Havelberg l Das ist immer mit Aufregung verbunden: Auf der Havelberger Kiebitzberg- Schiffswerft gab es am Dienstag mal wieder den Stapellauf für ein größeres Schiff. Genau genommen ist es das größte Schiff, das bisher auf der Werft zu Wasser gelassen wurde.Die Arme der beiden Autokräne sind am Morgen weithin sichtbar am Ufer der Havel zu sehen. Wer genauer zur Werft schaut, entdeckt dazwischen ein großes Schiff. Es soll zu Wasser gebracht werden. Mitarbeiter der Werft und die Kranfahrer sind eifrig am Arbeiten, um das Prozedere gut über die Bühne zu bringen. Schließlich gilt es, 62 Tonnen sicher ins Wasser zu lassen.

Auf der Werft entstehen zwei baugleiche Fahrgastschiffe, auf denen jeweils 180 Passagiere Platz finden. Die Reedereien Stern und Kreis sowie SlarCicleLine aus Berlin haben den Bau beauftragt. Sie setzen damit auf elektrobetriebene Schiffe, weshalb es dafür auch Fördergelder für den Auftraggeber gab, wie Andreas Lewerken, Geschäftsführer der Kiebitzberg-Schiffswerft berichtet.

„Für uns als Werft ist es das zweite Fahrgastschiff mit komplettem Elektro-Antrieb und teilweiser Solarversorgung. Der Rumpf ist in Leichtbauweise aus Aluminium entstanden. Wir haben dafür eine neue Technologie entwickelt. In dieser Größenordnung haben wir bisher noch kein Schiff gebaut“, erklärt er. Die Schiffe sind jeweils 36 Meter lang, sieben Meter breit und wiegen nach Fertigstellung 78 Tonnen. Sie haben einen Tiefgang von 86 Zentimetern. In Zusammenarbeit mit Partnern wird mit der Firma Kräutler zusammengearbeitet, die Elektro-Schiffs- motoren herstellt. Die Leistung liegt bei zweimal 45 Kilowatt. Zum Vergleich: Die Batterien für das Bord- und Antriebsnetz sind so stark, dass sie 52 Tesla-Pkw antreiben könnten.

Die Schiffe sind die ersten reinen Elektroschiffe aus Sachsen-Anhalt. „Bisher sind Schiffe mit Hybridmotoren gebaut worden, die also mit Diesel und Elektroenergie betrieben werden“, ist Andreas Lewerken stolz darauf, wieder eine Innovation auf den Markt zu bringen. Und auch die Leichtbauweise aus Aluminium, mit der die Werft in den vergangenen Jahren bereits in vielerlei Hinsicht gute Erfahrungen gesammelt hat, ist ziemlich einmalig.

Baunummer 310

Für das Schiff in Katamaranbauweise, für das am Dienstag Stapellauf war, findet in den kommenden zwei Wochen der Probelauf der Motoren statt und es werden die Restarbeiten im Innenausbau erledigt. Die Abnahme durch die Schiffsuntersuchungskommission SUK muss noch erfolgen. Bis Ende November wird das Schiff noch in Havelberg bleiben und dann Kurs auf die Hauptstadt nehmen. Für das zweite Schiff ist der Rumpf schon fertig. Etliche Teile wurden bereits vorgefertigt. Mit dem Stapellauf dafür rechnet der Werftchef Ende März.

Nicht nur im Schiffbau hat die 1998 gegründete Werft, die an die 300 Jahre alte Schiffbautradition in Havelberg anknüpft, beste Erfahrungen. Vom Stapel gelaufen ist hier zum Beispiel ein Cabrioschiff für den Präsidenten von Kasachstan viele andere Fahrgastschiffe und Privat-yachten. Auch im Innenausbau sind die Mitarbeiter seit Jahren erfolgreich tätig. Etwa auf großen Fluss- und Kreuzfahrschiffen wie „Vinkin“, „Mein Schiff“ und der „Queen Mary2“ gibt es „made in Havelberg“.

Das erste Elektro-Fahrgastschiff trägt die Baunummer 310 aus der Havelberger Werft. Entstanden sind über die Jahre 16 Schiffe, viele Hausboote, Schwimmsteganlagen und Arbeitsplattformen.