Wolfgang Müller lebt seit 90 Jahren in der Elbestadt

Glückwunsch: Ältester Magdeburger ist jetzt 106

Von Laura Schäfer

Wolfgang Müller ist der älteste Magdeburger - und immer noch fit. Sein Leben hält spannende Geschichten bereit.

Magdeburg. Mit einem leisen Lächeln nahm Wolfgang Müller die zahlreichen Glückwünsche entgegen. Der rüstige Rentner feierte am Mittwoch seinen 106. Geburtstag mit Freunden und Familie im Ratskeller. Sogar Bundespräsident Joachim Gauck hatte eine Glückwunschkarte an den Jubilar geschickt. Darüber freute er sich besonders. Denn politisch interessiert ist Wolfgang Müller bis heute. Er, der bis heute alleine wohnt, hat jeden gesellschaftlichen Umbruch hautnah miterlebt: Weimarer Republik, Nationalsozialismus, DDR und die Wiedervereinigung. Mit einem positiven Pragmatismus habe sich sein Opa in kurzer Zeit an neue Verhältnisse angepasst, erinnerte sich Enkel Rainer Biesenthal.

1923 kam Wolfgang Müller nach Magdeburg, um hier eine Anstellung als Prokurist anzutreten. Bei einem Turnfest lernte er seine spätere Frau kennen und gründete eine Familie. Während des Zweiten Weltkriegs konnte der gebürtige Quedlinburger aus gesundheitlichen Gründen in Magdeburg bleiben und Polizeidienst ableisten. Zu DDR-Zeiten arbeitete er für die Handwerkskammer und baute das System der Handwerkspreise mit auf. Stolz habe er seinen drei Enkeln die Anerkennungsnadeln gezeigt, erzählte Rainer Biesenthal. Sein Großvater sei ein "gelernter DDR-Bürger" gewesen, für den Magdeburg Heimat bedeutet.

Nie sei es ein Thema gewesen, wegzugehen. Nach der Wende beklagte er den Schwund der Ost-Marken und -Produkte. Aber lange zu hadern, war nicht sein Ding, und so erforschte Wolfgang Müller schon bald die Neuerungen, die auf Magdeburg zukamen. "Er war immer ein zufriedener Mensch. Und das lässt ihn vermutlich so alt werden", mutmaßt eine Freundin. Da lächelte das Geburtstagskind zustimmend.