Böckwitz l Jan, Ulrike und Maximilian Peukert wohnen in Gestratz. Das ist eine Gemeinde im Westallgäu zwischen Kempten und dem Bodensee. Eine idyllische Gegend mit lohnenswerten Ausflugszielen in unmittelbarer Umgebung. Doch stattdessen war die Familie zuletzt auf dem Grünen Band unterwegs. Der Zufall wollte es, dass die Volksstimme auf dem Grenzlehrpfad bei Böckwitz ihre Bekanntschaft machte.

„Wir gehen die ehemalige Grenze entlang, um unserem Sohn zu zeigen, dass es mal zwei deutsche Staaten gab“, erklärt Mutter Ulrike. Wann immer es sich anbietet, meist ist das an Ostern oder Pfingsten der Fall, werden die Rucksäcke gepackt und es geht auf Schusters Rappen. „Angefangen haben wir 2015 an der tschechischen Grenze“, erinnert sich Vater Jan.

Ursprünglich kommen er und seine Frau aus Dresden. Beruflich verschlug es das Paar im Jahr 2007 nach Gestratz, das zum schwäbischen Landkreis Lindau gehört. Jan Peukert ist 40 Jahre alt und arbeitet als Gruppenleiter bei einem der weltweit führenden Hersteller von Sensoren, seine Frau Ulrike (43) ist im Vertrieb eines Fotolabors beschäftigt, Söhnchen Maximilian (11) geht in die fünfte Klasse und hatte Schulferien.

In gewisser Weise war er auch der Auslöser dafür, dass die Familie, wann immer es die Zeit erlaubt, auf dem Grünen Band unterwegs ist. Denn: „Bei der Sendung mit der Maus wurde mal gezeigt, wie das einer gemacht hat.“ Aber auch seine Eltern hatten ihren Anteil. Papa Jan sah nämlich eine Dokumentation des Tierfilmers Andreas Kieling, bei der es um die Fauna auf dem einstigen Todesstreifen geht. Und Mama Ulrike entdeckte ein Buch, das der Familie als Vorlage für ihre Touren dient.

Start für die diesjährige Wanderung war am 14. April in Walkenried am Rand des Südharzes im Landkreis Göttingen. „Wir sind bei Schneetreiben losgegangen“, berichtet Jan Peukert und schwärmt von der Übernachtung auf dem puderzuckerweißen Brocken. „Einfach genial.“

Schnee auf dem Brocken, Sonne im Tal

Unten im Tal, in Ilsenburg, war die Natur dann plötzlich wieder in eine sattgrüne Farbe getaucht. „Und von Tag zu Tag wurde es wärmer. Da hatten wir echt Glück“, beschreibt Ulrike Peukert den schnellen Wetterwechsel.

Am Montag wurde Oebisfelde erreicht, die Familie besichtigte dort das Burg- und Heimatmuseum. Am Dienstag, auf dem Grenzlehrpfad, ruhten sich die drei an jenem Baum aus, der 1998 vom früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher gepflanzt worden war. Vater Jan machte fleißig Fotos. Ihr Tagesziel, das Hotel Hubertus bei Zicherie, war nicht mehr weit entfernt. Am Mittwoch ging es dann weiter nach Wittingen und von dort mit dem Zug zurück nach Walkenried, wo die Familie ihr Auto geparkt hatte. „44 von 60 Etappen haben wir dann geschafft. Nächstes Jahr geht es zum Abschluss die Elbe entlang und weiter nach Travemünde“, blickt Ulrike Peukert voraus.

Die Eindrücke, die sie auf dem Grünen Band gesammelt hat, möchte die Familie nicht missen. „Das Schöne ist, dass es nicht so überlaufen ist. Man bleibt für sich und kann einfach nur die Natur genießen“, erzählt Ulrike Peukert. Für sie waren allein schon die vielen Tiere die Mühe wert: Rehe, Hasen, Schwäne, Störche.

Indes bleiben ihrem Mann vor allem die persönlichen Begegnungen mit den Menschen im Gedächtnis. „Jeder hat seine ganz persönlichen Erfahrungen mit der Grenze gemacht, mal negativ, mal positiv.“ Von diesen Erzählungen, so glaubt seine Frau, wird auch der Sohnemann zehren können. „Er gehört ja zu der Generation, die sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass unser Land mal geteilt war. Hier sieht er das mit eigenen Augen und hört Geschichten, die im Unterricht nie vorkommen werden.“

Kaum Gastronomie, schlechte Beschilderung

Maximilian fällt es ein bisschen schwer, hüben und drüben auseinanderzuhalten. Kein Wunder, meint sein Papa. Denn: „Die Orte im Osten haben extrem aufgeholt. Wenn man sich die Häuser und Straßen anguckt, dann ist da eigentlich kein Unterschied mehr.“ Beeindruckend ist für ihn, wie sehr sich die Bürger auf dem Land um ihre Heimat bemühen. „Alles ist so sauber, an den Ortseingängen werden Blumen gepflanzt. Das fällt einem gleich ins Auge.“

Bedauerlich findet er, dass es entlang des Grünen Bandes kaum Gastronomie gibt. Das war auch während der Wanderung ein Problem. „Möglichkeiten zur Einkehr und Übernachtung sind extrem selten.“ Außerdem kritisiert Jan Peukert, dass die Beschilderung in der Altmark wesentlich schlechter ist als im Harz. Nur gut, dass sich die Familie über GPS (Satellit, die Red.) orientiert.

Übrigens hat das Trio täglich zwischen 18 und 31 Kilometer zurückgelegt. Wenigstens war das Marschgepäck nicht so schwer. „In dem Punkt haben wir in den letzten Jahren sehr dazugelernt“, verrät Vater Jan. „Man braucht nicht jeden Tag ein neues T-Shirt.“ Aber durchaus mal ein Blasenpflaster.