Magdeburg l Wie so oft bei Entdeckungen spielte auch beim Fund des Einbaums in Magdeburg der Zufall eine Rolle. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie war bei einem Spaziergang an der Elbe bei Randau auf ein größeres schwarzes Stück Holz im Uferbereich aufmerksam geworden und hatte das Landesamt informiert.

Dort entschied sich Dr. Susanne Friederich für eine Bergung des Fundes. Dabei konnte die Abteilungsleiterin Bodendenkmalpflege auf die Unterstützung der Wasserwacht Halle bauen. Die Retter um Sven Thomas verbanden mit der Bergung des ausgehöhlten Baumstammes gleich eine praktische Übung.

Historisch wertvoller Fund an der Elbe

So herrschte am 17. November 2018 eine gewisse Spannung, als sich im Uferbereich Mitarbeiter in Wathose zu dem Holzstück vorarbeiteten. Dabei wurde ziemlich schnell klar, dass es sich um den historisch durchaus wertvollen Fund eines Einbaumes handelt. Das etwa fünf Meter lange Holzstück wurde vorsichtig aus dem Wasser gehoben und in einen Container umgelagert, mit Elbwasser und Elbsand aufgefüllt und dann nach Halle ins Landesamt für Archäologie gebracht.

Zu Alter, Herkunft und einstiger Nutzung können aber noch keine genauen Aussagen getroffen werden, so Friederich. Nach der ersten Untersuchung gehe man von einem Alter von rund 1000 Jahren aus. Ob der Einbaum als Transportmittel für Waren oder als Boot für Menschen genutzt wurde, sei noch nicht zu bestimmen.

Einbaum wird in Halle untersucht

Antworten auf diese und viele offene Fragen sollen Untersuchungen liefern, die in den nächsten Wochen von Experten mit Spezialtechnik im Landesamt vorgenommen werden. Der Fund in der Elbe war auch deshalb möglich, weil der Fluss seit Wochen wenig Wasser führt und – ähnlich wie bei der gehäuften Anzahl von Fundmunition – im Flussbett Gegenstände plötzlich sichtbar werden, die sonst unter der Wasseroberfläche der Elbe liegen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Fundstelle des Einbaums nicht zwingend der Liegeort des Einbaums gewesen sein muss. „Es ist durchaus möglich, dass der Einbaum eigentlich aus ganz anderen Gebieten stammt und angespült wurde“, so Friederich.

Vorfreude in Magdeburg

In Magdeburg löste der Fund große Vorfreude aus. Dr. Ulrike Theisen, wissenschaftliche Kuratorin der Abteilung Archäologie der Magdeburger Museen, sagte: „Sollte sich das Alter des Einbaums von rund 1000 Jahren bestätigen, fiele der Fund in die Ottonenzeit. Und das wäre schon etwas Besonderes.“ Im Magdeburger Museum ist aktuell ein Einbaum aus dem 14. Jahrhundert in der Dauerausstellung zu sehen.

Vorläufig bleibt der Fund also (noch) eines der ältesten Boote Magdeburgs. Dass der Einbaum später mal - nach Abschluss aller Untersuchungen - ausgestellt werde, sei nicht ausgeschlossen, hieß es seitens des Landesamtes.

Magdeburg will Einbaum ausstellen

Und auch die Magdeburger Museen freuen sich: „Wir würden den Einbaum natürlich gern bei uns zeigen“, so Ulrike Theisen, passe der Fund doch wunderbar in die ottonische Stadtgeschichte.