Magdeburg l Im Hause Hengstmann herrscht Testosteronüberschuss. Nicht genug, dass die Brüder Tobias und Sebastian mit Vater Frank Hengstmann den Testosteronspiegel im Haus ohnehin hochhalten, nun auch mit Heiko Herfurth (u. a. Moderator im Offenen Kanal), der bereits im Hengstmann´schen Sommertheater mitwirkte, im Team wär’s eine reine Männerwirtschaft. Noch nie war in einer Eigenproduktion der Kabarettisten eine Frau auf der Bühne. Bisher! Denn seit gestern dreht sich im Hause Hengstmann alles um die Frau –„Sie will (was sie) MACHT“.

Sie, das ist Schauspielerin, Sängerin und Inhaberin der Magdeburger Musicalschule Marie Matthäus. Als Protagonistin Heike bringt sie die Männer um den Verstand. Ihren Job als Grundschullehrerin will sie an den Nagel hängen und in die Politik. Ihr Mann, Ordnungsamtsmitarbeiter Mario (Heiko Herfurth), ist von dem ambitionierten Vorhaben „minderbegeistert“. Er ruft den Verfassungsschutz auf den Plan. Ein Imageberater muss her. Und dann ist da auch noch der nervige Nachbar Manni (Frank Hengstmann).

Das neue Stück: eine Allegorie. „Mutti hat was vor“ sei zunächst der Arbeitstitel gewesen. Die Assoziation mit Merkel? Nicht ganz ungewollt. Und doch spiele es keine Rolle. „Es ist egal, ob der Protagonist Brüste hat“, erklärt Sebastian Hengstmann. Es gehe um Konflikte auf anderer Strukturebene. In der kleinsten Zelle der Gesellschaft, der Familie, wird gezeigt, wie eng Politik und Familie miteinander verwoben sind, anhand der Familie deutlich gemacht, wie Politik funktioniert und mittels der Politik, was in der Familie schieflaufen kann.

Bilder

Dabei gehen die Hengstmänner andere Wege – zwei fernab der Bühne. Die Brüder führen Regie. Obgleich verraten werden darf, dass sie dem Rampenlicht dennoch nicht fernbleiben.

Klare Struktur statt loser Spielszenen

Und sie beschreiten einen Weg abseits der Formate, die man von ihnen gewohnt ist. „Wenn wir als Brüder auf der Bühne stehen, sind unsere Programme lose aneinandergereihte Spielszenen. Dieses Mal gibt es eine Story, eine klare Theaterstruktur“, erklärt Tobias Hengstmann. „Ein Theaterstück mit kabarettistischen Inhalten.“ Es gebe sogar ein richtiges Ende mit Auflösung. „Wir sind ja immer auf der Suche nach neuen Formen. So kam’s zur Sitcom.“

Eine Menge Premieren zur gestrigen Premiere also. Allen voran die erste Frau auf ihrer Bühne. Marie Matthäus hat die Männer gut im Griff, wie die Herren verraten. „Auf einmal gockeln alle“, erzählt Tobias Hengstmann. „Und alle benehmen sich etwas mehr als sonst.“ Als familiär und kreativ empfindet Marie Matthäus die Arbeit mit den Männern. „Ich werde sehr umsorgt und kann meine große Klappe groß lassen“, sagt sie.

Beflissenheit für die Männerwirtschaft

Die Rolle, die sie spielt, sei sehr zielstrebig und fordernd, was ihr großen Spaß machte. „In bestimmten Situationen sehe ich mich und meinen Mann und merke, dass er gelegentlich wohl sehr leiden muss.“

Besonders die Beflissenheit von Marie Matthäus tue den Herren gut und habe sich sogar ein Stück weit auf sie übertragen. Sie sei die Erste gewesen, die sofort den Text konnte. Etwas, das Heiko Herfurth doch sehr beneidet. Die kurze Probenzeit von dreieinhalb Wochen haben seiner Gedächtnisleistung doch einiges abverlangt. Ob der Text am Ende sitzt, davon sollen sich die Leute selbst ein Bild machen. (ka)

Vorstellungen von „Sie will (was sie) MACHT“ gibt es u. a. am 20. September und 21. September, jeweils 19.30 Uhr, am 22. September 17 Uhr und am 25. September 19.30 Uhr im Kabarett „... nach Hengstmanns“, Breiter Weg 37. Karten sind u. a. online unter www.hengstmanns.de erhältlich oder telefonisch unter 0391/4025540.