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Elefant im Zoo Magdeburg misshandelt?

Ein Video zeigt, wie ein Tierpfleger im Zoo Magdeburg einen Elefanten mit einer Stange schlägt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Von Anja Guse

Magdeburg l Zwei Pfleger ziehen Elefantendame Mwana im Zoo Magdeburg vorsichtig mit einem Seil an ihrem Fuß ans Gitter. Ein weiterer Tierpfleger kommt hinzu. Mit einer Stange schlägt er plötzlich in Richtung der Elefantenkuh, soll diese auch treffen. Mehrere Anwesende beobachten die Situation. Ein Filmteam nimmt das Geschehen sogar auf Video auf. Ein Beweis für Misshandlungen im Zoo?

Das war 2017. Damals zog Mwana aus ihrem alten Gehege in das neue Africambo um.

Das Video tauchte nun – mehr als drei Jahre später – im Internet auf. Die Bildzeitung berichtete am Freitag über den Vorfall und zeigte das Video. Doch die Aufnahmen sind der Staatsanwaltschaft längst bekannt. „Wir haben es Anfang des Jahres zusammen mit der entsprechenden Strafanzeige bekommen“, erklärte Oberstaatsanwalt Frank Baumgarten gegenüber der Volksstimme. Ob es sich bei der gefilmten Szene tatsächlich um Misshandlung durch Zoo-Pfleger handelt, werde seither geprüft.

Seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft zum Zoo Magdeburg. Und noch weitere Wochen werden wohl vergehen, bis es zu einem Verfahrensabschluss kommt. Das Ende der Ermittlungen sei nicht absehbar, so Baumgarten. Tierwohlgefährdung, aber auch Verstöße gegen das Waffengesetz stehen im Raum.

Zoo-Mitarbeiter hatten Verfehlungen des einstigen Zoochefs Kai Perret angeführt und an das Veterinäramt weitergeleitet. Dieses schaltete die Staatsanwaltschaft ein. Vorläufige Höhepunkte waren Perrets Entlassung Anfang März 2020 sowie die Durchsuchung der Zoo-Verwaltungsräume Mitte März. Seither wird gegen mehrere Personen, darunter Perret und Zoo-Mitarbeiter, ermittelt.

Das Video wollte der Zoo am Freitag nicht kommentieren. „Wir werden uns dazu nicht äußern“, erklärte Dirk Wilke. Er leitet vorerst die Zoo-Geschäfte. Auch Perret wollte die Aufnahmen nicht bewerten. Er sagte gegenüber der Volksstimme: „Jetzt muss erst einmal die Staatsanwaltschaft den Vorfall untersuchen.“ Er selbst sei dazu noch nicht befragt worden.

Perret beteuerte zudem, von dem Vorfall bis Anfang des Jahres nichts gewusst zu haben. Er habe das Video, welches von einer Firma während des Umzugs aufgenommen worden sei, erst im Zuge der aufkommenden Turbulenzen gesehen. „Wenn ich das damals schon gewusst hätte, hätte ich sicherlich anders gehandelt“, beteuerte er. Zwar sei er bei dem Umzug der Elefanten in ihr neues Haus dabei gewesen, aber nicht direkt bei dieser Szene am neuen Gehege.

Nach Volksstimme-Informationen soll der langjährige Tierpfleger, der zur Stange gegriffen hatte, für Freitag freigestellt worden sein. Bestätigen wollte das der Zoo nicht. Wilke dazu: „Zu Personalfragen äußern wir uns grundsätzlich nicht.“

Elefantendame Mwana war erst im November 2019 in den Schlagzeilen. Damals quetschte sie sich beim Öffnen eines hydraulischen Tores zehn Zentimeter ihre Rüssels ab. Ein Tierpfleger hatte dies nicht bekommen. Erst als Mwana brüllte, stoppte er das Tor.

Das Veterinäramt bewertete den Vorfall als Unfall. Ein schuldhaftes Handeln im Sinne des Tierschutzes wurde damals nicht erkannt. Auch Perret, zu jener Zeit noch Zoo-Direktor, nahm seinen Mitarbeiter nach dem Vorfall öffentlich in Schutz. Gegenüber der Volksstimme erklärte er kurz danach: "Es hatte nichts mit Unachtsamkeit zu tun." Dass Mwana ihren Rüssel in den Schlitz steckte, sei nicht erwartbar gewesen.