Magdeburg l In der Welt der Erwachsenen sind Dinge wie Tod und Trauer oft tabu. Kinder hingegen gehen ganz unbefangen an diese vermeintlich schweren Themen heran. Deshalb bieten die Pfeifferschen Stiftungen das bundesweite Projekt „Hospiz macht Schule“ seit 2014 auch in Magdeburg an. Mit der Evangelischen Grundschule besteht von Anfang an eine Partnerschaft. Die jüngste Projektwoche endete kürzlich mit einer Präsentation der Schüler vor ihren Eltern.

Diese waren zum Start des Projekts noch recht skeptisch gewesen, was das Thema Tod im Unterricht betrifft. Doch im Lauf der Zeit und mit Unterstützung von Schulleiterin Anja Leiß sowie Klassenlehrerin Manuela Gehlhaar gibt es diese Vorbehalte heute nicht mehr, erzählt Diana Franke vom Ambulanten Hospizdienst. Sie leitet das Projekt und wird dabei ehrenamtlich von vier Hospizbegleiterinnen unterstützt.

Magdeburger betrachten eigene Babyfotos

Jeden Tag haben sich die 20 Jungen und Mädchen mit einem anderen Schwerpunkt beschäftigt. Am Montag ging es um das Werden und Vergehen. Anhand ihrer eigenen Babyfotos sahen die Kinder, wie sie sich bereits verändert haben. Der Dienstag stand im Zeichen des Krankseins. Cornelia Kühne, Ärztin im Ruhestand, besuchte die Drittklässler und sprach mit ihnen über Krankheiten und ihre Folgen.

Sterben und Tod waren am Mittwoch die Themen. Die Schüler lernten, was ein Bestatter macht und wie tief ein Grab ist (1,80 bis 2 Meter). Außerdem erfuhren sie, welche Vorstellungen vom Jenseits und Bestattungsrituale es in den Weltreligionen gibt.

Magdeburger schreiben Trostbriefe

Der Donnerstag handelte vom Traurigsein, wie und warum Leute trauern, wenn jemand Liebes verstorben ist. Zum Ende der Woche schließlich ging es um das Trösten. Die Schüler schrieben Trostbriefe an Menschen, die traurig sind, und brachten jene Kuscheltiere in die Schule mit, die ihnen Trost geben.

Für Lorenz war die Woche „spannend“, auch weil er sich zuvor nie mit dem Thema beschäftigt hatte. Am besten haben ihm die Plakate mit den Babyfotos der Schüler gefallen, an denen man die Veränderungen sehen konnte.

Kinder lernen, dass Tod zum Leben gehört

„Angst vor dem Tod und Sterben haben nur wir Erwachsenen, die Kinder noch nicht. Mit dem Projekt wollen wir dieser Angst vorbeugen“, erklärt Diana Franke. Die Kindern sollen lernen, dass der Tod zum Leben dazugehört.

In der 3. Klasse seien sie von der Entwicklung so weit zu begreifen, dass Sterben unwiderruflich ist, sagt sie. Weil das Projekt vom Ehrenamt lebt, sei es allerdings nicht möglich, es an mehr als zwei Schulen pro Jahr durchzuführen, meint die Projektkoordinatorin.

Trauriges und zugleich schönes Projekt

Klassenlehrerin Manuela Gehlhaar dankte dem Projektteam. „Ich freue mich immer auf diese Woche, obwohl es manchmal auch traurig ist“, sagte sie. Doch erlebe man die Kinder dabei auch in Situationen, für die im Schulalltag oft keine Zeit sei.

Mehr Infos zum Projekt finden Sie hier.