Magdeburg l Kann man den Menschen trauen? Fuchs und Wolf sind sich nicht einig. Doch als sie einige der Geschichten von Kindern und Jugendlichen hören, die aus ihrer Heimat geflüchtet und nach Magdeburg gekommen sind, wird schnell klar: Nein, vielen Menschen sollte man nicht trauen.

Projekt mit Studenten und Flüchtlingen

Die Szene stammt aus dem Stück „Wir sind wir“, das gemeinsam mit Magdeburger Studenten und den jungen Flüchtlingen im Sommer 2017 von der kubanischen Regisseurin Xiomara Calderón Arteaga auf die Bühne der Festung Mark gebracht worden war. Hinter dem Vorhaben steht Jana Richter als Theaterproduzentin.

Begonnen hat die Geschichte ums Theater mit dem Film. Grund: Nach dem Studium zur Grafikdesignerin hat sich Jana Richter in Kassel zum Studium von Film und Fernsehen u. a. bei Yana Drouz und David Safarian eingeschrieben. Leben kann man von dieser Arbeit nicht, sagt die 39-Jährige. Vielmehr leitet sie jetzt die Medienwerkstatt der Otto-von-Guericke-Universität.

Magdeburgerin bleibt dem Filmen treu

Dem Filmen ist sie aber dennoch treu geblieben. In ihrer Freizeit hat sie zum Teil über Monate in anderen Ländern gelebt, hat den Alltag der Menschen beobachtet. Es sind dabei Filme aus dem Leben von Gauchos in Argentinien, vom Leben in Berg Karabach oder in einer mongolischen Jurte entstanden. Und eben auch ein Film über kubanische Theaterleute mit der Regisseurin Xiomara Calderón Arteaga.

Von deren Arbeit war die Magdeburgerin, die zu dieser Zeit nicht in ihrer Heimatstadt lebte, fasziniert. Dermaßen, dass sie ihr vorschlug, ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen.

Kontakt nach Magdeburg blieb

Dass dieses in Magdeburg über die Bühne ging, ist kein Zufall: Den Kontakt in die Stadt hat sie dank ihrer Eltern Gerhard und Karin und ihrer Schwester Grit nie verloren. Und in Magdeburg bot sich im Jahr 2015 mit der Unterstützung von Karsten Steinmetz vom Kulturanker die Gelegenheit, das frühere Gefängnis beim Festival „Sinnlichkeit“ als Aufführungsstätte zu nutzen. Damals hatten Magdeburger Schüler mit Kubanern ein Kinderbuch interpretiert.

„Die Theaterproduktion hat mich seitdem nicht mehr losgelassen“, sagt Jana Richter. In diesem Jahr hat sie also mit Studenten und den Kindern und Jugendlichen aus den Flüchtlingsunterkünften ein Stück auf die Bühne gebracht, in dem diese die Geschichten ihres Lebens erzählen. Tod und Verfolgung, Flucht und Vertreibung spielen da neben den Themen eine Rolle, die auch zum Alltag Heranwachsender in Magdeburg gehören.

Kinder gehen ungezwungen an Themen ran

Jana Richter sagt: „Das Schöne an der Arbeit mit den Kindern ist, dass sie sehr ungezwungen an die Themen herangehen.“ Und das habe sie als Organisatorin des Projekts immer wieder überrascht. „Wir gehen mit einem Bild im Kopf, wie das Stück einmal aussehen könnte, an die Arbeit. Doch mit den Ideen und Erfahrungen der anderen kommt am Ende etwas ganz anderes dabei heraus.“ Wenn die verschiedenen Vorstellungen von dem neuen Stück zu einem gemeinsamen Auftritt verwoben werden, dann sei das ein magischer Moment – für alle Beteiligten und im besten Fall auch für die Zuschauer.

Die Idee, die Erfahrungen und Erlebnisse der Kinder und Jugendlichen auf der Bühne zu zeigen, ist offenbar sehr gut angekommen: Ursprünglich waren drei Vorstellungen in der Festung Mark geplant. Am Ende waren es sieben Auftritte, die das Publikum auf die von Fuchs und Wolf begleitete Reise nach Afrika, Südeuropa und Asien mitnahmen.

Mit neuem Projekt an Erfolg anknüpfen

Mit einem neuen Theaterprojekt möchte Jana Richter derweil an den Erfolg des Jahres 2017 auch im Jahr 2018 anknüpfen. Eingebunden werden sollen wieder Kinder und Jugendliche, aber auch Studenten. Gefragt sind dabei Einheimische wie Flüchtlinge.

Hier können Sie über den "Magdeburger des Jahres 2017" abstimmen.