Magdeburg l Sie hat ihr Schweigen gebrochen. Nach ihrer Reparatur in einer bayerischen Spezialwerkstatt ist die größte Läuteglocke des Magdeburger Doms nun zurückgekehrt und hat zumindest zur Präsentation ihre Stimme wieder erhoben. Gemeinsam mit den Dombläsern erklang die Dominica im nördlichen Seitenschiff bei der feierlichen Präsentation am 5. Oktober 2019. Zahlreiche Mitglieder des Vereins Domglocken Magdeburg, Förderer und Freunde waren gekommen, um dem großen Augenblick beizuwohnen, als die noch verhüllte Glocke ihre Hüllen fallen ließ.

Nach Monaten der Reparatur ist sie nun heimgekehrt, wenn auch noch nicht an ihren Platz im Nordturm, sondern zunächst im Seitenschiff. Denn der muss erst hergerichtet werden. Somit bietet sich Dombesuchern jetzt allerdings ein ganz besonderer Anblick. Denn so nah wie jetzt wird man der 444 Jahre alten und 2,6 Tonnen schweren Läuteglocke so schnell nicht mehr kommen können.

Schäden an Glocke ausgebessert

Andreas Schumann, Vorsitzender des Magdeburger Domglockenvereins, ist noch ganz begeistert von der Reparatur. „Man sieht ihr die 444 Jahre gar nicht an“, sagte er zur Begrüßung der Gäste. Die Dominica hatte einige Schäden und war teils auch stark korrodiert. Nun hat sie wieder alle Kronenhenkel zurück, Löcher sind verschweißt und die Stellen im Inneren der Glocke, an die der Klöppel über Jahrhunderte anschlug, sind wieder aufgefüttert.

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Mit der Reparatur der Dominica hat der rührige Domglockenverein den ersten konkreten Schritt auf dem Weg zur Generalsanierung des Geläuts des ältesten und bedeutendsten gotischen Kaiserdoms Deutschlands getan. Das Domgeläut soll wegen seiner besonderen Bedeutung wieder mit zwölf Glocken ausgestattet werden. Dazu müssen die nur noch vier vorhandenen Glocken durch acht neue Glocken ergänzt werden. Nur so erhält der Magdeburger Dom wieder ein vollwertiges Kathedralgeläut, wie es jede Kathedrale selbstverständlich besitzt, die der Bedeutung des Magdeburger Doms entspricht, so das Ziel des Vereins.

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Spende für weitere Glocke notwendig

Dafür werden schon fleißig Spenden gesammelt. Für die Reparatur der Dominica schaffte es der Verein, rund 30.000 Euro zu sammeln. Auch für weitere Glocken sind bereits Spender gefunden. Am Ziel ist man aber noch nicht. Unter anderem soll eine weitere große Glocke gegossen werden. Sie wäre dann die zweitgrößte im Dom. Rund 125.000 Euro würde nach Schätzungen der Neuguss kosten.

Voll des Lobes für die Arbeit des erst im März 2018 gegründeten Vereins war am Sonnabend auch Stephen Gerhard Stehli, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates. „Wir sind dankbar, dass wir mit so engagierten Menschen zusammenarbeiten können. Die Domgemeinde hätte das allein nicht schaffen können“, sagte Stehli mit Blick auf die Vereinsmitglieder und zahlreichen Spender. Gemeinsam mit Martin Groß, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Domglockenvereins, hatte Stehli die Ehre, die Verhüllung der Glocke zu lüften.

Glockenstuhl muss hergerichtet werden

Christoph Schulz, Glockensachverständiger der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, gab dann eine kleine Einführung in seine Arbeit und führte den Gästen eine kurze Klangprüfung der Glocke vor. Er konnte bescheinigen, dass die Arbeiten fachgerecht ausgeführt worden sind. Der Öffentlichkeit wurde die reparierte Sonntagsglocke am Sonntag beim Erntedankgottesdienst erstmals präsentiert.

Noch etwa zwei, drei Jahre wird die Dominica im Seitenschiff des Doms verharren müssen. Denn sie soll künftig an einem anderen Platz im Nordturm hängen – höher als bisher, damit sie besser klingt und weiter zu hören ist, so der Plan des Vereins. Dafür ist jedoch eine Aufstockung des Glockenstuhls nötig.