Magdeburg l Wirbel um das gerade erst im März 2018 eröffnete Rayonhaus in der Steinigstraße in Magdeburg. Das Stadtfelder Lokal in dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus mit idyllischem Garten ist seit Sonnabendabend geschlossen. Wann es wieder aufmacht, ist unklar.

Hintergrund der Schließung ist ein Besuch des Ordnungsamtes der Stadt Magdeburg. „Am Sonnabend um 21 Uhr sind plötzlich zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes aufgetaucht und haben uns überprüft. Dabei stellte sich heraus, dass wir zwar eine Gewerbeanmeldung besitzen, aber keine sogenannte Betriebsstättenerlaubnis", sagt Mitinhaber Daniel Krüger. Daraufhin sei dem Betreiber mitgeteilt worden, das Lokal innerhalb einer Stunde schließen zu müssen. Seinen Angaben nach durften die Gäste ihre Getränke noch leeren und mussten dann das Lokal verlassen.

Magdeburger gesteht Fehler ein

Für Krüger ist das eine bittere Nachricht, die er noch nicht vollständig einordnen kann. Offen gibt er zu: Ja, ich habe einen Fehler gemacht. Als ich die Gewerbeerlaubnis in der Hand hatte, dachte ich, alles sei erledigt. Die Betriebsstättenerlaubnis, auf die sich das Amt jetzt beruft, hatte ich nicht mehr auf dem Schirm."

Krüger ist eigentlich ein erfahrener Gastronom. Denn er betreibt auch das Café Central in der Sternstraße und kennt sich mit Formalien normalerweise aus. Deshalb ärgert ihn der Lapsus ganz besonders. Trotzdem argwohnt er: „Es ist komisch, dass das Amt wegen des fehlenden Papiers deshalb am Pfingstsonnabend um 21 Uhr auftaucht und kontrolliert. Warum sind die nicht mittwochmittags gekommen oder haben vorher einfach mal angerufen und gesagt, dass da noch was fehlt?"

Vermutung: Retourkutsche des Amtes

Er hat in diesem Zusammenhang eine Vermutung. Krüger ist auch Inhaber des Café Central in der Sternstraße. Und in dieser Eigenschaft hatte er nach den Krawallen am Hasselbachplatz rund um den Aufstieg des 1. FC Magdeburg das Verhalten von Landespolizei und Magdeburger Ordnungsamt in einem Offenen Brief u. a. an OB Lutz Trümper (SPD) scharf kritisiert. „Ich hoffe nicht, dass es sich jetzt hier um eine Retourkutsche handelt", so Krüger.

Das ist auch deshalb wichtig, weil die Schließung existenzbedrohend ist. Krüger hat in das gepachtete 144 Jahre alte Rayonhaus rund 60.000 Euro investiert. Die Einnahmen über das Pfingstfest waren nicht nur fest eingeplant, sondern sind zum wirtschaftlichen Betrieb enorm wichtig.

Zehn Mitarbeiter im Magdeburger Rayonhaus

Zehn Mitarbeiter sind zu entlohnen, die nun erstmal zu Hause bleiben müssen. Krüger hofft nun auf ein Einsehen im Amt. Am Dienstag will er Kontakt suchen und die fehlende Betriebsstättenerlaubnis in der Hoffnung auf schnelle Bearbeitung beantragen. Vorsorglich hat er eine Schließzeit von 14 Tagen verkündet. Vielleicht geht aber auch alles viel schneller.

Am Montag äußerte sich die Stadtverwaltung Magdeburg auf Volksstimme-Anfrage und bestätigte den Ablauf. Stadtsprecher Michael Reif: „Es waren nicht alle für den Betrieb notwendigen Unterlagen vorhanden. Außerdem fehlte vor Ort ein verantwortlicher Ansprechpartner."

Stadt Magdeburg prüft Vorgang

Den Vorwurf einer Retourkutsche für den Offenen Brief wies er zurück. Am 22. Mai 2018 wolle man im Amt den Vorgang prüfen. Weitere Anfragen der Volksstimme nach der Verhältnismäßigkeit des Einsatzes und ob das Amt die Gaststätte gezielt aufgesucht habe oder allgemein auf Prüfungstour durch Magdeburger Gaststätten war, wurden nicht beantwortet. Dazu wolle man sich erst nach Prüfung des Vorganges äußern, hieß es.

Stadtrat Olaf Meister (Bündnis 90/die Grünen) twitterte am Sonntag schon mal kritisch an das Ordnungsamt: „So wird das nichts mit Kulturhauptstadt."

Für den Gastronom ist wichtig, dass trotz der selbstverschuldeten Panne der Betrieb schnellstmöglich wieder aufgenommen werden kann. Denn nach dem plötzlichen Aus schießen auch die Spekulationen für die Gründe der Schließung ins Kraut. Von „Ratten" ist gar die Rede. Wahr sei: Es fehlt ein Papier vom Amt.