Altstadt l Es war ein bewegender Moment für Barbara Ackermann, als sie jetzt wieder durch die Pforte in den Magdeburger Dom kam. Mit ihren 97 Jahren hatte sie sich gewünscht, ihn noch einmal besuchen zu können. Das war angesichts ihres Alters, der Entfernung und auch der Corona-Pandemie kein einfaches Unterfangen, doch ihr sehnlicher Wunsch ging in Erfüllung.

Zum Dom hat die Seniorin ein ganz besonderes Verhältnis. „Als Kind habe ich im Domchor gesungen“, sagt die gebürtige Magdeburgerin, die heute in Göttingen in einer Seniorenresidenz lebt. Von ihrem zehnten Lebensjahr an sang sie im Domchor. Altistin war sie und gesungen wurde von der Orgelempore, erzählt sie. „Am Heiligen Abend war mein Platz direkt unter der Kanzel“, erinnert sich Barbara Ackermann, die bis vor zwei Jahren noch in Göttingen im Chor sang.

Als Kind erlebte sie die Bombenangriffe auf Magdeburg, flüchtete 1947 mit ihrer Familie nach Göttingen. Die Liebe und Verbindung zu Magdeburg und dem Dom blieb. Auch wenn sie nicht mehr an der Elbe lebte, engagierte sie sich für zahlreiche Projekte im Dom, spendete für die zwei Orgelneubauten, das „goldene Band“, die Nordturmstufen oder die Restaurierung des Lettners. Ein Herzensprojekt ist der Seniorin auch die Vision des Domglockenvereins, der dem Dom sein altes Glockengeläut wiedergeben will. Mit fast 50.000 Euro hat sie ihn bislang darin unterstützt.

Der Vorstand des Domglockenvereins ließ es sich entsprechend nicht nehmen, die Seniorin im Dom zu begrüßen und vom aktuellen Stand des Projektes zu berichten. Einen sichtbaren Erfolg konnte Barbara Ackermann ganz nah in Augenschein nehmen: die sanierte Dominica, die größte Läuteglocke des Magdeburger Doms.

Für die Reparatur der 444 Jahre alten Glocke schaffte es der Verein, in kurzer Zeit 30.000 Euro aufzubringen. Derzeit steht die Dominica noch im Seitenschiff des Doms. An ihren künftigen Platz im Nordturm des Doms soll sie kommen, wenn der Nordturm und der Glockenstuhl entsprechend hergerichtet sind. Dafür ist die Eigentümerin des Doms, die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, zuständig. Die Planungen laufen, es wird mit Kosten von rund einer halben Million Euro gerechnet.

Als nächstes Projekt des Glockenvereins steht der Neuguss der zweitgrößten Glocke an. Rund 160 000 Euro sind dafür nötig. Um das Projekt zu finanzieren hat der Verein einen Förderantrag bei der ostdeutschen Sparkassenstiftung gestellt. Eine Entscheidung steht noch aus.

Namen für zwei kleine Glocken stehen fest

Dank privater Großspenden sind zudem mittlerweile die Kosten für den Neuguss der zwei kleinsten Glocken des Domgeläuts weitgehend gesichert. Die Namen für die Glocken wurden von den amtierenden Dompredigern, Landesbischof Friedrich Kramen und Jörg Uhle-Wettler, bereits ausgesucht. Auch die Bibelsprüche für die Glockenzier stehen fest. Im November wird der Glockenfachbeirat die Namen den einzelnen Glocken zuordnen, dann sollen sie der Öffentlichkeit präsentiert werden, so Johannes Sattler vom Vereinsvorstand.

Auch über die Verzierung der Glocken wurde schon nachgedacht. Die Zier wird einen starken Bezug zum Dom und zu Magdeburg haben und sich damit sehr von dem bei der Glockenzier üblichen „floralen Fries“ unterscheiden.

Für Barbara Ackermann gab es bei ihrem Besuch noch eine ganz besondere Überraschung: Domkantor und Dom- organist Barry Jordan hatte es sich nicht nehmen lassen, eigens für die Großstifterin ein 20-minütiges Orgelkonzert auf der großen Hauptorgel zu spielen. Mit vielen Eindrücken und Erinnerungen trat sie so den Heimweg nach Göttingen an. „Das war mir so wichtig, noch einmal meinen Dom zu besuchen“, sagte die Seniorin sichtlich bewegt.