Magdeburg (vs) l Den Kaiser holte Hans-Georg Moldenhauer 2006 zur Eröffnung des neuen Stadions nach Magdeburg. Mit WM-Spielen in der heutigen MDCC-Arena, wie von einigen erträumt, klappte es trotzdem nicht. „Man muss aber auch mal was riskieren und Dinge anstreben, die unerreichbar scheinen“, sagt Moldenhauer: „So wird man überregional wahrgenommen. Neue Ideen entstehen, die Stadt entwickelt sich weiter, auch wenn es am Ende vielleicht nicht für den Titel reicht.“ Das gelte auch für Magdeburgs Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025. Also: Alles auf Angriff! Meint Moldenhauer.

Sportlich verstand er sich als Torwart freilich ganz auf das Abwehren von Chancen. Eigentlich war er bei den Fußballern – Moldenhauer spielte parallel auch Handball – bis zur Jugend im Mittelfeld gesetzt. Jedoch: „Eines Tages fehlte der Torwart. Da haben sie gesagt, da ich so groß war, ich könne doch ins Tor gehen. Das Ergebnis war, dass wir gewonnen haben, ich glaube 1:0 oder 2:0. Ich hatte ein paar Bälle offensichtlich sehr gut gehalten.“

Krankenschein kostet Olympiateilnahme

So wurde der Keeper Moldenhauer geboren, der fortan zwischend den Pfosten seine wirkliche Begabung unter Beweis stellte. „Ein Jahr später habe ich in der Stadtauswahl gespielt“, blickt er zurück, „und noch zwei Jahre später als Jugendlicher in der DDR-Auswahl.“

Noch im Juniorenalter bestritt er sein erstes Spiel in der Oberliga-Mannschaft des 1. FC Magdeburg in der höchsten Spielklasse der damaligen DDR. Seine Karriere – außergewöhnlich. Parallel zum Sport hatte Hans-Georg Moldenhauer sein Abitur gemacht.

Oberliga im Studium

„Daran schloss sich nahtlos mein Studium an der Technischen Universität im Schwermaschinen- und Anlagenbau an. Ich war also Student und habe Oberliga-Fußball gespielt“, so „Molly“. „Es gab damals keinen Profifußball, wir hatten Amateurstatus.“

Ihm selbst seien Studium und Beruf manchmal sogar wichtiger gewesen als der Fußball, gibt er zu. „Das hat mich auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1964 gekostet“, sagt er. Beim entscheidenden Testspiel der Olympiaauswahl habe er sich krank gemeldet, weil am selben Tag eine wichtige Prüfung an der Uni anstand. Als er nur drei Tage später – topfit – wieder für den FCM auflief, fand das der DDR-Auswahltrainer gar nicht lustig und strich „Molly“ für Olympia.

Vize des Deutschen Sportbunds

Der aber sagt: „Ich bin immer auch stolz auf meinen Abschluss und meinen Beruf im Sket gewesen.“ Später promovierte er zum Dr.-Ing. und wurde zum Fußballstar mit Doktortitel. Für den Job habe er aber auch seine Sportkarriere schon mit 30 beendet. „Wer weiß, vielleicht wäre ich sonst 1974 beim Europapokalsieg des FCM dabei gewesen“, grübelt er noch heute.

Doch Moldenhauers große Stunde schlug viele Jahre später. Als Fußballfunktionär und für den gesamten Sport als Vizepräsident des Deutschen Sportbundes und persönliches Mitglied im Nationalen Olympischen Komitee Deutschlands. Er war Gründungsmitglied des Landessportbundes Sachsen-Anhalts und über viele Jahre hinweg als 1. Vizepräsident maßgeblich an der Entwicklung des Sportes in Sachsen-Anhalt beteiligt.

Plötzlich fürs Amt des Präsidenten nominiert

Zur Wendezeit arbeitete er maßgeblich an einem „Magdeburger Papier“ zur Zukunft des Ostfußballs. „Dann kam die ,Bombe‘. Da ich das geschrieben und erfolgreich in Berlin beim Verband verteidigt hatte, sollte ich plötzlich für das Präsidentenamt kandidieren“, erinnert sich „Molly“. Die Abstimmung gewann er gegen einen Altfunktionär. Moldenhauers Kommentar: „Manchmal wird man etwas, wenn man es nicht werden will.“

Als letzter Präsident des DDR-Fußballverbandes trieb er mit Hochdruck die Vereinigung mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf Westseite voran, wollte zwei Systeme vereinigen, die verschiedener nicht sein konnten. Doch Moldenhauers Kurs war erfolgreich. Er wurde langjähriger Vize-Präsident des gesamtdeutschen Verbandes, leitete bis 2010 auch den Nordostdeutschen Fußballverband.

Griff nach den Sternen

Neben dem Fußball kulturell sehr interessiert, verfolgt Moldenhauer aufmerksam die Entwicklung Magdeburgs: „Von Ideen wie der Kulturhauptstadt-Bewerbung bin ich begeistert“, schwärmt er: „Es ist toll, dass Magdeburg seinen Hut in den Ring wirft.“ Und manchmal, da ist Moldenhauer überzeugt, hilft auch mal der Zufall beim Griff nach den Sternen.

„Made in Magdeburg“ ist eine Gemeinschaftsserie von Volksstimme und dem Stadtmarketingverein Pro M. Mehr gibt es auf einer eigenen Internetseite.