Tag des Unkrauts

Giersch & Co.: Die Ungeliebten im Garten

Darauf hinzuweisen, dass nicht jedes Unkraut im Garten unnütz ist, ist das Anliegen des „Tages des Unkrauts“, der am Sonntag begangen wird.

Insekten sitzen auf einer Giersch-Pflanze auf der Naturschutzinsel Koos. Nach der Renaturierung sind in den vergangenen Jahren verloren geglaubte Tier- und Pflanzenarten zurückgekehrt. Die Succow-Stiftung war 1999 als erste gemeinnützige Naturschutzstiftung in den neuen Bundesländern gegründet worden. 2016 übernahm sie 365 Hektar auf der Insel und in den Karrendorfer Wiesen auf dem Festland. +++ dpa-Bildfunk +++
Insekten sitzen auf einer Giersch-Pflanze auf der Naturschutzinsel Koos. Nach der Renaturierung sind in den vergangenen Jahren verloren geglaubte Tier- und Pflanzenarten zurückgekehrt. Die Succow-Stiftung war 1999 als erste gemeinnützige Naturschutzstiftung in den neuen Bundesländern gegründet worden. 2016 übernahm sie 365 Hektar auf der Insel und in den Karrendorfer Wiesen auf dem Festland. +++ dpa-Bildfunk +++ dpa

Gatersleben/Bernburg l Wer ist auf einer Wiese nicht schon mal barfuß in eine Distel getreten: „Autsch, verdammtes Unkraut!“ Doch, wie so vieles im Leben gibt es nicht nur Schwarz und Weiß – störende Pflanzen auf der einen, Nutz- und Kulturpflanzen auf der anderen.
In den 1980er Jahren zu den Hochzeiten der Umweltbewegung wurde deshalb von deren Aktivisten eine Umbenennung von „Unkraut“ in „Wildkraut“ gefordert. Doch der Begriff landete auf dem Kompost, er konnte sich aufgrund seiner abweichenden Bedeutung nicht durchsetzen.
Martin Mascher vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung Gatersleben (Salzlandkreis) sagt, dass Unkraut eine Frage der Definition und Interpretation sei. Und der Wissenschaftler, der sich mit der Entstehung und Verbreitung von Kulturpflanzen beschäftigt, meint, dass es so gesehen schon Pflanzen auf den Feldern gebe, die der Bauer nicht will.
„Viele der heutigen Kulturpflanzen sind jedoch aus wilden Verwandten beziehungsweise ,Unkraut’ hervorgegangen. Das trifft zum Beispiel Roggen und Hafer.“ So seien die Römer über jeden Roggenhalm im Weizenfeld ärgerlich gewesen. „Roggen essen doch nur die Germanen haben sie abschätzig gesagt." Nach und nach seien die Unkräuter Roggen und Hafer genetisch verbessert worden.
Im Nahen Osten, zum Beispiel in Israel, wird heute noch über die sich ausbreitende Wildgerste im Weizenfeld als „Unkraut“ geschimpft. Und in den USA wollen die „Farmer“ den „Unkraut“-Roggen nicht im Weizen haben.Für Sandra Mann vom Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie (Kombination aus Ernährungswissenschaft und Haushaltswissenschaft) und Landesentwicklung an der Fachhochschule Anhalt, gibt es keine Frage: „Unkräuter gibt es eigentlich gar nicht.“ Und gerade im Bereich des Naturschutzes wird versucht, diesen Begriff zu vermeiden. „Als ,Beikräuter’ und ,unerwünschte Arten’ bezeichnet man die Pflanzen, die  aus Sicht des Menschen an bestimmten Orten unerwünscht sind.“