Streit um illegale Haltung in Stapen eskaliert / Gegenseitige Anzeigen wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruch

Tierschützer liefern sich Prügelei auf Schweinehof

Der Streit um die illegale Schweinehaltung in Stapen ist am Sonntag eskaliert. Als zwei Tierschützer unbefugt den Hof betreten wollten, kam es zu Handgreiflichkeiten. Die Polizei ermittelt.

Stapen l Kein Tag ohne Neuigkeiten von den Stapener Schweinen. Doch was sich am Sonntag auf dem Hof von Sabine Schmutzler abspielte, verleiht der Sache eine neue Qualität. Erstmals ist es zu Handgreiflichkeiten zwischen den beteiligten Tierschützern gekommen, die untereinander über die Aktion, 140 vor der Schlachtung aus einem stillgelegten bayerischen Mastbetrieb geretteten Schweinen vorübergehend und ohne Genehmigung in Stapen Asyl zu gewähren, tief zerstritten sind.

Zu der Auseinandersetzung kam es, als am Nachmittag zwei Tierschützer aus dem pfälzischen Carlsberg vor dem Schmutzler-Hof auftauchten und nach den Schweinen sehen wollten. Das Ehepaar, das nach Volksstimme-Informationen zu den Gründungsmitgliedern des für die Verbringung der Tiere nach Stapen verantwortlichen Vereins Rüsselheim gehört und auch am Freikauf der Schweine aus einem stillgelegten bayerischen Mastbetrieb finanziell beteiligt gewesen sein soll, wurde jedoch von Sabine Schmutzler abgewiesen. "Die beiden haben Hausverbot seit Dezember", so die Begründung der Stapenerin im Internet.

Nach Polizeiangaben kam es zunächst zu Wortgefechten und später zu "wechselseitig begangenen Körperverletzungsdelikten". Sabine Schmutzler beschuldigte die beiden ungebetenen Gäste via Facebook, sich eigenmächtig Zutritt zum Hof verschafft und sie sowie zwei ihrer Kinder, darunter den 14-jährigen Sohn, tätlich angegriffen zu haben. Daraufhin hätten sie sich gewehrt und die Polizei gerufen.

Die Beamten trafen gegen 16.25 Uhr in Stapen ein und trafen alle Beteiligten vor dem Grundstück an. Um den Streit zu schlichten, der sich ja um die Schweine drehte, wurde Kreisordnungsamtsleiter Hans Thiele hinzugerufen. Sabine Schmutzler stellte Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch und Körperverletzung. Auch von Seiten der beiden Pfälzer wurde Anzeige erstattet.

Währenddessen ist Hans Thiele von der Kreisverwaltung Gerüchten entgegengetreten, die Schweine müssten bereits bis Freitag den Hof in Stapen verlassen. Der vom Altmarkkreis festgesetzte Stichtag 18.Januar beziehe sich lediglich auf die Unterbringung der Pferde, die ebenfalls auf dem Grundstück leben. Für diese sei die Schaffung eines ordnungsgemäßen windgeschützten Unterstandes und einer Liegefläche mit Stroh angeordnet worden. "Das ist inzwischen umgesetzt worden, so dass sich die Angelegenheit erledigt hat", erklärte der Kreisordnungsamtsleiter, der zusammen mit Vertretern des Veterinäramtes am Sonntag unangemeldet den Hof inspizierte. Dabei seien auch diverse neue Anordnungen getroffen worden, die in Zusammenhang mit dem einsetzenden Frost stehen. Nähere Angaben wollte Thiele nicht machen. Es dürfte aber vor allem um die Wasserversorgung der Tiere gehen, die derzeit noch über verlegte Gartenschläuche erfolgt.

Die Zahl der Schweine, die auf dem Stapener Hof untergebracht sind, hat sich inzwischen auf 135 verringert. Ein Tier ist am Sonntag verstorben. "Äußerlich hatte es keine Verletzungen und wurde zur weiteren Untersuchung und Sektion abtransportiert", erklärte Hans Thiele. Der Ordnungsamtsleiter bestätigte zudem, dass es sich um eines der fünf Tiere handelt, die vor einer Woche kurzzeitig ohne Genehmigung in den Landkreis Stendal verbracht wurden.

Ein weiteres Schwein im Bestand ist erkrankt. "Es lahmt ein bisschen, vielleicht hat es sich beim Raufen mit den anderen eine Zerrung zugezogen", so Thiele. Gebrochen sei jedoch nichts, das Tier wurde vorerst von den anderen Schweinen abgesondert untergebracht.

Nach wie vor ist unklar, wann die Schweine aus Stapen abgeholt werden und wo sie unterkommen. Sabine Schmutzler hatte den Betreuungsvertrag mit dem für die Aktion verantwortlichen Verein Rüsselheim am Freitag gekündigt und die Abholung gefordert. Gestern wollte sie eine entsprechende einstweilige Verfügung bei Gericht erwirken.

Für den Altmarkkreis ist das Gerangel zwischen Schmutzler und Rüsselheim derweil nicht von Bedeutung. Hier steht der Termin 2. Februar, bis zu dem die Schweine Stapen verlassen haben müssen. Anderenfalls droht die Ersatzvornahme auf Kosten des Vereins und die Zwangsschlachtung. Die bei den Schweinen durchgeführte Wurmkur sei bis dahin abgebaut, so dass dem nichts mehr im Wege steht, hieß es von den Behörden. Und auch dass die Frist auf einem Sonntag endet, ist kein Hindernis für ein sofortiges Einschreiten. "Wir arbeiten notfalls auch sonntags, da sind wir flexibel, wie man bei unserem jüngsten Vor-Ort-Besuch gesehen hat", zeigte sich Hans Thiele gelassen.