Magdeburg l Ein ganz normaler Tag im Leben von Lothar Schirmer: Live-Sendung, Podiumsdiskussion, Buchlesung – der 67-Jährige sprudelt vor Energie. Berichtet der Kriminalpolizist im Ruhestand vormittags noch über die neuesten Maschen der Betrüger im Fernsehstudio, trifft man ihn nur wenig später in der Magdeburger Universität. Es ist der internationale Tag für Toleranz und der Magdeburger Verein Toleranz lernen und leben (Toll) hat Aktionen vorbereitet. Als Gründungsmitglied ist Schirmer selbstverständlich dabei. Am Abend liest er aus seinem gerade erschienenen Buch. In „Die Tricks der Gauner und Ganoven“ erzählt er 199 authentische Kriminalfälle – rein gar nicht belehrend, sondern kurzweilig und mit einem „Augenzwinkern“.

Andere vor Tricks bewahren

Da ist unter anderem die „attraktive Mittdreißigerin mit langem schwarzen Haar“, die ihren Opfern etwas von einer dringend notwendigen Operation für ihr Kind vorgaukelt und deren Hilfsbereitschaft gemein ausnutzt. Wenn der Kripo-Mann über solche dreisten Maschen spricht, gestikuliert er wild und reißt die Zuhörer mit. „Wenn ich mich einer Aufgabe widme, dann richtig“, sagt Lothar Schirmer. Und zur Aufgabe hat er sich gemacht: andere vor den Tricks bewahren! Dass trotzdem hin und wieder jemand auf Verbrecher reinfällt, die zum Beispiel mit dem „Enkel-Trick“ Tausende Euro abkassieren, frustriert ihn nicht, sondern treibt ihn noch mehr an. „Es sind immer neue Geschichten, die sich die Betrüger einfallen lassen, sie geben sich zum Beispiel als Staatsanwälte aus und fordern das Geld, damit der Enkel nicht in Haft muss“, erklärt Schirmer und weiß aus Erfahrung: „Jedem, dem das passiert, der wird so aus der Bahn geworfen und kann nicht mehr rational denken.“

Wie man am besten in solchen Grenzsituationen handeln sollte oder erst gar nicht hinein gerät, verrät Lothar Schirmer nicht nur in Funk und Fernsehen, sondern auch wenn er mit den Senioren-Sicherheitsberatern auf Vorträgen unterwegs ist. Als sich Lothar Schirmer Ende der 60er-Jahre für den Job als Kriminalpolizist entscheidet, ahnt er nichts davon, dass er Jahre später regelmäßig auf der Straße erkannt, gegrüßt und um Hilfe in puncto Betrügereien gebeten wird.

Im Revier, im Buch und in den Medien

Eigentlich will Lothar Schirmer nach dem Abitur Lehrer werden. Doch 18 Monate Grundwehrdienst und die DDR-Krimiserie „Blaulicht“ kommen dazwischen. Schirmer: „Ich war beeindruckt, wie die Ermittler mit ihrem Wartburg-Kombi übers Land gerauscht sind.“ Als Kriminalassistent beginnt er 1970 im Revier am Hasselbachplatz. Später folgt der Wechsel in den Kriminaldauerdienst und schon da wird ihm bewusst, wie wichtig Aufklärung ist. „Wir waren immer als Erste am Tatort und die Betroffenen wollten wissen, wie sie sich vor Verbrechen schützen können.“ Schirmer hält seinen ersten Vortrag mit Dias und Kasettenrecorder.

Nach der Wende fällt im Revier erstmals das Wort Kripo-Beratungsstelle. Der damals 40-Jährige ist Feuer und Flamme, baut mit einem Kollegen die Beratungsstelle auf. Mehrmals die Woche geht der Polizist in den 90er-Jahren mit Beiträgen zum aktuellen Kriminalitätsgeschehen im Radio auf Sendung. Er ist regelmäßig Gast in der Fahndungssendung „Kripo live“, gestaltet Beiträge für das MDR-Mittagsmagazin und ist als Experte in Sendungen wie „Akte“ eingeladen.

Ruhiger wird es nicht

Vor sieben Jahren geht Lothar Schirmer als Kriminalrat in den Ruhestand. Doch ruhiger wird es nicht. Aktuell ist er für den MDR in der Reihe „Tatort Sachsen-Anhalt“ unterwegs, plaudert in der Zwickmühlen-Talk-reihe „Mit Schirmer, Charme und Melone“ mit Prominenten und schreibt eine Ratgeber-Kolumne für die Volksstimme.

Wird Lothar Schirmer nach seinem wichtigsten Tipp gefragt, kommt die Antwort prompt: „Hören Sie immer auf Ihr Bauchgefühl! Kommt Ihnen etwas komisch vor, weihen Sie sofort andere ein.“

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