Magdeburg l Rund 300.000 Bücher und weitere Druckerzeugnisse aus der Sammlung von Peter Sodann ziehen nach Magdeburg. In einer Halle an der Schönebecker Straße werden die Bestände aus einem Lager in Oschatz aufgelöst. Neben dem Lager bestehen bleibt der Hauptsitz der Peter-Sodann-Bibliothek in Staucha bei Meißen sowie ein neues Lager in Limbach-Oberfrohna – in dem der Platz allerdings nicht ausreicht.

Am 7. Juni 2019 wurden die ersten Bücher – verpackt in Bananenkisten und auf Paletten gestapelt – angeliefert. Am Abend zuvor waren sie in Oschatz beladen worden. Sieben Transporte mit dem Laster dürften notwendig sein, um den Bestand aus Oschatz nach Magdeburg zu holen. Der Schauspieler und Bücherliebhaber Peter Sodann sagt: „Aufgrund eines Besitzerwechsels können wir die Lagerräume in Oschatz nicht mehr nutzen.“

Hilfe aus Magdeburg

Nachdem das klar war, war guter Rat teuer. Denn kostenlos nutzbare Räume für DDR-Literatur zu finden, ist alles andere als einfach. In Magdeburg hatte Peter Sodann einen Kontakt zu Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei. Es gab Gespräche u. a. mit Karl Gerhold, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Getec. Mitgesellschafter ist er auch an der Elbterrassen GmbH, die das Gelände in Buckau wiederbeleben möchte. Zum Gelände gehört auch jene Halle, in der Peter Sodann die Bücher jetzt kostenlos einlagern kann. Karl Gerhold sagt: „Ich bin selbst ein großer Liebhaber von Büchern. Und da ich das Engagement von Peter Sodann sehr schätze, möchte ich sein Projekt unterstützen.“

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Matthias Behrens ist Mitgesellschafter bei den Elbterrassen und sagt: „In erster Linie geht es hier erst einmal um das Lager. Für die Zukunft gibt es zwar noch keinen Zeitplan – wir könnten uns aber vorstellen, dass hier auch mehr draus wird.“ Denkbar wäre beispielsweise eine Lesehalle, in der die Menschen in den Büchern schmökern können. Zuvor müssen die Bücher ehrenamtlich gesichtet und sortiert werden.

Vergangenheit für die Zukunft

Peter Sodann war am 7. Juni 2019 zur Ankunft der ersten Bücher zur Lagerhalle in der Schönebecker Straße gekommen. Sorgsam streicht er über einen Stapel mit den Bananenkisten, die hinter Folie auf der Palette eingeschweißt sind. Eine falsche Beschriftung stört – die entfernt er sofort. Und in einer Kiste findet er ein Buch, das er während seiner Haftzeit Anfang der 1960er Jahre gelesen hat. Er sagt: „Wenn diese Bücher weggeworfen werden, wirft man die Vergangenheit weg. Um ein richtiges Bild vom Leben in der DDR zu erhalten, sind diese Bücher erforderlich.“

Ihn bewegt, dass nicht zuletzt Bücher von Schriftstellern, deren Werke in den 1930er Jahren in Deutschland von den Nazis verbrannt wurden, auch nach dem Ende der DDR vernichtet wurden. Daneben befindet sich im Bestand alles, was es in der DDR an Büchern auf und unter der Laden­theke gab. Einheimische Schriftsteller, Werke, die für den Export bestimmt und nur in wenigen Exemplaren zu haben waren, verbotene Bücher, aber eben auch Parteiliteratur sind darunter. Druckerzeugnisse aus nahezu 250 Verlagen finden sich in der Sammlung der Peter-Sodann-Bibliothek. Diese Vielfalt ist es, die auch Karl Gerhold als Förderer des Magdeburg-Lagers der Bibliothek anerkennt. Er sagt: „Ich schätze das auch als Westdeutscher.“

Dass Peter Sodann in den vergangenen Jahren oft mit Gegenwind zu kämpfen hatte, ist ihm im Gedächtnis geblieben. Mit der mangelnden Wertschätzung für die Bücher, die nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1990 auf dem Gebiet der DDR erschienen, gehe auch eine Chance für die Zukunft verloren: „Eine Zukunft kann man nicht ohne Vergangenheit aufbauen“, sagt der Schauspieler. Da die westdeutsche Literatur die DDR oftmals falsch beschreibt, manchmal einfach auch nur anders, als Menschen wie Peter Sodann diese Epoche wahrgenommen haben, sei die Rettung der DDR-Bücher so bedeutsam.