Klötze l Noch kann Bärbel Müller alle offenen Stellen mit Fachkräften für die Pflege bestücken. Doch die Situation wird immer angespannter. Die Geschäftsführerin des SCA in Klötze begrüßt deshalb die Ausbildungsoffensive des Bundes, die nun auch in der Altmark vorbereitet wird, ausdrücklich. „Generalistische Ausbildung“ heißt das Zauberwort. Bärbel Müller erläutert: „Die dreijährige examinierte Ausbildung von Altenpflegern, Krankenpflegern und Kinderkrankenpflegern wird es ab 2020 nicht mehr geben. Dann werden alle diese Berufe in der generalistischen Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann zusammengefasst. Das ist eine enorme Änderung.“

Bärbel Müller empfindet die Ausbildungsoffensive als Aufwertung dieser Berufe. Doch sie verschweigt auch ihre Sorgen nicht: „Es steht noch in den Sternen, wie die Ausbildung in der Altmark organisiert werden kann, wie Schulen für die Ausbildung gefunden werden können.“

Das SCA verfügt über Kooperationspartner, mit denen es eine langjährige Zusammenarbeit gibt, zum Beispiel in Stendal sowie in Salzwedel die Berufsbildenden Schulen. „Wie es in Salzwedel weiter geht, ist unklar“, bemängelt Bärbel Müller. Die Azubis würden meist kein Auto fahren können. „Wie sollen die von den Dörfern nach Stendal gelangen?“, fragt sie. „Internate gibt es auch nicht mehr.“

Allerdings sieht sie gute Chancen in Salzwedel für einen Kooperationsvertrag mit der Krankenpflegeschule des Altmark-Klinikums. Der Knackpunkt: „Die Kapazitäten werden nicht ausreichen. Diese Schule ist noch nicht so vorbereitet für die generalistische Ausbildung“, befürchtet Bärbel Müller.

Altenpflege ist das Sorgenkind

Ihr größtes Sorgenkind ist die Altenpflege. „Die Kapazitäten müssten unbedingt erhöht werden“, sagt sie. „Es zeichnet sich ab, dass der Beruf eines Altenpflegers ein zunehmendes Ansehen genießt. Es gibt mehr Bewerber dafür.“

Seit 2003 hat das SCA 39 Personen ausgebildet, davon arbeiten noch neun als Fachkraft im SCA. 2018 sind bereits vier statt wie bisher zwei neue Azubis aufgenommen worden. „Der Bedarf steigt, und die Nachfrage der Jugendlichen ist auch größer.“ Bärbel Müller hat beobachtet, dass sich die Motivation in der Gesellschaft anders ausrichten würde: „Die Hilfe für Ältere rückt mehr in den Mittelpunkt, es gibt eine besondere Verantwortung. Das betrifft auch die Beratung für Angehörige. Wie kann der Patient stärker motiviert werden, um seine Lebensqualität zu verbessern?“

Andererseits würden sich berufsbedingt die Anforderungen an die Pfleger erhöhen. Das Berufsbild werde anspruchsvoller, betont Bärbel Müller. Verstärkt würden außerdem ehrenamtliche Seniorenbetreuer mit einem Mindestalter von 14 Jahren eingesetzt, Bundesfreiwilligendienstler und Kräfte im freiwilligen sozialen Jahr. Doch das allein wird nicht ausreichen.

In anderen Einrichtungen in Klötze ist die Situation ähnlich. Ilona Sens, Leiterin des Medina-Heims, sagt, dass sich zwar genug Bewerber melden, sie aber die Voraussetzungen nicht immer erfüllen. Oft würde sich das erst später zeigen. Nicht gut zu sprechen ist sie auf die neue Ausbildungsform: „Alle Fachkollegen finden das furchtbar. Viele Fragen sind offen. Es gibt keine Festlegungen. Welche Inhalte und Prämissen wird es geben?“

Noch gut ausgestattet mit Fachkräften ist auch die Seniorenresidenz Valenta in Klötze, sagt deren Leiterin Antje Berlin. „Derzeit sind wir noch gut besetzt.“ Um die generalistische Ausbildung beurteilen zu können, fehlen ihr aber noch die Informationen.

Im Seniorenwohnpark wird bemängelt, dass nicht mehr genügend Bewerber auf dem Markt zu finden seien. Im Moment könne der eigene Bedarf noch gedeckt werden, aber einige Kräfte würden noch gebraucht.

Indes drängt die Zeit bis zum Beginn der neuen Ausbildung. Bärbel Müller: „Die Kooperationsverträge sollen bis Juni abgeschlossen werden, aber die Vorgaben vom Land fehlen noch. Eine Ausbildung abschaffen, geht schnell, aber eine neue Ausbildung installieren, braucht seine Zeit. Und die ist sehr knapp.“

Die Nachfrage der Schüler nach einer Ausbildung in der Pflege ist aktuell so groß wie nie. Auf 100 offene Stellen kommen in der Altenpflege derzeit 26 arbeitsuchend gemeldete Pflegefachkräfte, weiß Bärbel Müller. Zwar habe die Altenpflege im Denken noch einen negativen Anstrich. „Aber wir wollen alle älter werden und müssen mit Beeinträchtigungen leben. Im SCA mussten schon Aufträge abgelehnt werden. Es gab bereits einen Aufnahmestopp für das betreute Wohnen in Beetzendorf.“