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Magdeburg ist internationalMit Video: Wie ein deutsch-polnischer Magdeburger die Elbestadt sieht

Mehr Deutscher oder mehr Pole - für Krzysztof Blau ist die Frage gar nicht so leicht zu beantworten. Klar dagegen: Er fühlt sich in Magdeburg wohl.

Von vs Aktualisiert: 19.07.2023, 08:42
Krzysztof Blau ist Geschäftsführer der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt in Magdeburg und ehrenamtlich Integrationsbeauftragter der Stadt Magdeburg.
Krzysztof Blau ist Geschäftsführer der Auslandsgesellschaft Sachsen-Anhalt in Magdeburg und ehrenamtlich Integrationsbeauftragter der Stadt Magdeburg. Foto: Pro M

Magdeburg - Krzysztof Blau weiß, wovon er sprich, wenn er über Zuwanderung und Migration redet. Er ist Geschäftsführer der Auslandsgesellschaft in Sachsen-Anhalt e. V. Darüber hinaus ist er Integrationsbeauftragter der Landeshauptstadt Magdeburg und Vorsitzender des Beirates für Integration und Migration.

 
(Quelle: Pro M Magdeburg)

Sofort Freunde in Magdeburg gefunden

Dabei hat der gebürtige Pole aus Bytom nahe Katowice eine ganz eigene Zuwanderungsgeschichte: 1981 kam er - noch nicht volljährig - mit seiner Mutter nach Magdeburg, die hier ihr Herz verloren hatte. „Ich bin also auch ein eingefleischter DDR-Magdeburger, der die Transformation der Wende und alles was dazugehört, miterlebt hat“, berichtet Krzysztof Blau.

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Er kam in die achte Klasse, habe sofort Freunde gefunden und sich von Anfang an aufgenommen gefühlt: „Ich hatte nie das Empfinden, hier nicht gewollt zu sein. Heute sagt man dazu Willkommenskultur.“ Und genau das möchte Krzysztof Blau den Menschen, die aus anderen Ländern nach Magdeburg kommen, im Rahmen seiner beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeit vermitteln. Dabei nimmt das Einewelthaus Magdeburg, dessen Trägerin die Auslandsgesellschaft AGSA in Sachsen-Anhalt ist, eine maßgebliche Rolle ein.

Das Einewelthaus ist ein Ort des interkulturellen Begegnens, Arbeitens und Netzwerkens mit landesweiter Ausstrahlung. Hier trifft man Menschen aus der ganzen Welt. Für Krzysztof Blau ist dieses Haus, in dem die Menschen Hilfe und Unterstützung erfahren „eine wirkliche Perle“. Viele kommen, weil sie immer jemanden zum Reden finden - in ihrer Sprache, im Verständnis zu ihrer Kultur. Es werden Beratungen und Sprachkurse angeboten.

18 Prozent haben Migrationshintergrund

Ob die Zuwanderung in den 1990er Jahren, die Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan 2015 oder die Menschen, die 2022 aus der Ukraine in die Landeshauptstadt kamen - im Laufe dieser unterschiedlichen Krisenzeiten bildet sich in diesem Haus die Zuwanderungsgeschichte der Bundesrepublik nach der Wendezeit ab.

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Heute sprechen wir von 18 Prozent der Magdeburger Bevölkerung mit Migrationshintergrund, vor 15 Jahren waren es 2 bis 3 Prozent. Abgesehen von der wirtschaftlichen, städtebaulichen und kulturellen Entwicklung hat sich allein dadurch die Landeshauptstadt insgesamt, das Leben in Magdeburg und die Internationalität der Stadt in kürzester Zeit enorm verändert. „Eine große Herausforderung“, weiß der AGSA-Geschäftsführer und sagt weiter: „Das heißt, fast jeder fünfte Magdeburger hat einen Migrationshintergrund. Das ist eine Größenordnung, die etwas aussagt.

Und Magdeburg stellt sich dieser dynamischen Entwicklung seit Jahren.“ In seinem Ehrenamt als Integrationsbeauftragter der Landeshauptstadt verbunden mit dem Vorsitz des Beirates für Integration und Migration sieht Krzysztof Blau eine Brückenfunktion zwischen Mensch und Verwaltung.

Bei ihm auf dem Schreibtisch landen die schwierigen Fälle, in denen es um das Aufenthaltsrecht geht, Fälle, die schon Notfälle darstellen. Blau: „Ich mache meine Aufgabe gern und sehe mein Tun darin, zu moderieren zwischen den Hilfesuchenden und den Behörden und Institutionen. Denn ich weiß, wie wichtig das für die Menschen ist.“

Selbst erlebt: Kein Recht auf Bleiben und Arbeit

Er selbst habe in der Wendezeit eine sehr unsichere Phase erleben müssen, da er nach fast zehn Jahren auf einmal in einer neuen Stadt mit einem neuen Rechtssystem lebte, wo er als Pole kein Aufenthaltsrecht und kein Arbeitsrecht besaß: „Das waren Monate, die ich nicht vergesse und daher weiß ich auch, wie sich die Menschen fühlen, die zu uns in das Einewelthaus kommen.“

Der Wahl-Magdeburger ist seit einigen Jahren deutscher Staatsbürger und hat somit die doppelte Staatsbürgerschaft. „Ich fühle mich gut damit, und wenn Polen gegen Deutschland spielt, je nachdem in welcher Sportart, bin ich immer für den Schwächeren.“

Seit mehr als 40 Jahren an der Elbe

Nun lebt Krzysztof Blau bereits seit mehr als 40 Jahren in der Stadt an der Elbe und sagt heute: „Aus meiner Wahrnehmung heraus hat Magdeburg gemessen daran, was die Stadt in der kurzen, von enormen Veränderungsprozessen geprägten Zeit geschaffen hat, eine Spezifik, die man durchaus als weltoffen bezeichnen kann.“