Magdeburg l Damit hatte Zoochef Kai Perret absolut nicht gerechnet: Die am 1. Juni 2019 überraschend geborene Giraffe im Zoo Magdeburg ist tot. Der kleine Bulle brach am 11. Juli, kurz bevor er seine übliche Flaschenmahlzeit bekommen sollte, zusammen. Der Kreislauf hatte versagt. Der noch namenlose Bulle war von seiner Mutter Shani verschmäht worden und bekam täglich bis zu sechs Milch-Mahlzeiten von einem Tierpfleger verabreicht.

Was wir bislang zum Tod des Jungtieres wissen und wie es weitergeht:

▶ War der kleine Giraffenbulle krank?
Ja, der Giraffennachwuchs war von Geburt an ein kleines Sorgenkind, nicht nur, weil er mit der Flasche aufgezogen werden musste. Er hatte auch geschwollene Gelenke an den Vorderbeinen, bekam zunächst eine Salbe. Die Situation verbesserte sich. Dann bereiteten plötzlich die Hinterbeine Probleme. Sein Gang wirkte daher sehr steif. Vor ein paar Tagen wurde die entzündete Stelle punktiert und eine Probe im Labor untersucht. Dabei kam laut Perret heraus, dass die Ursache für die Gelenkentzündung ein seltenes Bakterium der Acetobacter-Gattung war. Es gilt als multiresistenter Keim.

Bilder

▶ Was hat der Zoo Magdeburg zur Behandlung der Krankheit unternommen?
Der kleine Giraffenbulle bekam seit einigen Tagen ein Antibiotikum. Damit konnte eine leichte Besserung erzielt werden.

Kleine Giraffe ist Handaufzucht

Magdeburg (ag) l Die kleine Giraffe im Zoo Magdeburg ist eine Handaufzucht. Jeden Tag gibt es Spezialmilch in der Flasche.

  • Bei seiner Geburt im Zoo Magdeburg wog der kleine Giraffenbulle 56 Kilogramm und war etwa 1,70 Meter groß. Foto: Anja Guse

    Bei seiner Geburt im Zoo Magdeburg wog der kleine Giraffenbulle 56 Kilogramm und war etwa 1,70 Me...

  • Tierpfleger Michael Banse hilft der kleinen Giraffe auf. Sie soll gefüttert werden, dazu muss der müde Nachwuchs aber stehen. Foto: Anja Guse

    Tierpfleger Michael Banse hilft der kleinen Giraffe auf. Sie soll gefüttert werden, dazu mus...

  • Pro Tag bekommt die kleine Giraffe sechs bis sieben Flaschen Spezialmilch mit jeweils bis zu einem Liter. Foto: Anja Guse

    Pro Tag bekommt die kleine Giraffe sechs bis sieben Flaschen Spezialmilch mit jeweils bis zu eine...

  • Abputzen muss sein. Nach der Fütterung wird die vollgesabberte Schnute der Giraffe von Tierpfleger Michael Banse abgewischt. Foto: Anja Guse

    Abputzen muss sein. Nach der Fütterung wird die vollgesabberte Schnute der Giraffe von Tierp...

  • Streicheleinheiten gibt's auch. Die Hörner der kleinen Giraffe sind noch ganz weich. Foto: Anja Guse

    Streicheleinheiten gibt's auch. Die Hörner der kleinen Giraffe sind noch ganz weich. Foto: A...

  • Die kleine Giraffe im Zoo Magdeburg wird mit der Hand aufgezogen. Mutter Shani lehnt ihren Nachwuchs ab. Foto: Anja Guse

    Die kleine Giraffe im Zoo Magdeburg wird mit der Hand aufgezogen. Mutter Shani lehnt ihren Nachwu...

▶ Ist der Keim schuld am Tod des Jungtieres?
Das steht noch nicht fest. Doch die Vermutung liegt nahe, dass der Tod in Zusammenhang mit der multifaktoriellen Erkrankung steht. Perret erklärte zudem, dass das Immunsystem des Kleinen noch nicht auf dem höchsten Level war, das Jungtier also noch immer grundgeschwächt war. Der Kleine war noch keine sechs Wochen alt. Klarheit sollen weitere Untersuchungen in der Tierärztlichen Hochschule Hannover bringen. Dorthin soll das tote Jungtier am Freitag gebracht werden.

Videos

▶ Woher kam der multiresistente Keim?
Das wissen die Zoologen und Tierärzte noch nicht. Es kann sein, dass das Jungtier den Keim schon von seiner Mutter Shani übertragen bekam. Vielleicht hat aber auch Yoda, Vater des Nachwuchses, einst den Keim mit eingeschleppt. „Das ist aber reine Theorie“, so Perret. Yoda kam 2015 aus Montpellier in Frankreich nach Magdeburg. Er starb im September 2018. Damals ging man von Kreislaufversagen nach einem Sturz aus.

▶ Shani und Zahra sollen jetzt auch auf Keime untersucht werden. Wie wird das gemacht?
Um Giraffen Blut für eine Untersuchung abzunehmen, müssten sie in Narkose gelegt werden. Das ist jedoch viel zu gefährlich für den Kreislauf der Tiere. Deshalb lehnt Perret dieses Verfahren ab. Nun informiert sich der Zoo über alternative Methoden. Eine Möglichkeit wäre der Einsatz von Blutwanzen. Die Wanzen werden auf die Giraffen gesetzt, die Wanzen saugen sich mit Blut voll und fallen ab. Dann werden sie eingesammelt und das Blut im Labor untersucht. „Diese Methode haben wir schon bei unseren Nashörnern und Tapiren getestet. Da hat es gut funktioniert“, so Perret. Die Aktion dauert etwa 30 bis 60 Minuten.

▶ Wie geht es den Giraffen Shani und Zahra?
Bei den zwei Giraffendamen scheint alles in Ordnung zu sein, erklärte Perret am Donnerstag. Bislang gebe es keinen Grund zur Sorge.

▶ Ist das Giraffenhaus für Besucher geöffnet?
Ja, Besucher des Magdeburger Zoos können nach derzeitigem Stand in das Giraffenhaus gehen.

▶ Wurde bzw. wird noch via Webcam das Geschehen im Giraffenhaus ins Internet übertragen?
Nein. Den Livestream, der auch das Jungtier zeigte, hat der Zoo vor einigen Tagen offline genommen. Perret dazu: „Wir mussten die Übertragung abstellen, auch um uns selbst zu schützen.“ Im Chat seien so viele Kommentare einer Hetzkampagne gleich veröffentlicht worden, dass der Zoo mit dem Moderieren nicht mehr hinterherkam.

▶ Beendet der Zoo Magdeburg nach den dramatischen Ereignissen seine Giraffenzucht?
Nein, so weit gehen die Überlegungen noch nicht, meinte Perret. Eigentlich sollte noch in diesem Jahr ein neuer Zuchtbulle nach Magdeburg kommen. Doch jetzt will der Zoo erst einmal zuverlässig abklären, ob die zwei Giraffendamen wirklich gesund sind.

Weitere Infos aus dem Zoo sowie Bilder und Videos gibt es hier in unserem Zoo-Dossier.