Klötze l „Das sind Bilder, die jedem wehtun, der mit Blumen zu tun hat“, sagt Ron Behne und zeigt auf seinem Handy Bilder, wie Blumenproduzenten in Holland ihre frische Ernte vernichten. Die Corona-Pandemie zwingt die Floristen in die Knie. Sie dürfen ihre Läden nicht mehr öffnen und kaufen deshalb keine frischen Blumen ein.

Das spüren auch Ron Behne, Junior-Chef des gleichnamigen Blumengroßhandels in Klötze, und seine Kolleginnen und Kollegen. Die eingekaufte Ware steht in den Kühlräumen – und wird jetzt nach und nach verschenkt. Bei der ersten Aktion am Freitag dauerte es eine Stunde bis die vier großen Rollwagen voller Schnittblumen leer waren.

Bedarf an Schnittware minimiert

„Das ist alles Ware, die für die Blumengeschäfte vorgesehen war, die wir beliefern“, erklärt Ron Behne. Im Lager und im Kühlhaus, das sonst bis unter das Dach mit frischer Ware gefüllt ist, die im Normalfall alle drei Tage neu eingekauft wird, wird es zusehends leerer. Der Bedarf an Schnittblumen und Floristikbedarf hat sich auf einen Schlag auf einen kleinen Bruchteil der sonst üblichen Menge minimiert. Bestellungen wurden storniert.

„Bevor die Blumen welken und wir sie auf den Müll werfen, verschenken wir sie lieber“, erklärt er die Überlegung in dem familiengeführten Unternehmen. Zu diesem gehören neben den Senior-Chefs Britta und Heiko Behne 37 festangestellte Mitarbeiter, die als Einkäufer, Lageristen, Fahrer, Floristen, Verkäufer und in der Verwaltung ihren Lebensunterhalt verdienen.

Erstmals in der 30-jährigen Geschichte des 1990 gegründeten Unternehmens müssen diese nun in Kurzarbeit geschickt werden.

„Das machen wir umschichtig, so dass jeder mal in Kurzarbeit geht“, sagt der 28-Jährige, der sich das Jubiläumsjahr von „Behne-Blumen“ wahrlich anders vorgestellt hat. Wenn beispielsweise Bekleidungsgeschäfte schließen, würden die bei Wiedereröffnung noch ihre vollen Regale und Lager haben, „aber unser Bestand ist dann auf null, der Wert des Wareneinkaufs vernichtet“.

Ganz leer geräumt werden die Lager allerdings nicht. Einige Waren werden noch für die Gartenmärkte benötigt, die Blumen verkaufen, und für Bestattungen.

Das Zuviel an Ware, das von der letzten Versteigerung aus Aalsmeer (Niederlande) noch im Lager ist, soll jetzt wieder verschenkt werden, unter anderem an Heime und Betreuungseinrichtungen. „Wir werden da vorher anrufen und die Waren nach Absprache vor die Tür stellen, damit der Mindestabstand gewahrt bleibt.“