Magdeburg l Im Norden der Stadt Magdeburg stinkt es. „Ja, es gab zwei Beschwerden aus Rothensee vom 10. und 12. April“, bestätigt Denise Vopel, Sprecherin des Landesverwaltungsamtes in Halle, auf Volksstimme-Anfrage. In den schriftlich eingegangenen Beschwerden ist die Rede von einer „eklatanten Geruchsbelästigung“ sowie einem „fettig-unangenehmen“ Geruch, zitiert sie.

„Wir werden dem jetzt nachgehen“, erklärt sie weiter. Dazu werden sich Mitarbeiter des Landesverwaltungsamtes die Situation vor Ort anschauen bzw. in diesem Fall „erriechen“. Bei Beschwerden zu Gerüchen sei die Prüfung aber stets schwierig, sagt sie. Dennoch soll es in einigen Tagen erste Ergebnisse geben.

Geruch wie Popcorn oder Kohl

„Das ist uns ‚stinkbekannt‘“, sagt auch Wolfgang Ortlepp. Der Sprecher der IG Rothenseer Bürger kann die Berichte über die unangenehme Dunstglocke vor allem über seinem Stadtteil voll bestätigen. Der Geruch sei schwer zu definieren, er selbst würde ihn als „süßlich-unangenehm“ beschreiben, sagt Ortlepp. Wie Popcorn oder gekochter Porree oder Kohl lauten weitere Beschreibungsversuche.

Auch bei der Verlängerung der Stadtratssitzung war der Gestank in Rothensee am Montag Gesprächsthema. Grünen-Rat Timo Gedlich benannte in seiner Anfrage das Bioölwerk Glencore im Rothenseer Industriegebiet als mögliche Quelle. Magdeburgs Ordnungsbeigeordneter Holger Platz wich aus und verwies an das Landesverwaltungsamt in Halle.

Akribische Geruchsprotokolle

Auch schon am Freitag  hieß es aus dem Umweltamt, dass man in solchen Dingen nicht zuständig sei, sondern die Hallenser Behörde. Diese hatte in der Tat bereits Ende Januar 2019 das Unternehmen Glencore zum Verursacher der Gerüche erklärt, die seit mehreren Monaten die Anwohner in den ostelbischen Gemeinden umtreiben. Vor allem in Lostau, Gerwisch und Möser gibt es viele, die längst akribisch Geruchsprotokolle anfertigen, um zu dokumentieren, wann es wo stinkt.

Auch unter den Rothenseern gilt das Unternehmen als Quelle des Gestanks. „Wir haben sonst meistens Westwind, in der vergangenen Woche aber kalte Ostluft“, sagt Wolfgang Ortlepp. Diese könnte den Geruch nicht nur nach Rothensee, sondern auch in andere Teile der Stadt getragen haben. Auf der Facebook-Seite der Volksstimme melden sich zum Beispiel Leser aus Neue Neustadt und dem Kannenstieg, die ebenfalls den schwer definierbaren Geruch bemerkt haben. Selbst bis zum Hasselbachplatz und Buckau soll er gezogen sein.

Glencore selbst bleibt so scheu wie in den Monaten zuvor: Eine Bitte um Stellungnahme ließ man am Montag unbeantwortet.