Seehausen l „Eine Katze kommt mir nicht ins Haus“, hätte sie einmal gesagt. Das ist jedoch schon einige Jahre her. Mittlerweile sind ihr die Samtpfoten ans Herz gewachsen. Margot Schulze geht zweimal täglich ihre Runde durch Seehausen, füttert die herrenlosen Kätzchen und bringt sie auch zum Tierarzt. Das kostet! Sie würde sich wünschen, wenn die Kommune für die Sterilisation die Verantwortung übernehmen würde.

Zwei größere Runden am Tag

Aus dem Schaufenster der ehemaligen Bäckerei im Schwibbogen schauen vier kleine „Tiger“ heraus. Oftmals blieben Kinder oder Erwachsene stehen, erzählt Margot Schulze, die froh ist, dass eine Freundin ihr dieses Zimmer für das im Mai geborene Katzen-Quartett zur Verfügung stellte. Schließlich herrscht bei ihr in den eigenen vier Wänden schon genug Katzen-Trubel. Die jungen Tiere fühlen sich sichtlich wohl, tollen herum. Und vielleicht können sie schon bald vermittelt werden, sagt sie. Das ist jedoch eine Seltenheit. Ein Großteil ist in der Wischestadt herrenlos.

„Es muss wohl um das Jahr 2000 gewesen sein“, erinnert sich die 76-Jährige zurück. Bis dahin spielten Katzen in ihrem Leben keine besonders große Rolle. Das sollte sich ändern. „Mauzi“, deren Frauchen in ein Pflegeheim zog, saß eines Tages bei ihr auf der Fensterbank. „Ich habe sie dann bei mir aufgenommen.“ Kurze Zeit später stand „Pauline“ mit ihrer „Familie“ auf dem Hof – und schon war Margot Schulze die Katzen-Mutter für sechs Tiere. „Es kamen immer mehr.“ Aktuell hat sie zu Hause zwölf Katzen, die älteste ist Lilly mit zwölf Jahren.

Für den Großteil hat sie Namen vergeben. Über 40 seien es wohl, schätzt sie ein, um die sich die Seehäuserin, die einst als Verkäuferin beim Bäcker und später als Telefonistin im Krankenhaus tätig war, kümmert. Jeden Morgen und jeden Abend geht sie ihre Runde, dabei bleibt sie natürlich in Bewegung, was durchaus auch ihrer Gesundheit zugutekommt. In der Grabenstraße trifft sie auf „Naseweiß“ und seine Freunde. Anschließend warten bereits in der Fabrikstraße die nächsten Katzen auf sie. „Meistens sitzen sie hinter der Mauer.“ Wenn sie auf Leute trifft, rufen einige zu: „Deine Kinder warten schon auf dich.“ Margot Schulze nimmt es mit Humor. Viele Bürger erkennen ihre Aufgabe an, unterstützen sie auch. „Manchmal kommt es vor, dass Futter vor meinem Haus steht.“ Ihre Runde führt die Seniorin auch am Umfluter nahe der Stadtinformation vorbei in Richtung Kaland, wo sie ihre Futterstellen hat. „Es gibt auch viele vernachlässigte Katzen in Seehausen“, weiß Margot Schulze, die indes nicht nur für die „Mahlzeiten“ der Tiere sorgt, sondern mit ihnen auch zu den Ärzten geht, sei es um eine Verletzung zu heilen oder sie zu sterilisieren, also unfruchtbar zu machen. „Beim Tierarzt Dr. Alt bin ich fast schon zu Hause.“

Die Kosten sind nicht gerade gering. Beispielsweise zieht eine Sterilisation Kosten in Höhe von 90 Euro nach sich. In diesem Jahr hat sie bisher sechs Sterilisationen bezahlt. Margot Schulze wünscht sich mehr Unterstützung von Politik und Verwaltung. Schließlich würden viele auf streunende Katzen schimpfen. „Aber keiner tut etwas dagegen.“ Die Stadt könnte die Kosten der Sterilisationen/Kastrationen übernehmen, wäre ein Vorschlag der Fraktion „Die Linke/Bündnis 90/Die Grünen“, die einen entsprechenden Antrag in den Bauausschuss der Hansestadt Seehausen brachte. Dieser diskutierte kürzlich darüber. „Für uns ist dies ein erster wichtiger Schritt“, betonte Stadträtin Susanne Bohlander, die den Eindruck hatte, „dass das Thema noch recht befremdlich war“. Ausschuss-Vorsitzender Willi Hamann könnte sich vorstellen, dass die Kommune für das nächste Haushaltsjahr Gelder für die kleinen Operationen an den Tieren einstellen könnte. Vorausgesetzt: Der Stadtrat positioniert sich per Beschluss dazu. Die nächste Sitzung ist am 10. Oktober – vielleicht werden die Katzen dann schon zum Thema.

Kätzchen brauchen auch Streicheleinheiten

Bei den vielen Katzen: Hat Margot Schulze ein Lieblings- tier? Ja, Mittwoch, sagt sie. Den Kater benannte sie nach dem Wochentag, an dem sie ihn erblickte. Das war vor rund zwei Jahren. Sie war gerade auf dem Weg zum Penny-Markt, als sie den Kater in einem „erbärmlichen Zustand“ bemerkte. In der Nähe der damaligen Konservenfabrik. „Er lag nur noch da, konnte nicht mehr stehen.“ Sie konnte nicht anders, nahm ihn mit, päppelte ihn wieder auf. „Und er ist so dankbar.“ Er würde sehr oft um ihre Füße schleichen. „Mittwoch“ braucht natürlich wie viele andere Kätzchen seine Streichel-Einheiten. Das übernimmt Margot Schulze gern.