Magdeburg l „Mit gemischten Gefühlen“ blickt Michael Kempchen ins Jahr 2016. Der Intendant des Puppentheaters kann auf eine beinahe 100-prozentige Auslastung seines Hauses und für ein städtisches Ensemble ziemlich sagenhafte 23 Prozent Kostendeckung verweisen und hat doch erhebliche Geldsorgen. Sie betreffen die Finanzierung der 11. Auflage des Internationalen Figurentheaterfestivals „Blickwechsel“, die vom 26. Juni bis 1. Juli 2016 unter dem Titel „Transformationen“ über die Bühne, respektive traditionell über verschiedene Bühnen der Stadt, gehen soll. Das Festival findet nationale und internationale Beachtung; ein Besuchermagnet ist es mit 6000 bis 10 000 Gästen pro Saison ohnehin.

Der Stadtrat hat zur Haushaltsberatung denkbar knapp (bei 21 Ja- und 24 Nein-Stimmen) einen Antrag abgelehnt, der zuvor im Betriebsausschuss des Puppentheaters und im Kulturausschuss einstimmige Mehrheiten gefunden hatte. Gefordert wurde eine Erhöhung des städtischen Zuschusses zum im Zweijahresrhythmus ausgerichteten Festival von aktuell 40 000 auf künftig (ab 2016) 70 000 Euro. Zwar hatte der Kulturbeigeordnete Matthias Puhle, Vorsitzender des Puppentheater-Betriebsausschusses, den Antrag persönlich unterzeichnet; die Zustimmung des Oberbürgermeisters und einer von CDU und SPD getragenen Ratsmehrheit blieben ihm indes mit Verweis auf die angespannte Finanzlage verwehrt. Der Magdeburger Haushaltsplan 2016 steht mit 17  Millionen Euro im Minus.

„Ich habe Verständnis für die Entscheidung“, sagt Kempchen, und dass ihm die Grenzen der städtischen Finanzkraft bewusst seien. Welche Auswirkungen die versagte Draufgabe auf die Zukunft des Festivals in Magdeburg habe, könne er allerdings noch nicht ermessen. Der städtische Zuschuss deckt ohnehin nur einen kleinen Teil des in diesem Jahr mit 250 000  Euro kalkulierten Festivalbudgets; 2014 standen rund 100 000 Euro mehr zur Verfügung. „Wir haben traditionelle Partner, aber noch keine verbindlichen Zusagen über die Fördermittel 2016“, sagt Kempchen, und dass er „mit Gottvertrauen“ auf Unterstützer hoffe. „Wir müssen die Verträge jetzt schließen. Das ist ein Spiel auf Risiko.“

Kempchen verweist darauf, dass das Magdeburger Figurentheaterfestival neben denen in Bochum und Erlangen zu den renommiertesten seiner Art in Deutschland gehöre, aber mit dem kleinsten Budget auskomme – bei steigenden Kosten. Das Festival 2016 wollen er und sein Team durchziehen, sei es auf Risiko. Abhängig vom Ausgang 2016 müsse über die Zukunft des Festivals aber gegebenenfalls neu nachgedacht werden, sagt Kempchen.