkeit erhielt auch die Ozeantrommel. Durch das leichte Hin- und Herrollen der kleinen Metallkugeln im Inneren der Trommel werden Meeresgeräusche und der Klang der Wellen täuschend ähnlich nachgeahmt. Einige nahmen sie in die Hand und ließen noch mal das Meer rauschen.

Reihe wird 2019 fortgesetzt

Wie es bei allen Konzerten der Wassermusiken üblich ist, gab es auch am Sonnabend zahlreiche selbstgebackene Kuchen, den sich die Besucher vor dem Gotteshaus bei herrlichem Sommerwetter schmecken ließen. Wie Pfarrer Utpatel ankündigte, wird es auch im nächsten Jahr die beliebte Konzertreihe geben, die im Jahre 2013 für die begonnene Sanierung der Kirche ihren Ursprung hat. Die Arbeiten sind bis jetzt zwar gut vorangekommen, aber noch längst nicht abgeschlossen, so Utpatel, der die Gäste bereits zu den Vehlgaster Wassermusiken 2019 einlud.