Debatte

Helfen Zäune gegen Vandalismus auf Spielplätze in Magdeburg?

Vandalismus, Diebstahl und Müll auf Spielplätzen kosteten die Stadt Magdeburg 42.500 Euro in nur zwei Jahren. Leser diskutieren das Thema und haben auch diesen Vorschlag: einzäunen und fertig.

Von Jana Heute 05.07.2021, 00:15
Der Abenteuerspielplatz im Stadtpark zu Füßen des Albinmüllersturms zählt zu den beliebtesten Tobeplätzen in Magdeburg - und ist wie fast alle nicht umzäunt. Würde ein Zaun Vandalen fernhalten? Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander.
Der Abenteuerspielplatz im Stadtpark zu Füßen des Albinmüllersturms zählt zu den beliebtesten Tobeplätzen in Magdeburg - und ist wie fast alle nicht umzäunt. Würde ein Zaun Vandalen fernhalten? Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. Foto: Jana Heute

Magdeburg - Wolf-Rüdiger Mandel war viele Jahre Reisebusfahrer und hat in der Zeit einiges gesehen. Natürlich auch Spielplätze in Großstädten. Egal ob Wien, Paris oder London, „überall waren die Spielplätze eingezäunt und somit vor Vandalismus geschützt“, berichtet unser Leser. Warum geht das in Magdeburg nicht, wenn sich die Schäden (42.500 Euro in den letzten zwei Jahren) derart summieren? Klar müsse man zunächst investieren. Aber der Diesdorfer glaubt, dass es über kurz oder lang nicht anders gehen wird.

Auch auf der Facebookseite der Volksstimme wird das Problem, über das die Redaktion am 14. Juni letztmalig berichtete, rege diskutiert. Die bislang durchweg offenen kommunalen Spielplätze werden bis in die Nacht leider eben auch gern genutzt als Treffpunkt von feiernden Jugendlichen oder auch Erwachsenen. Manch Alkoholgelage, zurückgelassener Müll und Lärmbelästigung der Anwohner inklusive. Gerade jetzt in der Sommerzeit.

Doch wären Zäune, wie Wolf-Rüdiger Mandel sie vorschlägt, eine Lösung? Da gehen die Meinungen auseinander. Zäune können auch leicht überklettert werden, findet zum Beispiel Marcel Nakoinz auf der Facebookseite der Volksstimme. Anschaffung und Wartung könnten hier schnell den praktischen Nutzen übersteigen, gibt Sebastian Göhre zu bedenken. „Ich sage, sie wären auf jeden Fall eine Hürde. In den anderen Städten scheint es ja auch zu helfen“, argumentiert derweil Wolf-Rüdiger Mandel.

Problem in den Großstädten ähnlich

Magdeburg ist nicht Wien oder Paris – doch das Problem sei letztlich ähnlich gelagert. Meint der Diesdorfer.

Selbst die Frage, wer die abgezäunten Plätze morgens auf- und am Abend wieder zuschließt, sei lösbar. Indem man Personen, vielleicht auch Freiwillige, beauftragt, oder automatische Schließanlagen einbaut. Die seien inzwischen auch bezahlbar, ergänzt unser Leser Gerald Münster, der die Idee mit der Umzäunung ebenfalls befürwortet. Zumindest sollte die Stadt, die allein 124 kommunale Spielplätze in Magdeburg betreibt, das mal durchrechnen.

Wird sie das? Wird sie ihre Plätze vielleicht künftig einzäunen? Im Moment sieht es eher nicht danach aus. Die städtischen Spielplätze seien „grundsätzlich nicht eingezäunt und werden auch nicht verschlossen“, reagiert Stadtsprecher Michael Reif auf die Volksstimme-Anfrage.

Lediglich der Kleinkindspielplatz in den Goetheanlagen verfüge aufgrund seiner Nähe zur Schrote über einen Zaun mit einem schwergängigen Schließmechanismus – eine Frage der Sicherheit. Abgeschlossen werde dieser Spielplatz jedoch auch nicht.

Warum kommt eine Umzäunung nicht in Frage? „Gerade die Offenheit und Zugänglichkeit der öffentlichen Spielplätze der Stadt machen ihren Reiz aus“, gibt Michael Reif die Meinung der Stadt wieder. Spielplätze gehörten „zum urbanen Raum und sollten auch uneingeschränkt für jeden nutzbar sein“. Darüber hinaus variiere das Auftreten von Vandalismus von Jahr zu Jahr stark. So treten in manchen Jahren nur kleinere Sachbeschädigungen auf, in anderen Jahren häufen sie sich.

Stadt setzt auf Beteiligung der Bürger

Bei der Frage der Prävention von Vandalismus gehe es aus Sicht des Eigenbetriebes Stadtgarten und Friedhöfe Magdeburg „weniger um Einschränkungen als vielmehr darum, Menschen in die Planungen und Umsetzungen einzubeziehen und damit ein Bewusstsein für den Wert dieser gestalteten urbanen Flächen zu schaffen“, heißt es weiter in der Antwort der Stadt.

In der Regel bewirkten Beteiligungsverfahren mit Kindern und Jugendlichen, „dass Spielplätze eine größere Wertschätzung erfahren und damit Vandalismus reduziert“ werde.

Der Eigenbetrieb versuche vielmehr, die Öffentlichkeit für das Thema Vandalismus zu sensibilisieren und an die Zivilcourage zu appellieren, um dazu beizutragen, Sachbeschädigungen gezielt aufklären zu können.

Generationsübergreifend geplante Spiel- und Freizeitflächen seien Begegnungsorte, „die das Lebensgefühl in der Stadt immens bereichern“. Zäune und Schlösser passen in diese Strategie offenbar nicht.

Gemeinsame Nachtstreifen mit der Polizei

Bleibt das Problem der Ruhestörungen und Verschmutzungen oder wegen des Konsums von Alkohol und Tabak: Hier würden laut Michael Reif aktuell vom Ordnungsamt auch im Rahmen der gemeinsamen Nachtstreifen mit der Polizei an Wochenenden zum Beispiel die Spielplätze in der Friedrich-List-Straße und Hegelstraße, im Hans-Fallada-Weg und am Neustädter See (Am Seeufer) häufiger angefahren und kontrolliert.