Klötze l „Gibt es heute eine Entscheidung darüber, ob das nächste Drömlingsfest wieder in Kunrau stattfindet?“, wollte Ralf Schumann aus Kunrau bei der Einwohnerfragestunde vom Klötzer Stadtrat wissen. „Nein“, antwortete Vorsitzender Klaus Ewertowski (CDU). „Das steht nicht auf der Tagesordnung.

Sehr wohl auf der Tagesordnung stand aber die Auswertung des Drömlingsfestes, dessen Premiere vom 21. bis 23. Juni 2019 in Kunrau über die Bühne gegangen war. Juliane Ruttkowski, als Tourismusmanagerin beim Biosphärenreservat (BR) in Oebisfelde tätig, zog ein positives Fazit. Sie berichtete, dass in Anbetracht von mindestens 15 000 Besuchern aus dem ganzen Bundesgebiet alle Erwartungen erfüllt und sogar übertroffen worden seien. Unter anderem sollte(n) Tourimus und Kultur gefördert und eine engere Verbundenheit zwischen den Drömlingsgemeinden in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen erreicht werden. „Das haben wir geschafft“, freute sich Juliane Ruttkowski. Und: „Der Drömling hat sich einen Namen gemacht.“ Der Dank der Managerin galt allen Helfern und Sponsoren.

Insgesamt habe das Drömlingsfest 137 000 Euro gekostet, informierte sie. Wegen höherer Kosten für Security und einen privaten Sanitätsdienst sei es zu einem Defizit gekommen, das, wie vereinbart, die BR-Verwaltung aus ihrem Haushalt beglichen habe. Somit seien den Gemeinden (die Stadt Klötze hatte 2500 Euro beigesteuert, die Red.) keine weiteren Kosten entstanden.

Die Planungen für das nächste Drömlingsfest, das alle zwei Jahre stattfinden soll, hätten bereits begonnen, teilte Juliane Ruttkowkski mit. Für 2021 gebe es bereits viele Anmeldungen. Es werde ein Schirmherr gesucht. Auch die Wirtschaft wolle sich noch stärker engagieren. Hatte im Rahmen des Drömlingsfestes 2019 der Altmarkkreis Salzwedel sein 25-jähriges Bestehen gefeiert, so wolle sich 2021 der Landkreis Börde an einem Tag präsentieren.

Die Managerin strich heraus, dass künftig keine Gemeinde mehr als Veranstalter des Drömlingsfestes fungiere, sondern ein BR-Verein. Egal, wo das Drömlingsfest ausgerichtet wird: „Wir werden uns um alles kümmern“ versprach Juliane Ruttkowski. Dazu gehöre auch, das Veranstaltungsgelände zu pachten. „Neu ist, dass Niedersachsen komplett einsteigt.“

„Wir werden uns um alles kümmern.“

Managerin Juliane Ruttkowski

Stefan Thodte (Die Linke) nahm Juliane Ruttkowski das Versprechen ab, nächstes Mal auf etwaige Terminkollisionen mit anderen Großveranstaltungen zu achten. 2019 fand in Gardelegen zeitgleich das Metal Frenzy-Festival statt und in Kusey das 100-jährige Jubiläum des Sportvereins.

Die Managerin kündigte an, demnächst den Termin des nächsten Drömlingsfestes bekanntgeben zu wollen. „Steht denn schon der Ort fest?“, fragte Randy Schmidt (UWG). „Nein“, antwortete Juliane Ruttkowski und kam damit wohl auf den Kern ihres Besuches zu sprechen. So werde allmählich die Zeit knapp, der Standort des nächsten Drömlingsfestes sei aber weiter offen. Allgemeiner Tenor sei, dass man 2021 am liebsten wieder in Kunrau feiern würde. Dort kenne man sich aus, es müsse nur noch „Feintuning“ betrieben werden.

