Kunrau l Langeweile ist für die Mitglieder des Kulturklubs Drömling (KKD) ein Fremdwort. Stattdessen sprühen sie auch zwei Jahre nach der Vereinsgründung vor Tatendrang. Das sich nun zu Ende neigende Jahr schätzt KKD-Vorsitzender René Schneider im Gespräch mit der Volksstimme als „sehr erfolgreich“ ein. Insbesondere die Kultursonntage im Kunrauer Schloss haben sich etabliert und sind sowohl in der Künstlerszene als auch in der Bevölkerung zu einem Begriff geworden, freut sich Schneider. In diesem Jahr gab es die Ausgaben 6 bis 9. Zum Programm gehörten beispielsweise Auftritte der Acoustic Hippies, vom Zauber der Travestie, des Schauspieler-Ehepaares Hans-Peter Korff und Christiane Leuchtmann sowie der Leipziger Kammersolisten. Nicht zu vergessen die Ausstellungen der Malerinnen Gudrun Lohmann und Erina Blaffert sowie von Wolfgang Hartung.

Für 2016 dürfen sich die Menschen schon mal den 16. April vormerken. Dann werden Jimmy Kelly und Band ab 20 Uhr im Kunrauer Schloss zu Gast sein. Gut möglich, dass dort im Laufe des Jahres auch Sängerin Ulla Meinecke ein Stelldichein geben wird. „Mit ihr werde ich mich im Januar treffen, um weitere Absprachen zu treffen“, steht Schneider einem Engagement optimistisch gegenüber.

Doch das Konzept des KKD sieht vor, dass nicht nur in der Altmark die Kultur gefördert werden soll, sondern auch im benachbarten Niedersachsen. Dort gibt es die Reihe „Kulturzeit“. Diese, so räumt Schneider ein, stößt allerdings auf etwas weniger Resonanz als das Modell der Kultursonntage in Kunrau. Festzustellen war das zuletzt am 6. Dezember, als sich Angels‘ Share und die Feuer-/Schlangenakrobatin Xenia in der Perle an der Ohre in Brome die Ehre gaben. Leider vor einer übersichtlichen Kulisse, wie der KKD-Vorsitzende bedauert. Was die Gründe für den geringeren Zuspruch in der Samtgemeinde Brome sein könnten, darüber soll heute bei einer Mitgliederversammlung gesprochen werden. Eventuell, so sinniert Schneider, liegt es an der Lokalität. Sollte dem tatsächlich so sein, dann könnte unter Umständen ein Ortswechsel in Betracht gezogen werden. Eventuell nach Ehra-Lessien, wohin Schneider gute Verbindungen pflegt, wie er sagt.

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Schlosskeller soll andere Art von Kultur biet

Ebenfalls ein Thema der Mitgliederbesprechung soll die Koordinierung der weiteren Arbeitseinsätze im Keller des Kunrauer Schlosses sein. Hier, so erzählt Schneider, sind die Mitglieder vor allem montags aktiv, um die Räumlichkeiten zu renovieren. Darüber hatte auch das MDR-Fernsehen schon berichtet und sich für weitere Dreharbeiten angekündigt. Die Eröffnung des Kellers wird zwar für 2016 angestrebt, allerdings will Schneider keinen konkreten Termin festlegen, um die ohnehin schon stark beanspruchten KKD-Mitglieder, deren Fleiß und Einsatz er an dieser Stelle hervorheben möchte, nicht noch zusätzlich unter Druck zu setzen. Fürderhin gilt sein Dank den Sponsoren.

Nicht nur in der ersten Etage des Schlosses, sondern auch im Keller soll künftig also Kultur zu erleben sein. Unter anderem auch deshalb, „weil die Künstler bei uns Schlange stehen“, wie Schneider betont, und die vielen Anfragen allein mit den Kultursonntagen nicht abzudecken sind. Das Geschehen im Keller soll sich außerdem von den Kultursonntagen unterscheiden und ein anderes Klientel ansprechen, wie Schneider erklärt. So könnte dort bisher eher unbekannten Nachwuchskünstlern eine Bühne gegeben werden. Ein Name für diese „Keller-Veranstaltungen“ muss noch gefunden werden. An Ideen mangelt es jedoch nicht. „Ich kenne jemanden aus Leipzig. Der spielt auf dem Dudelsack und gibt Informationen zum Whisky“, nennt Schneider ein Beispiel. Außerdem hat er Kontakt zu einer Künstlerin aus Berlin. „Die singt Chansons. Dazu gibt es Croissants“, erklärt der KKD-Vorsitzende, dem insgesamt ein „Crossover“ vorschwebt.

Weiter konkretisieren möchte der KKD überdies seine Anstrengungen bezüglich eines großen Drömlingsfestes. Hierbei handelt es sich um eine Idee, die aus dem Tourismuskonzept für den Drömlings hervorgegangen ist, wie Schneider erinnert. Ziel ist es, diese Veranstaltung 2017 stattfinden zu lassen.

Für das Drömlingsfest ist die Hilfe

Klar ist aber auch, dass Finanzierung, Organisation und Durchführung eines solch riesigen Events die Möglichkeiten des KKD bei Weitem übersteigen würden. „Allein schaffen wir das nicht. Die betreffenden Gemeinden müssen Geld dazugeben. Sonst ist das eine Totgeburt“, macht Schneider, der bei der Vorstellung des Projekts eine Summe von 30 000 Euro genannt hat und von einer einjährigen Planungsphase ausgeht, deutlich. Hilfe erwartet er zudem von der Gesellschaft und der Wirtschaft. „Unsere Aufgabe muss es nun sein, Klinken zu putzen und noch besser zu kommunizieren, was wir eigentlich vorhaben.“ So soll das Drömlingsfest viel mehr als nur ein Fest für und von den Menschen im Drömling sein. „Es soll auch ein Anlass sein, bei dem die Region präsentiert wird.“ Wobei der westliche Teil mit Wolfsburg, Vorsfelde und Rühen mit eingebunden werden soll.

Für den KKD, so gibt Schneider zu bedenken, sind alle diese Pläne mitsamt Kultursonntagen und Kulturzeiten eine Herkules-Aufgabe. Zumal das Hauptaugenmerk derzeit auf dem Schlosskeller liegt. „Damit haben wir schon genug zu tun.“

Was den KKD-Vorsitzenden aber nicht davon abhält, sich grundsätzliche Gedanken über die Zukunft des Schlosses zu machen, dass sonntags von den KKD-Mitgliedern für potentielle Gäste offen gehalten wird. „Nach wie vor fehlt an einem gastronomischen Angebot. Es müssen Anreize geschaffen werden, um Touristen anzulocken.“ Eine klare Aussage erwartet Schneider in diesem Zusammenhang auch darüber, ob das Schloss nun künftig vor allem als Bürogebäude für den Zweckverband Drömling und andere oder als touristische Attraktion dienen soll.