Tourismus

Absage für Schiffsanleger in Magdeburg: Weiße Flotte wird Westerhüsen nicht ansteuern

Auf dem Wasserweg wird in Westerhüsen wohl auch in Zukunft nur gewendet oder vorbeigeschippert. Für den Bau eines eigenen Anlegers ist die Fahrrinne nicht nur zu weit vom Uferbereich entfernt, sondern verursache auch enorme Kosten.

Von Karolin Aertel
Mit einem Fahrgastschiff der Weißen Flotte in Westerhüsen anzulegen, wird wohl auch in Zukunft nicht möglich sein. Weder oberhalb noch unterhalb des Fähranlegers gibt es dort eine geeignete Möglichkeit, einen entsprechenden Anlegeplatz zu bauen.
Mit einem Fahrgastschiff der Weißen Flotte in Westerhüsen anzulegen, wird wohl auch in Zukunft nicht möglich sein. Weder oberhalb noch unterhalb des Fähranlegers gibt es dort eine geeignete Möglichkeit, einen entsprechenden Anlegeplatz zu bauen. Foto: Karolin Aertel

Westerhüsen - Westerhüsen ist der Anfang oder das Ende, Start- oder Zielpunkt. Zumindest in den Vorstellungen von Olaf Meister sollte dem südlichsten Stadtteil etwas mehr Bedeutung zugewiesen werden – beispielsweise durch einen Schiffsanleger. Konkret stößt das Ratsmitglied der Fraktion „Grüne-Future!“ den Gedanken an, das Zu- und Absteigen von einem Schiff zu ermöglichen. Dies auch vor dem Hintergrund der Kombinierbarkeit von Fahrradtourismus und Schifffahrt. Zwar werden im aktuellen Fahrplan der Weißen Flotte Fahrten nach Westerhüsen angeboten, so Meister. Tatsächlich aber wende das Fahrgastschiff dort lediglich.

Dass ein derartiges Angebot durchaus eine attraktive Ergänzung zu derzeitigen touristischen Angeboten darstellt, sieht auch die Stadtverwaltung so.

Problem: Fahrrinne wechselt ständig das Ufer

Allerdings erklärt Finanzbeigeordneter Klaus Zimmermann nach Rücksprache mit der Weißen Flotte und den Magdeburger Verkehrsbetrieben, dass sich die Umsetzung kompliziert gestalte. Genau genommen, werde sie aufgrund der fehlenden Infrastruktur und Anlegestellen nicht in Erwägung gezogen.

Die Elbe ist eine fließende Binnenwasserstraße. Die Fahrrinne wechselt ständig die Uferseite, was es erheblich erschwere, den gewünschten Uferbereich zu erreichen, erklärt Zimmermann. Dies gelte auch für den Bereich Westerhüsen. Die Schiffe der Weißen Flotte können während der Fahrt nach Westerhüsen dort ausschließlich wenden.

Anleger müsste etwa 25 Meter in die Elbe ragen

Unterhalb der Fähre Westerhüsen befindet sich ein kleiner Sportbootanleger, dieser sei jedoch nicht als Schiffsanleger geeignet. Möglicherweise könnte ein Anleger gebaut werden, der allerdings mindestens 25 Meter in die Elbe hineinragen müsste, um die Fahrrinne zu erreichen. Wenn man sich für einen derartigen Anleger entscheidet, müsste die Elbe in diesem Bereich regelmäßig von Versandungen befreit und „ausgebaggert“ werden. Die Kosten für den Bau einer neuen Anlegestelle (wasserbauliche Arbeiten, Bau des Pontons etc.) schlagen mit mindestens 250.000 Euro zu Buche. Eine Einschätzung zur Höhe der laufenden Kosten für einen Anleger sei an dieser Stelle derzeit nicht möglich, so Zimmermann. Einen geeigneten Standort für einen Schiffsanleger oberhalb der Fähre gebe es aufgrund der Lage des Fährseils sowie der Uferbeschaffenheit in Westerhüsen nicht.

In Westerhüsen komme zudem erschwerend hinzu, dass sich der Ort ziemlich genau zwischen zwei An- und Abfahrten befindet, das heißt, dass die Fahrrinne oberhalb der Fähre Westerhüsen rechtsseitig und unterhalb der Fähre Westerhüsen linksseitig verläuft.

Einzig einen Kompromiss wirft Zimmermann ins Rennen. In Schönebeck gebe es einen Schiffsanleger mit entsprechender Zuwegung. Dieser befinde sich in attraktiver Lage zum Schönebecker Stadtzentrum. Der Anleger wird von einer anderen Reederei genutzt. Eine Mitnutzung durch die Magdeburger Weiße Flotte wird derzeit geprüft.

Ein Kompromiss, der Olaf Meister wenig zufriedenstellend stimmen dürfte. Schließlich profitiert eben nicht, wie von ihm gewünscht, Westerhüsen von der Kombination touristischer Rad- und Schifffahrtangebote.