Magdeburg l Dass sie Friseurin werden will, stand für Barbara Psoch schon in jungen Jahren fest. „Auf dem Schulweg kam ich am Hasselbachplatz immer am Salon von Richard Hund vorbei“, erinnert sie sich. Sein Schaufenster habe so eine „schöne Welt“ gezeigt, dass schon für das zwölfjährige Mädchen klar war, dass sie später einmal Teil davon werden will.

Dabei hatte ihr der Lehrer geraten: „Barbara, du musst auch Lehrerin werden.“ Doch nach dem Abschluss wollte sie mit der Schule erstmals nichts mehr zu tun haben – nicht ahnend, dass der Pädagoge mit seinem Rat doch recht behalten sollte. So begann sie mit 16 Jahren eine Ausbildung zur Friseurin im Salon „Marina“ auf dem Werder. Mit 22 Jahren war sie bereits Meisterin ihres Fachs. Schon währenddessen hatte sie sich Wissen um Methodik und Didaktik angeeignet. In einem Salon der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) in Buckau war sie bald für die Ausbildung von zwölf Lehrlingen zuständig.

Schließlich wurde sie gefragt, ob sie von der Praxis in die Theorie wechseln wolle. So kam es, dass sie von 1977 an über 30 Jahre in der Berufsschule am Krökentor zukünftige Friseure unterrichtete. Schon damals wurde unwissentlich der Grundstein für das heutige Friseurmuseum gelegt. „Ich wollte meinen Schülerinnen die Geräte zeigen, von denen ich sprach“, erzählt sie. Also sammelte sie alle Werkzeuge, die sie finden konnte. Ihr Klassenraum habe damals schon einem Museum geglichen, sagt Barbara Psoch.

Idee reifte ab 2006

Bereits 2006 begann die Idee für ein echtes Friseurmuseum für Magdeburg zu reifen. Gemeinsam mit Hella und Steven Bittmann vom gleichnamigen Salon in Stadtfeld wurde der Plan dazu gefasst. Schließlich gründete sich kurz nach ihrem Eintritt in den Ruhestand der Haar-Verband e. V., der die neue Einrichtung tragen sollte.

Ein Jahr später, am 28. Mai 2009, konnte das Museum in der Walbecker Sraße erstmals seine Türen öffnen. Schon zwei Jahre später musste die Ausstellungsfläche auf über 140 Quadratmeter vergrößert werden. Denn die Idee entwickelte sich zum Selbstläufer. Viele Leute kamen und brachten ihre alten Erinnerungsstücke an längst vergessene Salons mit, damit sie dort einen würdigen Platz erhalten.

Wie viele Exponate es mittlerweile gibt, vermag Barbara Psoch gar nicht so genau sagen. Zu jedem kann sie aber eine Geschichte erzählen. Die Prunkstücke sind ein Barbiertisch aus Paris oder die selbst aufgebaute Perückenmacherwerkstatt.

Gedenktafel der Innung

Stadthistorisch bedeutsam ist eine Gedenktafel aus Echthaar mit dem Magdeburger Wappen, die die Friseurinnung 1913 zu ihrem 200-jährigen Bestehen in der alten Technik des Tamburierens anfertigen ließ. Der Nachfahre eines der Unterzeichner stand schon bei ihr im Museum.

Ob Bubikopf, Lockenwickel-Apparat oder ein Rokoko-Schiff auf dem Haar – in jeder Ecke findet sich ein Exponat, das den faszinierten Blick des Besuchers festhält. 2000 von ihnen finden jedes Jahr den Weg in das kleine Museum in der Beimssiedlung, das nur einmal in der Woche regulär geöffnet hat. An allen anderen Tagen genügt ein Anruf und Barbara Psoch führt persönlich durch die Ausstellung, die für Ältere wie Jüngere gleichermaßen spannend ist. Die einen erinnern sich an frühere Zeiten, die anderen staunen über manch Technik oder Apparatur.

Große Unterstützung seien die freiwilligen Helfer, die regelmäßig ehrenamtlich Zeit und Arbeitskraft in den Betrieb der Einrichtung investieren. „Ich hätte nie gedacht, dass sich auch andere Menschen hier einbringen würden. Der Gemeinschaftssinn ist eine kostbare Sache“, sagt die Museumschefin. Die Freiwilligen-agentur und das Kulturbüro der Stadt seien dabei wichtige Partner, betont sie.

Engagiert für Heimatstadt

Auch abseits der Frisierkunst hat sich Barbara Psoch für ihre Heimatstadt eingesetzt. „Ich engagierte mich bei der Initiative Freier Domblick, war Fahrradwächterin beim Elbehochwasser 2002 und habe mich bei der Neugestaltung des Beimsplatzes eingebracht, zählt sie auf.“ „Das Leben ist ein Flechtwerk“, sagt die 70-Jährige, die ihr Leben lang für ihr Handwerk brennt und bis heute den Großteil ihrer Zeit für die Bewahrung dessen Tradition aufbringt. „Zukunft ist Herkunft“, habe eine Museumsbesucherin mal gesagt. Den Spruch mache sie sich zu eigen, sagt sie. „Die vergangenen zwölf Jahre waren ein ganz schöner Marathon“, blickt sie zurück. „Das Friseurmuseum ist ein Stück meines Lebens geworden.“ Missen möchte sie es nicht.

Alle Informationen rund um die Wahl finden Sie hier in unserem Dossier.

Hier geht es direkt zur Abstimmung.