Magdeburg l Termin ist der 12. Mai 2019: Dann sollen die Gleise 1 bis 5 auf dem Magdeburger Hauptbahnhof wieder in Betrieb gehen. „Das ist für uns noch einmal ein Kraftakt“, sagte Birgit Hartmann, die bei der Deutschen Bahn das Projekt Knoten Magdeburg leitet, am 5. Dezember 2018 während einer Informationsveranstaltung des Unternehmens in der Johanniskirche.

Hinter den neuen Brücken und in Richtung Hasselbachplatz liegen zwar die neuen Gleise bereits wie gewünscht – im Umfeld der Bahnsteige selbst ist von Bahnanlagen aber bislang keine Spur. Grund: „Wir haben in diesem Bereich eine Vielzahl an Resten alter Bahnanlagen gefunden“, berichtet Birgit Hartmann. Und auch Archäologen wurden in dem Bereich fündig. „So etwas hält auf – wir werden das aber wieder aufholen.“

Unterlagen im Zweiten Weltkrieg verschwunden

Dass es im Untergrund des Hauptbahnhofs unerwartete Funde gegeben hat, überrascht nicht: Die Unterlagen zu den in den 1870er Jahren gebauten Anlagen sind im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. Unbekannt sind daher viele Details von der genauen Lage bis hin zur Wandstärke inzwischen nicht mehr genutzter Bauwerke im Untergrund – bei manchen ist nicht einmal mehr bekannt, dass es sie überhaupt gab. Birgit Hartmann sagt: „Da uns das klar war, haben wir im Vorfeld beispielsweise mit Bohrungen die Positionen und Wandstärken bestimmt. Doch auf einem Bahnhof kann man eben nicht überall Probebohrungen vornehmen.“

Mit dem 12. Mai 2019 steht auch ein anderer Termin. Dann nämlich muss die Strecke unter den neuen Eisenbahnbrücken für Fußgänger und Radfahrer wieder frei sein. Birgit Hartmann erläutert: „Diese Strecke benötigen wir zwingend als Flucht- und Rettungsweg.“ Und auch für Rettungsfahrzeuge muss hier Platz sein. Für die derzeit zugänglichen Bahnsteige konnte noch mit anderen Rettungsszenarios geplant werden – mit der Inbetriebnahme weiterer Gleise reichen die aber nicht mehr aus.

Nach derzeitigem Stand kann Gleis 1 übrigens nicht sofort wieder genutzt werden. Der Grund: Bis voraussichtlich zum Ende 2019 wird der Platz für Arbeiten am dann nicht mehr für den Reiseverkehr genutzten bisherigen Bahnsteig 1 benötigt.

Bahn frei für Bauarbeiten im Tunnel

Wenn Fußgänger und Radfahrer wieder am Rand der Tunnelbaustelle unterhalb der Gleisanlagen des Hauptbahnhofs entlangkommen, ist auch der Weg frei für ein weiteres Vorhaben rund um die Modernisierung des Bahnknotens Magdeburg. Simone Hintersdorf ist stellvertretende Bahnhofsmanagerin in Magdeburg und sagt: „Dann können wir die Modernisierung der Personenunterführung in Angriff nehmen.“

Erst wenn der Durchgangsverkehr nicht mehr durch den Fußgängertunnel fließt, ist Platz für die anstehenden Arbeiten. An die Decke kommen große Deckenplatten, es gibt neue Platten für den Fußboden mit einer neuen Qualität, und die Wände werden in einem frischen Grün leuchten. Simone Hintersdorf sagt: „Zum einen macht eine solche Farbe einen kleinen Tunnel attraktiv. Zum anderen sorgt es für einen Kontrast zur historischen Empfangshalle.“

Im Programm des Eisenbahnknotens Magdeburgs fallen die laufenden Arbeiten unter den Titel „Umbau Spurplan Mitte“. Dieser umfasst den Abschnitt zwischen der S-Bahn-Station Hasselbachplatz und einem Bereich zwischen den Eisenbahnbrücken am Hauptbahnhof und der Eisenbahnüberführung über die Walther-Rathenau-Straße. Die Arbeiten an diesem Spurplan Mitte sind mit der Freigabe der Gleise 1 bis 5 im Mai noch nicht abgeschlossen. Birgit Hartmann erläutert: „Unter anderem sind bis 2020 noch Arbeiten am Lärmschutz und Pflanzarbeiten erforderlich.“