Magdeburg l Auf den Wildwuchs hat eine Leserin der Volksstimme hingewiesen, die sich um die Sicherheit sorgt. Denn die Pflanze kann  bei Hautkontakt zu schweren Verbrennungen führen. Ein Patient mit Verletzungen durch Kontakt mit Riesen-Bärenklau ist am Wochenende in der Uniklinik behandelt worden.

Das Doldenblütengewächs verursacht bei Berührung und in Kombination mit UV-Licht je nach Empfindlichkeit des Betroffenen Verletzungen auf der Haut. Parallel dazu informierte eine Anwohnerin der Leipziger Straße die Redaktion kürzlich, dass die gefährliche Pflanze auf einem Schotterparkplatz an der Leipziger Straße wächst.

Rötungen und Blasen

„Eine durch Kontakt ausgelöste fototoxische Dermatitis zeichnet sich oft durch streifige Rötungen und dann Blasenbildung aus, die mit einer Hyperpigmentierung (dunklere Verfärbung) abheilen“, berichtet Dr. Robert Vetter als Oberarzt der Universitätshautklinik auf Nachfrage. Die fraglichen Pflanzen enthalten sogenannte Furocumarine, „das sind Substanzen, die diese Pflanzen unter Stress, zum Beispiel bei Schädlingsbefall, als Abwehrstoffe bilden“, erklärt er weiter.

Die Stoffe kommen auch in Zitruspflanzen wie Bergamotte, Limette u. a. sowie in einer Reihe weiterer Pflanzen wie Sellerie und Pastinaken vor. Wenn diese in größeren Mengen gegessen werden, kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Sie steigern die Empfindlichkeit der Haut gegenüber Sonnenlicht. Kontakt mit dem Pflanzensaft führt in Kombination mit Sonneneinstrahlung zu Verbrennungen, Rötung, Schwellung, Blasenbildung, im Extremfall nachfolgend zu absterbender Haut (Nekrose).

Gartenarbeit mit Handschuhen

Wie man sich vor Verletzungen schützen kann? „Gartenarbeit mit Handschuhen und langen Ärmeln erledigen“, rät Dr. Vetter. Sollte es doch einmal zu Verletzungen kommen, kann mit Kühlen und Antihistaminika entgegengewirkt werden. Die Blasen sollten steril aufgestochen, das Blasendach allerdings belassen werden, erläutert er.

Zum Arztbesuch rät er bei Blasenbildung, die größer als bei einer normalen Brandblase ist. Notwendig wird der Arztbesuch, wenn größere Flächen, z. B. ein ganzer Unterarm oder ganzer Handrücken, betroffen sind sowie bei starken brennenden Schmerzen.

Darf Bärenklau dann überhaupt noch angepflanzt werden? „Insbesondere aufgrund der gesundheitsschädigenden Eigenschaften sind bekannte Vorkommen von Riesen-Bärenklau insbesondere in öffentlich zugänglichen Bereichen zu entfernen“, war aus der Pressestelle der Stadtverwaltung zu erfahren. Aber auch die weitere Verbreitung der Pflanze solle nach Möglichkeit verhindert werden. Grundsätzlich sei jeder Eigentümer dafür verantwortlich, dass von seinem Grundstück keine Gefahren ausgehen. Dies betreffe auch die Beseitigung von Riesen-Bärenklau. Bürger, die Bärenklau entdecken, können sich an das Umweltamt der Stadt wenden, oder aber, um die Wege zu verkürzen, direkt an den Vermieter.

Ursprung im Kaukasus

Bärenklau ist eine Pflanzengattung der Doldenblütengewächse, die ursprünglich aus der Kaukasusregion kommt und im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa gebracht wurde, berichtet der wissenschaftliche Leiter der Gruson-Gewächshäuser, Dr. Ludwig Martins. In Sachsen-Anhalt kommen zwei Bärenklau-Arten vor, zu denen auch der oder die Riesen-Bärenklau gehört.

Riesen-Bärenklau ist das größte hier vorkommende Doldenblütengewächs, die Pflanze wird bis zu 3,5 Meter hoch und ist deshalb kaum mit anderen Arten zu verwechseln. Im Unterschied zu anderen großen Doldenblütengewächsen ist der Stängel borstig-rau behaart. Anhand der zugespitzten, nicht abgerundeten Blattzipfel und anhand der Dolden mit 50-150 Doldenstrahlen kann man sie von der Wiesen-Bärenklau, der zweiten in Sachsen-Anhalt vorkommenden Art, unterscheiden.