Magdeburg l Der große Flüchtlingsstrom ist abgeebbt. Nach und nach wird klar, welche der gut 5400 Geflüchteten, die in Magdeburg gestrandet sind, eine Bleibeperspektive erhalten. „Für sie beginnt jetzt die eigentliche Integrationsarbeit“, sagt Janina Schurich-Wishet von der Freiwilligenagentur Magdeburg. Bei der Agentur laufen derzeit zwei Projekte für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer. Das eine nennt sich „Engagiert für Integration“ und richtet sich an Magdeburger, die Geflüchteten bei Behördengängen bzw. der Wohnungssuche helfen oder mit ihnen die Freizeit verbringen, damit sie Kontakte knüpfen und die Sprache lernen können.

Seit Herbst 2015 betreut Janina Schurich-Wishet das Projekt und konnte schon Dutzende Integrationshelfer dafür gewinnen. „Der Bedarf ist groß. Wir suchen immer noch freiwillige Elbestädter für diese Aufgabe“, so Schurich-Wishet.

Etwas Sinvolles tun

Neuerdings betritt Magdeburg außerdem „Neuland“: So nennt sich eine zweite Initiative, die – und das ist das Besondere – Flüchtlinge selbst zu ehrenamtlichen Helfern in der Stadt macht. Es ist ein Pilotprojekt des Bundes, die hiesige Freiwilligenagentur einer von zehn Standorten bundesweit. Viele Flüchtlinge mit Bleiberecht können oder dürfen noch nicht arbeiten. „Da liegen so viele Talente brach“, weiß Marie Prikhodko, Leiterin des Neuland-Projekts. Innerhalb weniger Monate konnte sie bereits 50 Geflüchtete in ehrenamtliche Tätigkeiten vermitteln. Sie bringen sich bei mehrsprachigen Lesungen für Kinder in der Stadtbibliothek oder Kitas ein, helfen in Kulturzentren oder Sportvereinen oder gehen ins Pflegeheim, um mit Senioren die Freizeit zu verbringen. „Sie fühlen sich gut, weil sie etwas Sinnvolles tun können, bauen Kontakte auf und lernen so auch viel schneller die Sprache“, freut sich Marie Prikhodko über das Interesse der Flüchtlinge. Auch in den Einrichtungen kommt das gut an, weiß Prikhodko.

Einige der Engagierten brauchen aber noch Hilfe, weil es mit dem Deutsch hapert, sagt die 29-Jährige. Deshalb werden Magdeburger gesucht, die als sprachkundige „Tandem-Partner“ mit den engagierten Flüchtlingen für einige Zeit in die Einrichtungen gehen.