Magdeburg l Relativ unscheinbar fristet der Aufsteller im Dom sein Dasein. An der Nordwand kündet er jedoch von einem kühnen Projekt: Der Dom soll mit zwölf Glocken ausgestattet werden. Derzeit verfügt er gerade mal über drei läutbare Glocken. Die reparaturbedürftige Sonntagsglocke des Domes („Dominica“) steht seit über zehn Jahren nicht zur Verfügung. Eine starr aufgehängte Uhrschlagglocke („Schelle“) zählt nicht zum eigentlichen Domgeläut.

Hintergrund: Das aktuelle und seit Jahrhunderten bestehende Geläut ist sanierungsbedürftig und entspricht nicht der Bedeutung des Domes. Dafür braucht es zwölf Glocken. Sie sollen u. a. die zwölf Apostel als Träger des christlichen Glaubens symbolisieren. Ein Wunsch vieler Kirchgänger.

Unterstützung von allen Seiten zugesagt

Auch der Gemeindekirchenrat mit Stephen Gerhard Stehli als Vorsitzender unterstützt das Projekt „Generalsanierung des Domgeläuts“ ebenso wie Domprediger a. D. Giselher Quast.

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Grundsätzlich steht dem Projekt auch nichts mehr entgegen, wären da nicht Finanzierung und Statik zu klären. Denn sowohl die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt (ehemals Stiftung Dome und Schlösser) als Eigentümerin, als auch die Denkmalschützer sowie die Domgemeinde samt Förderverein stehen dem Projekt aufgeschlossen gegenüber, für das nach vorsichtigen Schätzungen um die zwei Millionen Euro aufgebracht werden müssen. Entsprechend aufwändig sind die Planungen. Die haben nun einen weiteren Schritt mit einem Schwingungsgutachten hinter sich. Denn neben der Finanzfrage ist offen, ob und wie der Dom die teils tonnenschweren Glocken überhaupt verträgt.

Der Südturm gleicht einem hohlen Zahn

Die umfangreiche Analyse, die dieser Tage vorgelegt wurde, lässt erahnen, wie schwierig der Weg zu einem Geläut aus zwölf Glocken werden dürfte. Das Ergebnis: Vor allem der Südturm, in den sieben der acht Glocken, darunter eine neue 14 Tonnen schwere Reformationsglocke, gehängt werden sollen, macht Probleme. Er ist bisher glockenfrei und so etwas wie ein „hohler Zahn“. Der Turm ist innen praktisch nicht ausgebaut, anders als sein Pendant nebenan. Wären nicht ein paar Zwischenböden drin, könnte man von unten bis in die Turmspitze blicken. Für Glocken ist er jedenfalls mindestens 400 Jahre lang nicht genutzt worden. Alle Beteiligten wollen deshalb gemeinsam das Gutachten analysieren und prüfen, wie es weiter gehen kann.

Zu den statischen Fragen kommen die finanziellen. Von den zwei Millionen Euro als vorsichtige Schätzung entfällt nur rund ein Drittel auf die Herstellung von acht der neuen Glocken und die Reparatur der mittelalterlichen alten, aber nicht läutbaren Sonntagsglocke (Dominica) des Domes. Der übergroße Anteil geht dagegen für Turmbaumaßnahmen und den Ein- und Ausbau der Glockenstühle drauf.

Einen Zeitplan gibt es noch nicht

Martin Groß von der Domgemeinde, der als ein Kämpfer für die Generalsanierung gilt und sogar das Gutachten aus privater Taschen mit vorfinanziert hat, lässt sich davon aber nicht unterkriegen: „Ja, es ist ein ehrgeiziges und aufwändiges Projekt. Aber ich bin mir sicher, dass wir es vor allem auch mit der Hilfe der ihren Dom liebenden Magdeburger alle schaffen können.“

Bei der Finanzierung geht er davon aus, dass rund die Hälfte der zwei Millionen Euro aus Eigenmitteln und Spenden aufgebracht werden muss, um den anderen Teil aus Fördermitteln und Zuwendungen wie Lotterien beantragen zu können. Einen Zeitplan gibt es deshalb noch nicht.

Aber das ernsthafte Ansinnen aller Dom-Beteiligten steht. Die erste gotische Kathedrale auf deutschem Boden soll ein ihr würdiges Läutwerk erhalten.

Wer jetzt schon helfen will, kann das ganz einfach tun. Am unscheinbaren Aufsteller im Dom gibt es eine kleine Spendenglocke. Wer sie füttert, wird mit einem klaren Glockenton belohnt.