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Architektur

Magdeburg als Bauhaus-Metropole

Der neue Werbeslogan für Sachsen-Anhalt lautet "Bauhaus macht Schule". Zwölf der 39 Objekte im neuen Netzwerk sind in Magdeburg.

Von Martin Rieß 19.03.2018, 00:01

Magdeburg l Im vergangenen Jahr hat Sachsen-Anhalt mit dem Thema Reformation für sich geworben. Jetzt geht es um das Bauhaus, das 2019 vor 90 Jahren in Weimar gegründet wurde und mehrere Jahre in Dessau seinen Sitz hatte. Unter anderem hat Sachsen-Anhalt damit auf der ITB geworben. Daneben widmet sich die neue Landeskampagne dem Bauhaus - unter anderem mit Plakaten an den Autbahnen. Und dabei sind es nicht allein Dessau in Sachsen-Anhalt und Weimar in Thüringen, die mit neuen teuren Museen punkten wollen. Im ganzen Land zeugen zahlreiche Spuren von diesem Aufbruch in die Moderne.

Zwölf Objekte aus Magdeburg sind im Netzwerk der 39 vertreten, mit dem Sachsen-Anhalt jetzt auf das Jubiläum aufmerksam macht. Die Bau- und Kunstwerke sollen künftig stärker vermarktet werden, u. a. durch touristische Besuchsprogramme. Landeswirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD): „Mit diesen Pfunden wollen wir wuchern. Das Bauhaus hat große internationale Strahlkraft.“

Völlig neu gestaltet wurde in den 1920er Jahren der Bereich auf der Ostseite der Elbe zwischen Stern- und Hubbrücke. Die Messehallen waren im Zweiten Weltkrieg zerstört und später durch neue Hallen ersetzt worden. Neben der Stadthalle, die ein eigenes Objekt im Bauhaus-Netzwerk ist, sind bis heute die Lichtstelen, das Pferdetor und der Albinmüllerturm erhalten.

Unter anderem hatte Carl Krayl zur Theaterausstellung 1927 in der Pavillonstraße einen Werbepavillon der Volksstimme projektiert. Dieser sachliche Bau war ein Musterbeispiel für die Architektur der Moderne in Magdeburg einschließlich der damals für die Stadt Magdeburg typische, künstlerisch geprägte Tag- und Nacht-Straßenreklame. Das Hochbauamt hatte damals sogar eine eigene Stadtwerbeabteilung.

In Rekordzeit wurde die Stadthalle am Heinrich-Heine-Platz zur Deutschen Theaterausstellung hochgezogen. Auch sie wurde im Krieg schwer beschädigt und ist in den 1950er Jahren wieder aufgebaut worden.

Fragen des Denkmalschutzes spielen bei der ab 2019 geplanten Sanierung des nach Plänen der Architekten Johannes Göderitz und Wilhelm Deffke errichteten Gebäudes eine wichtige Rolle. Die Sanierung soll rund 70 Millionen Euro kosten.

Von 1924 bis 1932 wurde die heutige Hermann-Beims-Siedlung nach Plänen von Konrad Rühl, Gerhard Gauger, Adolf Otto und Willy Zabel errichtet. Sie war die erste Großsiedlung im Rahmen des Generalsiedlungsplans von Taut, die dem sozialen Wohnungsbau verschrieben war.

Von 5000 geplanten wurden damals rund 2000 Wohnungen gebaut. Der historische Wohnungsbestand befindet sich im Eigentum der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg, die in diesem Jahr für ihre Sanierung für den Deutschen Bauherrenpreis nominiert war.

Die damalige Wohnanlage Westerhüser Straße gilt als Beispiel Krayl’scher Farbgestaltung ganzer Straßenzüge aus dem Jahr 1922. Ziel der Magdeburger Architekten war, mit Farbe auch bereits bestehenden Fassaden ein neues Erscheinungsbild zu geben.

Neben Carl Krayl war Bruno Taut treibende Kraft hinter dieser Bewegung. Insbesondere Krayl hatte viel Energie aufgewendet, um Eigentümer von Häusern zu deren farbiger Gestaltung zu überreden.

Mit dem Schiffsfahrstuhl zwischen Elbe und Mittellandkanal wird im Norden der Stadt ein Höhenunterschied von rund 16 Metern überwunden. Mit dem Schiffshebewerk ist auch ein Ingenieurbauwerk im Netzwerk des Bauhauses vertreten. Dabei wurde es aber erst 1938 in Betrieb genommen – lange, nach dem Ende des von den Nationalsozialisten betriebenen Endes der Bauhausbewegung.

