Magdeburg l Eine Stadt in der zweiten Stufe des Krisenmodus – das war Magdeburg am 18. März 2020, einem Mittwoch. Auf den ersten Blick wirkt viel normal: Straßenbahnen rollen durch die Lübecker Straße. Einige Passanten sind unterwegs. Auf dem Fußweg streitet sich ein Pärchen, was es zum Abendessen geben soll.

Und doch ist etwas anders. Es sind weniger Menschen unterwegs, als man es beispielsweise von einem Hochsommertag gewohnt ist. Und es sind auch mehr der kleinen Geschäfte geschlossen, als man es von der Urlaubssaison gewohnt ist. Stattdessen hängen an vielen Geschäften Zettel. Gedruckt oder handgeschrieben haben sie alle einen ähnlichen Inhalt: Wegen der Allgemeinverfügung des Landes bleibt der Laden für einen Monat geschlossen.

Nur bestimmte Geschäfte haben offen

Einige sind in ihren Geschäften und arbeiten Aufgaben ab, für die bislang keine Zeit war. Oder sie stehen ihren Kunden telefonisch bereit. Aber Geld und Waren gehen hier nicht mehr über den Tisch. Geöffnet haben nur ganz spezielle Sortimente. Lebensmittelhändler gehören beispielsweise dazu oder Optiker, Friseure und Hörgeräteakustiker. Drogerien und Apotheken auch. Und Banken und Sparkassen sowie der Handel mit Büchern und Zeitungen sowieso. Unter bestimmten Bedingungen ist auch die Gastronomie noch mit dabei. Hier auf der Lübecker Straße sind noch einige andere mit dabei, die die Liste offensichtlich nicht kennen oder sich nicht bewusst sind, dass deren Missachtung teuer werden kann.

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Unter denen, die von der Schließungsvorgabe betroffen sind, ist eine Nageldesig­nerin, die kurz vor die Tür kommt. Sie möchte ihren Namen nicht nennen, sagt aber: „Natürlich ist es richtig, dass etwas gegen die Ausbreitung des Coronavirus getan wird. Doch die kleinen Einzelhändler werden das hier nicht ewig durchhalten.“

Kleine Betriebe fürchten um ihre Existenz

Das meint auch Andreas Schilke, der das Reisebüro am Nicolai­platz betreibt, und sagt klar und deutlich: „Mich treibt jetzt echte Zukunftsangst um. Nicht nur, dass wir erst gehofft hatten, als Dienstleister nicht schließen zu müssen. Mehr noch: Wir müssen jetzt Provisionen für entfallende Reisen zurückzahlen, obwohl wir keine Einnahmen mehr haben.“ Wie es weitergehen soll? Offen. „Lange werden wir das nicht durchhalten“, sagt er.

Ebenfalls an der Lübecker Straße sitzt „Friedrich Uhren & Schmuck“ von Michael Deßmann. Er sagt: „Kredite und bestimmte Ideen zu den Steuern nutzen gar nichts: Kredite kann man sich in einer solchen Situation nicht leisten. Und Steuern bezahlt man eh nicht mehr, wenn man keine Einnahmen mehr hat.“ Als sehr hilfreich hat er die Informationen von der Industrie- und Handelskammer empfunden, unter anderem in Sachen Kurzarbeitergeld. Er sagt: „Da muss man aber als Unternehmer selber aktiv werden.“

Auch die Großen betroffen

Doch auch die großen Häuser sind betroffen. Im Karstadt hat so nur noch die Lebensmittelabteilung geöffnet. Diese ist über einen separaten Eingang vom Breiten Weg aus zu erreichen. Während hier die Textilabteilungen geschlossen sind, darf diese Ware ein paar Meter weiter auf dem Alten Markt gehandelt werden – Wochenmärkte haben keine Einschränkungen des Sortiments.

Größter Einzelhändler im Bördepark im Süden der Landeshauptstadt ist das Edeka-Center. Dieses hält sich an die Vorgaben von Land und Robert-Koch-Institut. Im Gastro-Bereich werden die Tische in den vorgegebenen 2-Meter-Abständen aufgestellt. Es soll auch darum gehen, die Mitarbeiter als Mütter oder Väter von den Folgen den Schul- und Kita-Schließungen zu entlasten. Die anderen Mieter im Bördepark entscheiden selbst, wie sie ihre Geschäfte öffnen.

Leere Gänge in Centern

Aus dem Allee-Center berichtet Centermanagerin Petra Kann, dass ihr Haus bereits seit geraumer Zeit noch stärker auf Hygiene setzt – zum Beispiel mit zusätzlichen Reinigungsgängen samt Desinfektion an Handläufen der Rolltreppen.

In einigen der Shops, die nicht zu den Waren des täglichen Bedarf gehören, wurde gestern ebenso wie an anderen Stellen der Stadt noch die Ware verpackt – und dann war Schluss wohl für die kommenden Wochen. Geöffnet haben hier wie an anderen Stellen nur jene, die zur Versorgung der Menschen notwendig sind – zum Beispiel also keine Schuhläden und Textilgeschäfte.

Fokus auf Eindämmung des Virus

Die Centermanagerin setzt auf die Magdeburger und sagt: „Aktuell steht die Eindämmung des Virus im Vordergrund. Nichtsdestotrotz würden wir uns sehr freuen, wenn die treuen Kunden unsere Geschäfte nach der Schließung wieder besuchen, dem regionalen Handel treu bleiben und ihre Einkäufe nicht über den Onlinehandel tätigen.“

Ähnlich die Situation im größten Magdeburger Einkaufszentrum – im Florapark. Hier hatte das Centermanagement 19 Mieter gefunden, die sich in ähnlichen Bereichen der Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs bewegen und die weiter geöffnet haben.

Auch die Bürger sind gefragt

Eine wichtige Unterstützung für den Handel sei es, bestimmte Gegebenheiten anzunehmen und nicht mit den Verkäuferinnen und Verkäufern vor Ort zu streiten, warum gewisse Abgabemengen eingeführt werden mussten, bittet Centermanager Kai Ehlers die Magdeburger um Unterstützung.

Er sagt: „Es geht auch um eine Selbstdisziplin in der Wahrung der erforderlichen zwei Meter Abstände in den Geschäften und an den Kassen, damit hierfür kein zusätzliches Personal zur Durchsetzung eingesetzt werden muss.“