Schollene l Freitagabend war alles noch gut. Die rund 50 Muttertiere und ihre Kälber standen zufrieden grasend auf dem eingezäunten Stück der Weihe nahe Ferchels. „Bei der Kontrolle Samstagfrüh fiel mir sofort auf, dass etwas nicht stimmt. Die Herde war extrem nervös, die Tiere waren schweißnass. Und dann lag da das angefressene Kälbchen“, schildert Christian Knees die Situation. Er ist seit zwei Jahren Vorstandsvorsitzender der Schollener Agrargenossenschaft, die 2017 komplett umstrukturiert und auch auf „Bio“ umgestellt wurde. Statt der Milchkühe werden nun Mutterkühe gehalten. Eine Herde steht am Stall bei Mahlitz, die zweite auf der insgesamt 20 Hektar großen Weide bei Ferchels. Geschützt wird sie hier von einem hohen Zaun. „Wir haben viel Geld und Mühe investiert, um ihn aufzustellen. Er hat vier Reihen Draht und steht sogar unter Strom – mehr geht zum Schutz vor dem Wolf einfach nicht.“ Und doch hat der Wolf einen Weg ins Gatter gefunden.

Der Wolfsbeauftragte Andreas Berbig bestätigte, dass es sich eindeutig um einen Wolfsriss handelt. Auf dem angrenzenden Truppenübungsplatz nimmt die Zahl der Wölfe immer mehr zu.

Viel Mühe und Geld investiert

Und das bereitet den Bauern in der Region zunehmend Sorge. Auch Christian Knees. „Mehr können wir nicht zum Schutz der Rinder tun. Uns ist es wichtig, dass die Tiere die meiste Zeit des Jahres auf der Weide stehen. Aber das ist ja gar nicht möglich, wenn ständig der Wolf kommt.“ Dass auf der Weide mit den Kälbern leichte Beute zu holen ist, weiß er ja nun.

Mit der Mutterkuhhaltung ist ohnehin kaum Geld zu verdienen, dazu die hohen Investitionskosten für die Zäune. Christian Knees befürchtet, sich von der Mutterkuhhaltung zu verabschieden, wenn es zu weiteren Übergriffen kommt. „Das wollen wir eigentlich nicht. Denn es macht Freude, die Kühe und ihren Nachwuchs auf der Weide zu sehen. Somit ersparen wir es uns auch, die Wiesen im Naturschutzgebiet mit Technik zu mähen. Und ganz wichtig: Es hängen zwei Arbeitsplätze dran!“

Deshalb hadern Christian Knees und seine Berufskollegen auch mit der Situation. „Einerseits wird erwartet, dass die Tierhaltung möglichst naturnah auf der Weide erfolgt, andererseits aber schützt man den Wolf und lässt ihn gewähren – das passt nicht zusammen!“ Er will auch keinen finanziellen Ausgleich für das gerissene Kalb, sondern fordert eine generelle Lösung zum Umgang mit dem Wolf.

Wieder Nachwuchs bei Wölfen

Birgit Büttner, die Wolfsbeauftragte beim Bundesforstamt Klietz, will sich mit Zahlen nicht festlegen. „Zehn Wölfe sind es mindestens, die auf dem großen Gelände angesiedelt sind. Die Jungen, die 2017 auf die Welt kamen, könnten zum Teil abgewandert sein. Zum Nachwuchs dieses Jahres lässt sich noch nichts Konkretes sagen. Am Wochenende wurde auf der Wildkamerad ein Junges, etwa sieben Wochen alt, abgelichtet.“