Magdeburg l Im Zoo Magdeburg war die Aufregung nach dem Unfall, bei dem sich Elefantdame Mwana ihre Rüsselspitze abgerissen hat, groß.

▶Was war passiert?

Beim Öffnen eines hydraulischen Tores hat sich Elefantendame Mwana am 11. November 2019 ihren Rüssel in einem Schlitz eingeklemmt und zehn Zentimeter der Rüsselspitze abgerissen. Die Tore werden von den Pflegern elektrisch per Fernbedienung geöffnet. Als sich Mwana den Rüssel abquetschte, brüllte sie. Der Pfleger stoppte sofort den Vorgang und ging zu ihr. Doch da war die Spitze schon ab.

▶Wie sollen Unfälle dieser Art künftig verhindert werden?

Die Torschlitze sind in den vergangenen Tagen mit Blechen verblendet worden. Somit sollte es für die Elefanten künftig unmöglich sein, ihren Rüssel dort reinzustecken.

▶Wie geht es Mwana?

Ganz gut, meinte Perret am Donnerstag. Die Wunde habe sich nicht entzündet und Mwana habe auch kein Fieber, was Indikator für eine Entzündung sein könnte. Ihre Temperatur lag am Donnerstag im Normalbereich bei 36,7 Grad. Dieser Wert wurde über eine Kotprobe ermittelt. Zudem reagiere sie normal auf die Tierpfleger.

▶Wie wird Mwana medizinisch versorgt?

Der Elefantenkuh wird drei Mal am Tag ein Antibiotikum auf die Wunde gesprüht. Damit soll verhindert werden, dass sich die Wunde entzündet.

▶Wie reagiert Mwana auf das Sprühen der Medizin auf ihren Rüssel?

Anfangs fand sie es etwas komisch. Mittlerweile habe sie sich daran gewöhnt, so Perret.

▶Warum wird Mwana nicht eine Infusion gelegt?

Das Verabreichen von Medizin über eine Infusion dauert ein paar Minuten und erfolgt übers Ohr. Damit Tierpfleger und Arzt eine Infusion legen können, müsste Mwana in dieser Zeit ganz still am Tor stehen bleiben. Das ist – noch – unrealistisch. Künftig soll das stärker trainiert werden, kündigte der Zoodirektor an.

▶Hatte der Pfleger während des Unfalls Sichtkontakt zum Elefanten?

Laut Zoochef Kai Perret ist der Tierbereich während des Öffnens des Tores einsehbar.

▶Wie konnte der Unfall trotz Sichtkontakt zum Elefanten passieren?

Das sei unklar. Alle fünf Magdeburger Zoo-Elefanten sind darauf trainiert, vor dem Tor stehen zu bleiben. Warum Mwana plötzlich und für den Pfleger vollkommen unerwartet ihren Rüssel in den Schlitz steckte, sei nicht nachvollziehbar, so Perret.

▶Wie bewertet das Veterinäramt der Stadt Magdeburg den Vorfall?

Tierschutzrechtlich ist für das Amt kein schuldhaftes Handeln des Zoos ersichtlich. Die weitere Genesung bleibe nun abzuwarten, so Rathaussprecher Michael Reif. Nach Einschätzung des Amtes besteht durchaus eine Chance, dass der Elefant lernt, mit seiner Einschränkung zu leben, weil Rüssel-Verletzungen auch in der Natur vorkommen, zum Beispiel durch Raubtierangriffe.

▶Die Verletzung des Rüssels ist einmalig für den Zoo Magdeburg. Mit der Behandlung einer solchen Wunde gibt es keine Erfahrung. Woher gab es fachliche Unterstützung?

Der Zoo Magdeburg steht mit Dr. Michael Flügger aus dem Tierpark Hagenbeck in Kontakt. Dieser ist ein Spezialist für Elefanten und hatte vor etwa 15 Jahren eine ähnliche Verletzung im Tierpark zu versorgen.