Magdeburg l Der Startschuss für die Sanierung des Barleber Sees in Magdeburg ist am 9. Juli 2019 gefallen. Der beliebte Badesee soll nun von Blaualgen befreit werden. Der Stadtrat hatte im Dezember 2018 den Weg für die Sanierung des Sees freigemacht. Die Aktion sollte bereits am 1. Juni beginnen. Ursprünglich hatte die Stadt Magdeburg gar auf einen Beginn im März gehofft.

Polyaluminiumchlorid (PAC) – so heißt das Mittel gegen die Blaualgenkrankheit. 1000 Tonnen davon sollen in den nächsten Wochen wohldosiert in den See eingebracht werden, um das Badegewässer zu retten.

Einsatz auf Barleber See GPS überwacht

Auf den Namen „Barleber 1“ wurde am Dienstag das „Rettungsboot“ getauft, mit dem nun an insgesamt 67 Arbeitstagen Planquadrat für Planquadrat der See befahren wird. In mehrere Felder ist der See dafür aufgeteilt worden. Pro Tag bringt das Boot rund 15 Tonnen des Mittels aus. Alles wird über GPS überwacht. Das Mittel soll den Phosphor im Wasser binden, sich am Boden des Sees absetzen und ihn so „verkleben“. So, dass kein Phosphor, der das Wachstum von Algen steuert, mehr austreten kann.

In einem ähnlichen Verfahren ist der Barleber See bereits 1986 saniert worden. Damals wurden 470 Tonnen Polyaluminiumsulfat eingebracht. Gut 30 Jahre hat dies gehalten. Nun geht man ähnlich vor und benutzt das PAC, das ungefährlich sei und auch in Trinkwassertalsperren und Kläranlagen eingesetzt werde. Das Mittel hat eine Lebensmittelzulassung, erklärte Professor Olaf Mietz vom Institut für angewandte Gewässerökologie. Von dem nun eingesetzten Mittel verspricht er sich eine vergleichbar lange Wirkung von rund 30 Jahren.

Mietz gilt als Experte, er hat bereits mehr als 50 Gewässersanierungen national und international geleitet. Das Magdeburger Projekt sei derzeit die einzige Seesanierung in dieser Größenordnung in Deutschland.

Sachsen-Anhalt fördert Sanierung

Insgesamt 1,2 Millionen Euro beträgt die Investitionssumme für Planung, Realisierung und Überwachung. 310.500 Euro davon stammen vom Land Sachsen-Anhalt, das die Sanierung fördert.

An sechs Tagen in der Woche – von Montag bis Sonnabend – soll das Boot nun auf dem See unterwegs sein. Vorrangig in den frühen Morgenstunden sowie am Vormittag. Bis zu Windstärke 5 kann es im Einsatz sein. Das Wetter spielt beim Ausbringen des Mittels auch eine wichtige Rolle. Bei sehr starker Sonneneinstrahlung kann es nicht ausgebracht werden, weil dann die Algenproduktion zu stark ist, erklärte Mietz. Dann würden die Arbeiten in den frühen Morgenstunden erledigt. „Am besten ist bedeckter Himmel und wenig Wind“, so Mietz.

Erste Veränderungen im Seewasser könnten bereits nach vier Wochen sichtbar sein. Während der Arbeiten kommt es zu Einschränkungen für Angler, Surfer und Segler, weil das Boot festgelegte Strecken abfahren muss. Badegäste werden gebeten, die aktuellen Aushänge, Internet-
informationen und Hinweise des Badepersonals zu beachten, hieß es aus der Stadtverwaltung.

Badeverbot wegen Blaualgen

Seit 2016 hatten sich in den Sommermonaten die Blaualgen (eigentlich Cyanobakterien) im Barleber See immer wieder stark ausgebreitet und an mehreren Tagen zum Badeverbot geführt. Die Blaualgen können Hautreizungen, allergische Reaktionen, Muskelzittern, Atembeschwerden und Muskelkrämpfe auslösen.