Magdeburg l Die Stimmung in den Werkshallen der Enercon-Tochter WEC Turmbau Magdeburg ist schlecht. Hauptthema in allen Produktionspausen: Wie geht es weiter? „Natürlich sind die Kollegen sehr nervös“, sagt Andreas Dittmar vom Betriebsrat.

Das Unternehmen will rund die Hälfte der Stelle des Standorts im Hansehafen streichen. 132 Arbeitsplätze sind in Magdeburg bedroht. Die WEC Turmbau liefert exklusiv Betontürme für Enercon-Windkraftanlagen. Insgesamt will Enercon konzernweit 800 Stellen abbauen.

Unternehmen verhandelt nicht

Am 16. August 2018 war die IG-Metall mit einem Info-Stand vor den Werkstoren von WEC präsent. Man wollte die Mitarbeiter über den Stand der Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Unternehmen aufklären. „Allerdings gibt es keine Verhandlungen“, sagt Gewerkschaftssekretär Thomas Weber. Das Unternehmen verweigere sich.

Für Mittwoch und Donnerstag waren Krisentreffen auf höchster Ebene mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier, seinem niedersächsischen Kollegen Bernd Althusmann, Betriebsräten, Gewerkschaftsvertretern und der Unternehmensspitze anberaumt. „Alle kamen, nur von Enercon war niemand da“, kritisiert Thomas Weber.

Magdeburger sauer über Enercon-Spitze

Die Begründung der Enercon-Spitze kommt bei den Kollegen im Magdeburger Betonwerk nicht gut an: „Enercon behauptet, die Zulieferunternehmen würden nicht direkt zum Unternehmen gehören, darum ist man auch nicht zuständig. Eine glatte Unverschämtheit“, sagt Thomas Weber. Das sehen die Mitarbeiter bei WEC ebenso. „Jetzt will man von uns nichts mehr wissen“, ärgert sich Betriebsratsmitglied Günter Stolze — und über ihm weht vor den WEC-Werkstoren die Enercon-Unternehmensflagge.

Sei die Stimmung unter den Beschäftigten auch schlecht, so wollen die meisten dennoch um ihren Arbeitsplatz kämpfen. „Wenn keine Einigung gefunden wird, sind wir auch bereit für einen härteren Arbeitskampf“, signalisiert Betriebsrat Dittmar Entschlossenheit.

Magdeburger bauten Eigenheime

Der Altersdurchschnitt der WEC-Mitarbeiter liegt bei 40 Jahren. Viele Kollegen wollen sich in Magdeburg etwas aufbauen, haben sich Eigenheime gebaut, so Betriebsrat Günter Stolz. Ohne Job sei das alles in Gefahr. „Es hängen viele Familien von den Arbeitsplätzen ab.“

Was die Mitarbeiter zermürbt, sei die Unwissenheit. „Keiner weiß, wie es weitergeht, keiner sagt etwas Konkretes.“ Zum Beispiel wurde die Produktion heruntergefahren. „Wir produzieren jetzt in einer Woche soviel, wie sonst an einem Tag“, sagt Dittmar. Das sei verdächtig. Darum ist für nächsten Montag eine Betriebsversammlung geplant, zu der Unternehmensvertreter erwartet werden.

Umstrukturierung notwendig

Enercon begründet die Entlassungen mit Absatzrückgängen bei Windkraftanlagen. Die WEC-Mitarbeiter bezweifeln das. Aber wenn dem so sei, dann könnte WEC auch andere Betonteile produzierten. „Wir haben moderne Anlagen und alle Mitarbeiter sind gut ausgebildet. Es wäre nur eine Umstrukturierung nötig“, sagt Günter Stolze.