Das Stimmungsbild im Stadtrat war allerdings geteilt. Matthias Licht (UWG) machte darauf aufmerksam, dass der Stadtwirtschaft im Vorfeld des Drömlingsfestes viel Arbeit aufgebürdet worden sei. Dafür habe man andere Klötzer Ortsteile vernachlässigen müssen. Künftig, so forderte Licht, müsse die Stadtwirtschaft entweder vom Veranstalter bezahlt werden oder außen vor bleiben. „Wir haben keinen Hinweis auf die Kosten bekommen“, entgegnete Juliane Ruttkowski. Außerdem hätten sich auch die BR-Mitarbeiter und etliche Freiwillige an den Arbeitseinsätzen und der Organisation des Drömlingsfestes beteiligt.

Alexander Kleine (SPD) wollte es nicht versäumen, der Klötzer Stadtverwaltung zu danken. „Das Fest war mit viel Aufwand verbunden und hat sicher einige Mitarbeiter in Anspruch genommen.“ In Anbetracht der Größe und Bedeutung des Drömlingsfestes fand er daran aber nichts auszusetzen.

Sein Fraktionskollege Jürgen Barth sah das ein bisschen anders. Er hob zwar hervor, dass Kunrau mit Schloss und Park ein außergewöhnliches Ambiente biete, es stelle sich aber die Frage nach dem Aufwand. Und der sei für die Stadt Klötze „erheblich“ gewesen. Die Worte von Juliane Ruttkowsi, wonach sich der BR-Verein um alles kümmern werde, verstand Barth so, dass die Stadt Klötze künftig nur noch ihren finanziellen Obolus leisten müsse „und das war‘s dann“.

„In Calvörde gibt es auch schöne Ecken.“

Stadtrat Joachim Klabis (Die Linke)

Joachim Klabis (Die Linke) erinnerte an die ursprüngliche Absprache, wonach das Drömlingsfest jedes Mal an einem anderen Ort stattfinden soll. „In Calvörde gibt es auch schöne Ecken.“

„Die Rotation wird auch definitiv einsetzen“, versicherte Juliane Ruttkowski, 2023 sei die Samtgemeinde Brome an der Reihe. 2021 solle aber nochmal in Sachsen-Anhalt gefeiert werden. Und es gebe viele, die sich für Kunrau ausgesprochen hätten, darunter auch die Drömlingsgemeinden selbst. Das sei das Ergebnis einer ersten Auswertung am 1. Oktober 2019 gewesen. Zudem wäre Kunrau organisatorisch leichter zu stemmen als ein anderer Ort. „Dann müssen wir nur noch unsere kleinen Fehler ausbügeln und können marketingtechnisch noch einen draufsetzen“, blickte die Managerin voraus.

Randy Schmidt (UWG) pflichtete ihr bei. „Lasst uns das ruhig nochmal machen in Kunrau. Das war top. Die Einwohner wollen das.“

Indes blieb sein Fraktionsvorsitzender Marco Wille skeptisch. Er brachte eine Diskussion über den Eichenprozessionsspinner ins Rollen (Bericht folgt) und zeigte sich davon überzeugt, dass an der Stadt Klötze zumindest die administrativen Tätigkeiten hängen bleiben. „Es wird nicht anders gehen, dass unsere Mitarbeiter über Tage und Wochen gebunden sind.“ Über die Kostenfrage müsse man sich nochmal unterhalten.

Auf Antrag von Jürgen Barth verständigte sich der Stadtrat darauf, erst bei seiner nächsten Sitzung am 4. März darüber zu entscheiden, ob Kunrau als Standort fürs Drömlingsfest 2021 erneut in Frage kommt.

Ginge es allein nach Bürgermeister Uwe Bartels, dann wohl eher nicht. Er verwies auf die hohe Belastung für Stadverwaltung und -wirtschaft und sagte: „Das Biosphärenreservat besteht nicht nur aus Kunrau. Andere Orte sollten sich auch mal vorstellen dürfen.“ Obendrein widersprach er Juliane Ruttkowski. So habe es bei der Auswertung am 1. Oktober 2019 zwar viel Lob von den Drömlingsgemeinden für Kunrau gegeben, „aber keine direkte Fürsprache“.