Magdeburg l 2013 sind die letzten Gefangenen aus ihren Zellen in Magdeburg in die neue Justizvollzugsanstalt nach Burg verlegt worden. Seitdem steht das Gefängnis an der Halberstädter Straße leer und bislang vergeblich hat das Land Sachsen-Anhalt versucht, die Immobilie zu verkaufen.

Nach einem erneuten Bieterverfahen gibt es nun aber einen Interessenten, der ein Kaufangebot abgegeben hat. Er plant unter dem Namen Variowohnungen kleine, kostengünstige Apartments für Singles. Der Finanzausschuss des Landtages soll am 15. August 2018 über den Verkauf abstimmen.

Einziges Angebot für Magdeburger Knast

Der Volksstimme liegen die Unterlagen für die Ausschussmitglieder vor. Demnach betrug das vom Land geforderte Mindestgebot 620.000 Euro, der Investor liegt mit 680.000 Euro nur unwesentlich darüber. Es war das einzige Angebot innerhalb der mehrmonatigen Frist. Der zuständige Landesbaubetrieb will nun den Kaufvertrag kurzfristig abschließen.

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Laut Gutachten beträgt der Marktwert des gut 11.000 Quadratmeter großen Grundstücks mit mehreren Gebäuden sogar nur bei 90.000 Euro. Grund sind die mangelhafte Bausubstanz und die fehlenden Anschlüsse für sämtliche Medien, die teuer saniert bzw. verlegt werden müssten.

Investor rechnete nicht mit Zuschlag

Das schreckt Richard Hergeth aber offenbar nicht ab. Er steckt als Berater und Kapitalgeber hinter der Gesellschaft, die offiziell als Knastkäufer auftritt. Deren Geschäftsführer sind seine Tochter sowie ein Partner. Bislang nur in Halle und Leipzig in der Immobilienbranche tätig gewesen, sei er durch den Geschäftspartner auf das Magdeburger Gefängnis aufmerksam gemacht worden. „Wir hatten gar nicht damit gerechnet, den Zuschlag zu bekommen“, gibt er zu.

Dennoch habe das Angebot Hand und Fuß. Sollte der Finanzausschuss dem Verkauf zustimmen, will Hergeth die Baugenehmigung zur Umnutzung in Wohnraum bei der Stadt Magdeburg einreichen. Bis alles geprüft ist, wird es mindestens bis Anfang kommenden Jahres dauern, rechnet er. Dann wolle er mit der Umsetzung seiner Pläne beginnen.

Warmmiete unter 300 Euro geplant

Die Zellen sollen dabei zu Wohnungen für Studenten, Singles oder alleinstehende Senioren mit wenig Rente umgebaut werden. Denn die Warmmieten sollen bei unter 300 Euro liegen. Größen von 25 bis 40 Quadratmeter sind vorgesehen, um die 200 Wohnungen könnten entstehen.

Weil diese Details nicht in der Beschlussvorlage für die Landtagsabgeordneten im Finanzausschuss stehen, könnte der Entscheid über den Verkauf aber auch noch verzögern. Darauf weist die stellvertretende Vorsitzende Kristin Heiß (Linke) hin. „Die Informationen sind ein bisschen dünn. Anhand einer Din-A4-Seite ist so etwas schwierig zu entscheiden“, sagt sie auf Volksstimme-Anfrage. Fragen gebe es beispielsweise zur Parkplatzsituation, die im Bereich rund ums Landgericht bereits jetzt angespannt ist.

Auch ob die Stadtverwaltung Magdeburg bei den Plänen bereits involviert ist und sie aus städtebaulicher Sicht befürwortet, ist unklar, erklärt sie weiter. Auf eine Redaktionsanfrage an das Baudezernat gab es dazu am 7. August noch keine Auskunft. Wenn die Ausschussmitglieder zu viele Fragen haben, kann die Landesverwaltung den Beschluss zum Nachbessern zurückbekommen.

Bauplanverfahren könnte Jahre dauern

Auch aus einem zweiten Grund ist ein zeitnaher Mietereinzug in die ehemaligen Zellen fragwürdig. Denn bereits im Exposé weist die Stadtverwaltung darauf hin, dass gegebenenfalls ein Bauplanverfahren eingeleitet werden muss, das mehrere Monate bis sogar Jahre dauern kann.