Magdeburg l Die Freistellung von Magdeburgs Zoochef Kai Perret ist ein Paukenschlag, auch wenn die Beurlaubung für manchen Insider nicht mehr so überraschend kommt. Zu sehr hatte Perret in den vergangenen Monaten mit unglücklichen und inkonsequenten Entscheidungen Fragen aufgeworfen. Gestartet war Kai Perret 2003 als großer Gestalter mit Visionen. Er hat den Zoo Magdeburg mit Hilfe des Stadtrates im Rücken wachgeküsst. Aus einem Tierpark mit enormen Sanierungsstau führte er den inzwischen 70 Jahre bestehenden Zoo in die neue Zeit.

Mittendrin im Kampf um Gelder hatte Perret viele andere Probleme zu lösen. Der Streit um den Lärm im alten Affenhaus, der Ausbruch von Schimpansen im neuen Haus, die Einschläferung von nicht reinrassigen Tigern, der Tod von mehreren Giraffen, die heimliche Wegbewerbung zu einem anderen Zoo und zuletzt der eingeklemmte Rüssel eines Elefanten - all das ließ Kritiker lauter werden. Perret hat alle diese Probleme ausgestanden, weil er die Rückendeckung aus dem Rathaus mit dem Aufsichtsratschef Lutz Trümper hinter sich wusste.

Andauerndes Zerwürfnis mit Belegschaft

Die Freistellung ist nun ein nächster vorläufiger Höhepunkt in der Reihe negativer Schlagzeilen. Grundlage ist ein seit Jahren andauerndes Zerwürfnis mit der Belegschaft. Zooleitung, Mitarbeiter und Zootierarzt bezichtigen sich gegenseitig Verfehlungen bis hin zur Gefährung des Tierwohls. Ausgeräumt wurden diese Vorwürfe bis zuletzt nicht. Auch ein Mediationsverfahren mit einem externen Berater hatte nicht geholfen.

Perret hat es nicht geschafft, diesen Prozess zu moderieren, zu befrieden und zu beenden – und auch harte Entscheidungen zu treffen. Ein Beispiel: Der externe Zootierarzt und die Belegschaft streiten seit Jahren über den Umgang mit Tieren. Beide warfen sich Tierwohlgefährdung vor. So sollen Anweisungen des Tierarztes von Tierpflegern nicht umgesetzt worden sein. Im Gegenzug werfen Pfleger dem Zootierarzt vor, bei Notfällen zu spät vor Ort gewesen zu sein.

Perrets Rückhalt im Aufsichtsrat bröckelt

Perret konnte diesen Konflikt nicht lösen, Machtworte in die eine oder andere Richtung fehlten, so ist zu hören. Das, so ist es hinter den Kulissen zu vernehmen, war ein entscheidender Punkt, dass Perrets Rückhalt im Aufsichtsrat bröckelte. Obendrauf kam nun die Liste der Belegschaft mit mutmaßlichen Verfehlungen der Zooleitung, die das Veterinäramt und nun sogar die Staatsanwaltschaft prüfen soll. Ob da was dran ist, wird sich erst noch rausstellen. Es gilt auch hier die Unschuldsvermutung.

Die Liste ist nach der Mitarbeiterdemo vom Dezember gegen Perret ein erneutes Zeichen, dass die Querelen anhalten. Und mehr noch. Nachdem das Veterinäramt nun die Staatsanwaltschaft einschaltet, blieben Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung keine anderen Spielräume mehr, als Zoochef Kai Perret „aus der Schusslinie“ zu nehmen, wie es Aufsichtsratschef Lutz Trümper formulierte. Perret selbst sagte der Volksstimme am 31. Januar 2020: „Ich bin dankbar für 17 Jahre Arbeit im Zoo, in denen ich viel gemeinsam mit der Stadt erreicht habe.“ Zum Sachverhalt selbst wollte er sich nicht äußern. Stellvertreter Dirk Wilke führt nun vorläufig die Geschäfte.

Die Staatsanwaltschaft war am Freitag für die Volksstimme nicht erreichbar. Klar dürfte sein: Sollte sie in den Vorwürfen der Zoomitarbeiter einen Anfangsverdacht für Tierwohlgefährdung sehen und Ermittlungen einleiten, wird es für Perrets Zukunft als Zoochef sehr eng. Sein jüngster Fünf-Jahres-Vertrag endet 2021. Der Stadtrat müsste ihn verlängern.