Magdeburg l Mit dem Musiker Marco Reiß und dem Musikwissenschaftler Dr. Carsten Lange trafen zwei Männer aufeinander, die mit Leidenschaft für ihre Profession brennen: die Musik. Und genau das war auch der Grund für den großen Erfolg der Telemania 2017.

Ungewöhnliche Angebote

Marco Reiß, der Orchestermusiker und „Frontmann“ des bekannten Rossini-Quartetts, weiß genau, wie ein Publikum funktioniert und dass man es gewinnen und begeistern muss, soll eine Sache Erfolg haben. „Ich wollte mit der Telemania so viele Magdeburger wie möglich erreichen und vor allem auch für Telemann und seine Musik begeistern“, sagt Marco Reiß. „Und dabei sollte man immer auch versuchen, unkonventionelle Wege zu gehen.“ „Telemann in der Straßenbahn“, „Telemann im Fußballstadion des 1. FCM“ und vieles mehr waren solche unkonventionellen Aktionen, die Marco Reiß als Intendant der Telemania mit auf das Programm gebracht hat.

100 Veranstaltungen, über 15.000 Besuche

Carsten Lange, der Musikwissenschaftler und Leiter des Zentrums für Telemann-Pflege und -Forschung Magdeburg, ist darauf bedacht, die wissenschaftliche Sicht auf den großen musikalischen Sohn der Stadt dem Publikum näherzubringen. „Es war auch ein Versuch, den Menschen über Telemann das Lebensgefühl des 18. Jahrhunderts zu vermitteln“, sagt Carsten Lange. Für ihn sind die großen Telemann-Konzerte, etwa mit dem berühmten Trompeter Ludwig Güttler, wichtig. Auch Workshops und Vorträge gehen auf seine Initiative zurück. „Für mich war es der Anspruch, möglichst die ganze Bandbreite von Telemanns Musik und deren Wirkung zu zeigen. Und auch den respektvollen Umgang damit.“

Mit diesen beiden Grundeinstellungen haben sich Marco Reiß und Carsten Lange dann nicht etwa gegenseitig bei der Organisation der Telemania ausgebremst, sondern auf sehr erfolgreiche Weise ergänzt. Innerhalb nur eines halben Jahres gelingt es ihnen, nicht nur das Rathaus der Stadt von ihrem Vorhaben zu überzeugen, sondern auch viele Partner zu finden. „Am Anfang mussten wir noch viele Überzeugungsgespräche führen, aber dann hat das Projekt so eine starke Eigendynamik entwickelt, von der wir überrascht waren“, erinnert sich Marco Reiß. „Wir hatten schon einige Jahre das Projekt ,Telemania‘ im Kopf und hatten auch immer mal wieder darüber gesprochen. Mit dem 250. Todestag gab es dann aber einen echten konkreten Anlass, und wir haben gedacht: Das ist es, jetzt müssen wir anfangen“, sagt Carsten Lange.

Magdeburg entdeckt seinen großen Sohn wi

100 verschiedene Veranstaltungsangebote stehen am Ende der Planungen auf dem Programm der Telemania. Magdeburger Schauspieler, Regiesseure, Sportler, Theater-Chefs, viele Musikerinnen und Musiker, Schulen und Kindergärten, Stadtteilzentren, öffentliche Einrichtungen, Museen und Kirchen können für Telemann begeistert werden und es gibt kaum einen Konzertsaal, in dem in diesem Sommer nichts von Telemann zu hören ist. Telemann klassisch, Telemann im Jazz, Telemann und die Pop-Musik, auch eine Telemann-Flussfahrt nach Hamburg war im Angebot. Und in der Hauptbahnhofshalle begrüßt ein großes Telemania-Plakat die Reisenden aus aller Welt.

15.000 Besucher

Am Ende haben über 15.000 Besucher die Telemania 2017 besucht. „Und wir haben dabei festgestellt, dass auch viele Menschen in die Veranstaltungen gekommen sind, die mit klassischer Musik nicht ganz so viel verbindet“, sagt Carsten Lange. „Sie wollten einfach nur mal wissen, wie Magdeburg und Georg Philipp Telemann zusammengehören.“ Viele Magdeburger haben „ihren“ großen Sohn der Stadt so wieder oder wieder neu entdeckt.

Und auch einen nachhaltigen Effekt hat die Telemania von Marco Reiß und Carsten Lange: Der Stadtrat hat kürzlich beschlossen, dass die Telemann-Festspiele jährlich veranstaltet werden sollen und dass es zukünftig ein Festivalbüro mit personeller Ausstattung geben soll.

Zur Abstimmung

Hier können Sie über den "Magdeburger des Jahres 2017" abstimmen.