Robin Baake ist Sprecher im Wirtschaftministerium und erläutert: „Die Zeit der ,Moderne‘ lässt sich nicht ganz messerscharf in Jahreszahlen abgrenzen.“ Man habe sich daher auf die Jahre von 1915 bis in die 1930er Jahre konzentriert. „Entscheidend war nicht das abschließende Datum, sondern die Einordnung des Bauwerks in der zeitlichen Entwicklung. Wichtig ist, dass alle Bauwerke einer Vorstellung des Aufbruchs der Moderne entspringen. Und das ist auch beim Schiffshebewerk definitiv der Fall.“

Neben der Beamtensiedlung fasste ab dem Jahr 1911 in Reform der Gedanke der Gartenstadt Fuß: Es wurden im Laufe der Jahre vor allem Reihenhäuser mit Garten errichtet. Carl Krayl war in der Zeit (1921 - 1923) von Bruno Taut als Stadtbaurat in Reform verantwortlich für die Farbgestaltung der Wohnbauten Bunter Weg, Birnenweg, Zur Siedlung Reform und Brenneckestraße. Crayl lebte mit seiner Familie in dem Viertel und hatte hier auch einen Wohnblock im Resedaweg geplant.

Nach und nach wird der Bestand im Eigentum der Genossenschaft GWG Reform saniert. Bis heute handelt es sich um ein beliebtes Viertel in Magdeburg.

Die Allgemeine Ortskrankenkasse in der Lüneburger Straße 4 wurde von Carl Krayl und Maximilian Worm entworfen. Gebaut wurde das Haus in einem spätexpressionistischen Stil. Noch nach der Wende waren weite Teile der historischen Innengestaltung beseitigt worden.

Im Magdeburger Denkmalverzeichnis ist von einer fulminanten siebengeschoßigen Schaufront zur Lüneburger Straße die Rede, die mit edler braun-violetter Klinker-Verblendfassade mit expressionistischen Stilelementen stark vertikal durch strebepfeilerartige über Eck gestellte Wandvorlagen geprägt sei.

Die Großwohnsiedlung wurde im Wesentlichen in den Jahren 1930 bis 1933 gebaut. Ergänzungen gab es bis 1939 und nach 1945. Die Planungen stammen von Carl Krayl, Johannes Göderitz und Paul Wahlmann.

Gebaut wurde eine halboffene Blockrandbebauung. Die Häuser verfügen u. a. über bandartig gereihte Fenster, Loggien und Balkone.

Die Ausstellungs- und Mehrzweckhalle Land und Stadt, die heutige Hermann-Gieseler-Halle wurde als Markthalle gebaut. Sie ist das einzige Gebäude in Magdeburg, das nach den Plänen von Bruno Taut gebaut wurde. Markant sind die geschwungenen Bögen, die das Dach bilden und zusammen mit einem derzeit nicht vorhandenen Oberlicht für einen besonderen Raumeindruck sorgen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude, das 1922 gebaut wurde, als Sporthalle genutzt.

In den kommenden Jahren sollen die Sportler hier ausziehen, und ein privater Investor soll das Gebäude erhalten. Stadtverwaltung und die Mehrheit des Stadtrats hatten sich gegen eine weitere Nutzung des Hauses als Sportstätte ausgesprochen, da die Sanierung nach den Schätzungen von vor fünf Jahren mit mindestens 20 Millionen Euro zu Buche geschlagen hätte. Die Entschiedung sorgt für Diskussionen.

Der Bildhauer Ernst Barlach hatte die Holzplastik Magdeburger Ehrenmal in den Jahren 1924 bis 1929 geschaffen. Während der Zeit des Nationalsozialismus entsprach die Darstellung des Leids im Krieg nicht der Staatsdoktrin.

Bei einem Privatmann überdauerte das Kunstwerk den Zweiten Weltkrieg. Es kehrte 1955 in den Magdeburger Dom zurück.

Das Freidenkerdenkmal aus dem Jahr 1930, wurde im Jahr 2017 grundsaniert durch das Architekturbüro Thomas Krayl. Das Denkmal entstand nach Plänen von Carl Krayl auf Initiative des Vereins der Freidenker für Feuerbestattung.

Ein weiteres Denkmal wurde sechs Jahre zuvor errichtet. Auch dieses stammt von Carl Krayl.

Das Oli-Kino in der Olvenstedter Straße 25 ist das Gebäude der Magdeburger Moderne mit der längsten Zeit zwischen Baubeginn und Fertigstellung. Die ursprünglichen Pläne von Carl Krayl durften nämlich Mitte der 1930er Jahre nicht mehr umgesetzt werden. Statt einem Flachdach bekam das Gebäude ein Schrägdach. Daran änderte sich auch in den folgenden Jahrzehnten nichts mehr. Nachdem das Kino nach seiner Schließung leer stand, kaufte Wolfgang Heckmann das Gebäude und ließ es entsprechend den ursprünglichen Plänen umbauen. Das war im Jahr 2015.