Magdeburg l Über die Gefahr von Blaualgen, die Sammelgruben der Camper und über Fördermittel wurde am 26. April 2018 im Magdeburger Jugendbegegnungszentrum am Barleber See gesprochen. Es ging um die Zukunft des umgekippten Sees. Mehr als 200 Zuhörer waren gekommen, um den Erklärungen der Experten und den geplanten Maßnahmen der Stadt Magdeburg zu folgen. Die Volksstimme hat die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Das Problem mit dem Phosphor
Beeindruckende Zahlen stellte Karsten Rinke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung vor: Im Jahr 2015 waren es zu Hochzeiten rund 500 Kilogramm gelöster Phosphor im Barleber See. 2017 haben die Wissenschaftler bereits Mengen von drei Tonnen gemessen. „Diese Größenordnung hat den See in einen grundlegend anderen Zustand versetzt“, so Karsten Rinke. Phosphor kommt in zahlreichen Verbindungen natürlich vor. Durch den Menschen gelangt Phosphor vor allem in Form von Düngemitteln oder Abwasser in den Wasserkreislauf. Doch der See besitzt keinen Zufluss.

Bevor gehandelt wird, wollen die Wissenschaftler intensiv der Frage nachgehen: Woher kommt der Phosphor? Unter anderem die Sammelgruben der Camper und alte Rohre sollen überprüft werden. Oberbürgermeister Lutz Trümper reagierte am Donnerstag auf Hinweise der Bürger: Sowohl der naheliegende Fluss, die Schrote, soll unter die Lupe genommen, als auch dem Verdacht nachgegangen werden, dass unrechtmäßig Gülle im Umfeld des Barleber See abgekippt werde.

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Fischbestand im Barleber See prüfen

Auch der Bestand der Fische müsse laut Uwe Raschewski vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz analysiert werden. Denn Arten wie Karpfen und Brassen würden in zu großer Zahl den Wasserpflanzen am Boden des Sees schaden.

Wie sich die Gewässerqualität aktuell entwickelt, wird jetzt täglich eine Messboje des Helmholtz-Zentrums überwachen. Zudem soll regelmäßig ein Student vor Ort sein, der sich die Entwicklung der Blaualgen mitanschaut. Denn eines steht fest: Auch im Hochsommer 2018 droht eine Plage der sogenannten Cyanobakterien. Bestimmte Arten der Bakterien können Gifte bilden, erklärte Karsten Rinke. Auch die, die 2017 im Barleber See analysiert wurden. Allerdings: 2017 habe man keine Gifte im See gefunden.

Die drei Warnstufen
An allen drei Badebereichen sollen in der anstehenden Badesaison täglich die Sichttiefen überwacht werden, kündigte die Leiterin des Fachbereichs Schule und Sport Kerstin Richter an. Sollte die Sicht unter zwei Metern liegen, werden Schilder auf die Warnstufe „Erhöhte Aufmerksamkeit“ hinweisen.

Badeverbot droht

Sobald Schlieren und Trübung hinzukommen, gilt die zweite Warnstufe. Mehr Duschen werden aufgestellt, Flyer verteilt und auf die Gefahren hingewiesen. Sobald große Bereiche mit einer geschlossenen Algenschicht bedeckt sind und die Sichttiefe unter einem halben Meter liegt, heißt es: Badeverbot. Und das werde Kerstin Richter zufolge auch streng durchgesetzt.

Am Donnerstagabend wird klar: Der favorisierte Lösungsweg ist erneut, Aluminiumsalze im Barleber See zu verteilen. Die Schlammschicht aus dem See zu baggern, sei hingegen keine Option. Vor 30 Jahren wurden schon einmal 480 Tonnen Aluminiumsulfat verteilt. Dass seitdem so lange alles gut gegangen ist, sei „im internationalen Vergleich ein großer Erfolg“, sagte Helmut Rönicke.

Das Salz bindet die Phosphate. Karsten Rinke wies darauf hin: Bei solchen Maßnahmen würden immer wieder Sorgen aus der Bevölkerung laut, dass „Chemie im See“ nicht gut sein könne. Diese Angst wollte er nehmen. Zum einen komme Aluminium in der Natur sehr viel vor, zum anderen sei dieser tatsächlich giftige Stoff im Wasser des Barleber Sees kein Problem. Da die Löslichkeit vom pH-Wert abhängt und der liege weit weg vom sauren Bereich.

Die Zielstellung: Frühjahr 2019
Läuft bei der Stadt Magdeburg alles nach Plan, sollen im Frühjahr 2019 die Aluminiumsalze im See landen. Doch vorher muss noch jede Menge passieren: Es soll sich mit dem Umweltministerium über Fördermöglichkeiten abgestimmt, weitere Untersuchungen durchgeführt und anschließend ein Planungsbüro beauftragt werden. Ende 2018 wird dann der Beschluss durch den Stadtrat Magdeburg und die Genehmigung erwartet. „Wir müssen uns an Normen halten“, so Trümper. Die Maßnahme im Frühjahr dauere rund sechs Wochen – und könnte ab Sommer 2019 für ein algenfreies Baden sorgen.