Magdeburg l Land unter an Elbe und Havel. Seit Wochen gab es Niederschläge in Rekordhöhen und weite Landstriche, Stadtteile und Dörfer in den Landkreisen Jerichower Land, Stendal und der Landeshauptstadt Magdeburg stehen unter Wasser. Straßen sind nicht passierbar, Deiche drohen zu brechen bzw. sind bereits gebrochen, ganze Wohngebiete müssen evakuiert werden, ein Klärwerk droht überzulaufen. Was das Hochwasser 2013 bereits in der Realität mit sich brachte, ist am Mittwoch Szenario einer Katastrophenschutzübung gewesen, an der auch die Landeshauptstadt Magdeburg beteiligt war.

In zwei Schichten waren insgesamt 80  Personen in dem Übungsszenario im Einsatz. Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie der Polizei, des Technischen Hilfswerkes, der Bundeswehr, der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, verschiedener Hilfsorganisationen, der Feuerwache Nord der Berufsfeuerwehr sowie Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Rothensee und Olvenstedt und Mitarbeiter von Unternehmen wie den Städtischen Werken Magdeburg waren in den Feuerwehrhäusern in Rothensee und Olvenstedt im Einsatz.

Auf Extremhochwasser vorbereitet

Wie Ordnungsbeigeordneter Holger Platz von der Magdeburger Stadtverwaltung berichtet, habe die Übung vor allem eines gezeigt: dass sich die Reaktionszeit der Einsatz- und Rettungskräfte durch die neu entwickelten Maßnahmen nach der Hochwasserkatastrophe 2013 deutlich verkürzt hat. „In der Übung wurden die sich aus dem Hochwasserereignis 2013 ergebenen organisatorischen Maßnahmen überprüft“, berichtet Platz. Zum Beispiel seien die Räumlichkeiten des operativ-taktischen Stabes umgebaut und den Erfordernissen angepasst worden. Des Weiteren wurden die Führungsstruktur sowie der Kräfte- und Mittelbedarf bis hinunter in die einzelnen Einsatzstellen vorgeplant, so dass auch ortsfremde Kräfte schnell und effektiv arbeiten können, sollten sie zum Einsatz in Magdeburg gerufen werden.

Die Landeshauptstadt Magdeburg sei sowohl organisatorisch als baulich „heute besser auf ein solches Extremhochwasser vorbereitet“, schätzt Platz ein: „An vielen neuralgischen Punkten wurde der bauliche Hochwasserschutz angepasst und verbessert, so dass dort ein operativer Einsatz von Kräften nicht mehr erforderlich ist.“ Diese könnten im Fall eines Hochwassers an anderen Stellen, an denen sie noch gebraucht werden, eingesetzt werden, informierte er weiter. Zudem könnten die Kräfte inzwischen schneller, zielgerichteter und effektiver eingesetzt werden, weil detailliert vorgeplant wurde, für welche Pegelstände an welchen Orten welche Kräfte benötigt werden würden.

Die Übung war vom Landesverwaltungsamt angeordnet worden und diente zur Überprüfung der Kommunikationswege zwischen den Stäben sowie von organisatorischen Veränderungen als Ergebnis aus der Hochwasserlage 2013.

Facebook, Twitter und Co. einbezogen

Eine solche Übung findet – mit unterschiedlichen Szenarien und Aufgabenstellungen – in jedem Jahr einmal statt. „Die Erfahrungen aus den Ernstfällen haben gezeigt, dass solche Abstimmungen entscheidend für ein effizientes und angemessenes Handeln der beteiligten Kräfte sein können“, erklärte Gert Zender, Leiter des Stabes im Landesverwaltungsamt und im zivilen Leben Abteilungsleiter für Landwirtschaft und Umwelt im Landesverwaltungsamt.

Eine erste Erkenntnis aus Sicht des Landesverwaltungsamtes ist, dass dabei „Facebook, Twitter und Co. inzwischen von allen Übenden einbezogen und genutzt“ werden. Das führt zu einer erheblichen Dynamik in den Entscheidungsprozessen und verkürzt wesentlich die Kommunikationswege. Zudem kann dadurch schnell auf Falschmeldungen reagiert werden.