Klötze l Am 7. und 8. Juni treffen sich im Magdeburger Maritim-Hotel rund 150 Interessenten, die alle etwas mit Algen zu tun haben. Gemeinsam wollen sie die Weichen für den künftigen Umgang mit Algen als Lebensmittel stellen. Die Idee dazu hatte Kirstin Knufmann, Geschäftsführerin von Pure Raw. Sie war es auch, die beim Bundesministerium für Bildung und Forschung Unterstützung beantragte. In Jörg Ullmann, Geschäftsführer der Algenfarm Roquette, fand sie zudem einen engagierten Partner.

Das Innovationsforum trägt den Titel „Algae Food“ (Algen Lebensmittel). „Wir wollen bei diesem Forum das Potenzial und die Grenzen von Algen aufzeigen und ein dauerhaftes Netzwerk schaffen, um mit allen Akteuren langfristig zusammenarbeiten zu können“, umriss Jörg Ullmann die Ziele.

Dabei geht es um Algen als nachhaltigen „pflanzlichen“ Rohstoff (denn nicht alle Algen sind Pflanzen) für die Entwicklung gesünderer Lebensmittel. Überhaupt sind laut Ullmann und Knufmann Algen ein Lebensmittel der Zukunft. Sie zählen weitere Trends auf: „Veganes Essen, Reduzieren tierischer Bestandteile im Essen, kalorien- und kochsalzreduzierte Lebensmittel, natürliche Jodquelle – und alles mithilfe von Algen.“

Umdenken in der Ernährung tut not

Dass ein Umdenken bei unserer Ernährung dringend erforderlich ist, zeigen einige aktuelle Fakten: „2,3 Millionen Todesfälle durch zu viel Salz im Essen gibt es jährlich in Deutschland“, berichtete Jörg Ullmann. „Ein Viertel aller Erwachsenen gilt in Deutschland als stark übergewichtig.“ Die Folge seien Erkrankungen wie Krebs, Diabetes und anderes. Die jährlichen Kosten für die Bekämpfung solcher Krankheiten summieren sich in der Bundesrepublik auf rund 17 Milliarden Euro.

Dabei könne Kochsalz in industriell gefertigten Lebensmitteln durch Zugabe von Algen bei gleichem Geschmack um bis zu 30 Prozent reduziert werden, sagte Jörg Ullmann. Ein Algenzusatz kann Butter und Ei in Backwaren reduzieren. „Das ist eine Herausforderung, und Algen bieten dafür Lösungsansätze“, verdeutlichten Kirstin Knufmann und Jörg Ullmann.

Darüber zu sprechen und alle Interessenten vom Bäcker bis zum Händler an einen Tisch zu bekommen, das ist die Aufgabe des Innovationsforums in Magdeburg. Jörg Ullmann zählte die Teilnehmer auf: „Forschungseinrichtungen, Produktentwickler, Vermarkter, Handelsketten, Behörden, Medien, Autoren, Blogger und andere.“

Viele würden das Thema Algen interessant finden, aber nicht wissen, wie sie es angehen können. Dafür soll bei dem Forum das Kompetenznetzwerk etabliert werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Trendmärkte können dadurch schneller mit neuen Produkten erschlossen werden, das Netzwerk ermöglicht schnelleres Forschen, Entwickeln und Vermarkten von Produkten.

Das Forum ist laut den beiden Organisatoren bisher einzigartig in seiner Zielsetzung: „Es ist extra nicht rein wissenschaftlich ausgelegt, sondern auch praxisbezogen.“ Aufgelockert werde das zweitägige Event mit Stars und Sternchen wie der Sängerin Jamie Lee, die Deutschland beim Eurovision Song Contest 2016 vertrat, und dem Schauspieler, Musiker und Unterhaltungskünstler Friedrich Liechtenstein. In einem Interview mit der Zeit sagte er einmal: „Die Zeit der Eiche ist vorbei, jetzt ist die Zeit der Alge.“