Nach drei Jahren

An der Ohre bei Jahrstedt wird demnächst die eingestürzte Schleuse ersetzt

Für insgesamt etwa 920.000 Euro entsteht bei Jahrstedt ein Ersatzneubau für die vor mehr als drei Jahren eingestürzte Schleuse. Außerdem wird eine Fischtreppe errichtet. Die Arbeiten sollen zwischen September und Dezember stattfinden, wie es bei der Bauanlaufberatung hieß.

Von Markus Schulze 30.06.2021, 05:00
Für insgesamt 920.000 Euro – die reine Bausumme beträgt zirka 720.000 Euro – wird bei Jahrstedt eine neue Ohre-Stauanlage samt Fischtreppe entstehen. Gebaut wird von September bis Dezember. Projektleiter Nico Stiller (rechts) stellte das Vorhaben bei der Bauanlaufberatung vor.
Für insgesamt 920.000 Euro – die reine Bausumme beträgt zirka 720.000 Euro – wird bei Jahrstedt eine neue Ohre-Stauanlage samt Fischtreppe entstehen. Gebaut wird von September bis Dezember. Projektleiter Nico Stiller (rechts) stellte das Vorhaben bei der Bauanlaufberatung vor. Foto: Markus Schulze

Jahrstedt - Am 18. März 2018 war die Ohre-Schleuse bei Jahrstedt-Germenau eingestürzt. Eis und Treibgut hatten damals ein Fundament unterspült. Dadurch wurde die 1956 errichtete Stauanlage komplett zerstört und der Plan des Zweckverbandes Naturschutzgroßprojekt Drömling, dort einen Fischpass zu errichten, gleich mit. Da aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) eine Neuauflage des Projekts nicht möglich war, zog sich der Zweckverband aus der Maßnahme zurück.

Die einzige verbleibende Möglichkeit, eine finanzielle Lösung zu finden, war die Umsetzung über das Programm der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Als Antragsteller kam nur der Unterhaltungsverband (UHV) Obere Ohre in Betracht, der sich dazu am 5. September 2018 erstmals an das Landesverwaltungsamt wandte. Im August 2019 wurde zwischen dem Landesverwaltungsamt und dem UHV ein Vertrag zur Umsetzung der Maßnahme beschlossen. Später gab es noch einen Änderungsvertrag mit einem Volumen von rund 935.000 Euro. Weiterhin wurde ein Planungsbüro gefunden und mit der Vorplanung begonnen.

Drei Jahre vom Einsturz bis zur Bauanlaufberatung

Die Ziele der Maßnahme wurden klar umrissen: Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit bei gleichzeitiger Wiederherstellung des langjährig vorhandenen Wasserhaushaltes. Es bildete sich eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern des Landesverwaltungsamtes, des Landkreises, der Stadt Klötze, des Biosphärenreservates Drömling, des UHV Obere Ohre und des Angelsportvereins (ASV) Jahrstedt, die am 17. Juni 2020 zu dem Schluss kam, dass der Neubau der Stauanlage mit parallel geführter Fischtreppe hierzu die am besten geeignete Variante wäre.

Mittlerweile ist alles geklärt. Am Dienstag fand die Bauanlaufberatung statt. „Der Unterhaltungsverband ist Bauherr der Maßnahme, die zu 100 Prozent über die Wasserrahmenrichtlinie finanziert wird“, sagte Verbandsvorsteher Horst Wienecke. UHV-Gelder kommen nicht zum Einsatz. Er bedauerte, dass zwischen dem Einsturz der Schleuse und der Bauanlaufberatung mehr als drei Jahre vergangen sind. Grund ist der bürokratische Aufwand, der betrieben werden musste und der in keinem Verhältnis zur Dauer der Bauarbeiten stehen wird.

„Kurios“ nannte Wienecke den Umstand, dass die Durchgängigkeit der Ohre derzeit in Calvörde unterbrochen wird. UHV-Geschäftsführer Hagen Müller fügte hinzu, dass sich das ändern soll.

Die Ohre im Bereich des Drömlings können Fische passieren und dank der Fischtreppe auch bald die Stauanlage bei Jahrstedt. Im nahen Brome ist für sie aber wieder Schluss, wie ASV-Vorsitzender Maik Theisz wusste.

Wie es von der Baufirma aus Brandenburg hieß, sollen Stauanlage und Fischtreppe im Zeitraum von September bis Dezember 2021 entstehen.

Laut Hagen Müller fand die Ausschreibung für die Maßnahme Anfang 2021 statt. Die reine Bausumme für Stauanlage und Fischtreppe beläuft sich auf zirka 720.000 Euro, alles in allem, kostet die Maßnahme 920.000 Euro, samt Planung.

Wasserstand wird automatisch reguliert

Ziel der neuen Stauanlage ist es, den Wasserstand der Ohre möglichst auf einem gleichbleibenden Niveau zu halten. Dafür soll ein Klappenwehr mit automatischer Steuerung und Sonden sorgen, das bei Hochwasser einen Alarm auslöst. Die Daten bekommt der UHV via Fernübertragung nach Oebisfelde übermittelt.

Laut Müller galt es in der Vorplanung, fünf Parameter zu berücksichtigen: Erhalt der für Jahrstedt ortsbildprägenden Ohre, die Löschwasserversorgung, die weitere Speisung des Angelteiches, die Bewässerung der im Nebenfluss befindlichen Gräben und dann noch die Wasserversorgung der Fischtreppe. Außerdem kommt dem Hochwasserschutz eine besondere Bedeutung zu, der Wasserabfluss wird dann ebenfalls über das Klappenwehr sichergestellt, das eine Breite von 5,30 Meter haben wird.

Direkt neben Ohre und Stauanlage entsteht auf östlicher Seite die Fischtreppe, 45 Meter lang, 3,35 Meter breit und mit zehn Becken. Als Einfassung dienen Spundwände. Wegen der Fischtreppe muss der bisher dort befindliche Feldweg etwas nach hinten verlegt werden, erklärte Nico Stiller, dem die Projektsteuerung obliegt. Es ist auch nur dieser Feldweg, der für die Dauer der Bauarbeiten gesperrt wird. Weitere Straßen, so erfuhr Klötzes Bürgermeister Uwe Bartels auf seine Nachfrage hin, werden nicht betroffen sein.

Stiller, der die Bauanlaufberatung moderierte, bedankte sich bei der Arbeitsgruppe, die im Vorfeld trotz Corona gute Arbeit geleistet habe. „Das war ein konstruktives Miteinander“, lobte er.

Einen wichtigen Dienst leistete seit dem Einsturz der alten Stauanlage das Provisorium aus Gabionen, das der UHV im Zusammenwirken mit der Stadt Klötze zwischen dem 22. und 24. Mai 2018 hergestellt hatte. Nun wird es durch die neue Stauanlage abgelöst.