Magdeburg l Wie schnell die ansonsten stets einsatzbereite Magdeburger Berufsfeuerwehr an ihre Grenzen stoßen kann, zeigte dieser Tage auf dramatische Weise nicht ein Brand, sondern ein Virus. Das hatte vor knapp zwei Wochen einen Berufsfeuerwehrmann erwischt - und mit ihm mehrere Kollegen der Wache, die allesamt in Quarantäne geschickt werden mussten. Plötzlich entstand so ein Personalnotstand, der sogar so groß war, dass OB Trümper als oberster Dienstherr zu einer besonderen Maßnahme greifen musste: Dienstleistungen der Feuerwehr wie die Beseitigung von Kadavern wurden eingeschränkt oder eingestellt und eine Überschreitung von gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfristen nicht mehr ausgeschlossen.

Feuerwehr unter Druck

Da nun Ostern vor der Tür steht und dieses Fest traditionell mit öffentlichen und privaten Osterfeuern einhergeht, sieht sich Trümper nun zu einem Appell an die Magdeburger gezwungen. Hintergrund ist, dass manche privaten Osterfeuer in den vergangenen Jahren aus dem Ruder liefen und eigentlich nicht notwendige Einsätze der Feuerwehr provozierten. Würden diese Einsätze auch in diesem Jahr notwendig, so entstünden zusätzliche Belastungen für die ohnehin dezimierten Einsatzkräfte. Trümper bittet deshalb alle Magdeburger, an den Osterfeiertagen auf die formal erlaubten, privaten Feuer zu verzichten. Öffentliche Feuer sind ohnehin verboten. Trümper: Fehlalarme und damit unnötige Belastungen im Zusammenhang mit privaten Osterfeuern sollen möglichst vermieden werden, um bei lebensbedrohlichen Bränden und Unfällen schnell am Einsatzort zu sein.

Auf der anderen Seite lobte Trümper das Verhalten der Magdeburger in der Corona-Krise. Die Resonanz auf die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen sei in Magdeburg „beeindruckend“, sagte er. Magdeburg verzeichne bei der Zahl der Corona-Erkrankungen eine stabile Situation und keinen exponentiellen Verlauf. Die Kontaktbeschränkungen zeigten in Magdeburg deutlich ihre Auswirkung. „Deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass unsere Bitte nach einem Verzicht auf private Feuer während der Osterfeiertage auf eine breite Resonanz stößt“, so der OB.

Viele Fehlalarmierungen

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigten, dass private Osterfeuer eine große Anzahl von Fehlalarmierungen der Feuerwehr nach sich zögen, da sie zahlreich und von erheblicher Dimension seien. Weil die Ortsangaben bei diesen Brandmeldungen oft unpräzise seien, würden die Kräfte der Feuerwehr darüber hinaus durch die Suche zeitlich stark gebunden und stünden für echte Feuer wie Wohnungsbrände nur mit Zeitverzögerung bereit, sagte ein Stadtsprecher.

Auf ein amtliches generelles Brennverbot verzichtete Trümper ganz bewusst: „Ich habe Vertrauen zu den Magdeburgern, dass sie sich daran halten. Amtliche Verbote gibt es derzeit schon genug.“

Trümper nennt noch einen anderen Grund für eine Zurückhaltung: Es gebe viele Menschen mit Atemwegserkrankungen. Außerdem sei wegen der Trockenheit die Brandgefahr allgemein gestiegen.