Alte Elbe

Magdeburger Kanuten sitzen auf dem Trockenen

Bei den Wassersportlern vom Kanu-Klub Börde in Magdeburg herrscht Ebbe. Die Alte Elbe versandet immer mehr.

Von Ivar Lüthe 07.09.2019, 01:01

Magdeburg l 100 Jahre Vereinsgeschichte können die Börde-Kanuten am heutigen Sonnabend, 7. September,  feiern. Doch die Freude über das Jubiläum ist arg getrübt. Seit etwa drei Jahren haben die Wassersportler verstärkt mit der zunehmenden Versandung der Alten Elbe zu kämpfen. Ihr Trainingsgewässer vor dem Bootshaus ist kaum noch vorhanden. Der Steg, über den sie normalerweise in die Alte Elbe einsetzen, ist gesperrt, liegt einige Meter tief unten traurig im Sand.

Um überhaupt ins Wasser zu kommen, müssen die Kinder und Jugendlichen des Klubs ihre Boote huckepack nehmen, die steile Böschung hinunter und etliche Meter weit über trockenen Elbkies laufen. Eine Rinne ist bloß noch da, über die sie mit ihren Booten bis zur Stromelbe paddeln können.

Schon zwei Mal haben die Wassersportler bereits zur Eigeninitiative gegriffen und in Abstimmung mit den Behörden sich selbst eine kleine Fahrrinne freibaggern lassen. Zuletzt war das vor wenigen Wochen der Fall gewesen. Mehrere Tausend Euro hat der Verein dafür aus eigener Tasche bezahlt. „Aber das kann so nicht weitergehen. Das ist für einen Verein auf Dauer nicht leistbar“, sagt Klub-Vorsitzender Raiko Fröhlich.

Ähnlich wie den Börde-Kanuten geht es auch den anderen Wassersportlern an der Alten Elbe. Die Versandung beeinträchtigt auch das Trainingsgeschehen der Ruderer vom SCM beispielsweise. Auch sie müssen ihre Boote zunächst etliche Meter weit tragen, um sie später in „tieferem“ Fahrwasser gefahrlos in die Elbe zu setzen, wie Bernd Stumpe sagt.

Um die Situation für die Wassersportler an der Alten Elbe zu verbessern, bedarf es einer langfristigen und nachhaltigen Lösung, sind sich die Kanuten und auch Bernd Stumpe von der Ruderern sicher. Eine konzertierte Aktion müsste her. Doch wer soll das machen? Die Alte Elbe oberhalb des Cracauer Wehres unterliegt als Bundeswasserstraße der Unterhaltung durch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. „Da in der Alten Elbe keine Berufsschifffahrt stattfindet, sieht die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nicht die Notwendigkeit, die Schiffbarkeit wiederherzustellen“, sagt Raiko Fröhlich.

Für den Hochwasserschutz ist in diesem Bereich der Alten Elbe das Land zuständig. Aber auch in diesem Rahmen sind derzeit keine Maßnahmen vom Land zu erwarten, die die Versandung der Alten Elbe oberhalb des Cracauer Wehres entschärfen beziehungsweise dauerhaft lösen könnten, haben die Börde-Kanuten erfahren. Vonseiten des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) ist derzeit keine Sedimententnahme vorgesehen, wie Burkhard Henning, Direktor des LHW auf Nachfrage bestätigte. Und die Landeshauptstadt ist in dem Bereich nur für den Naturschutz zuständig, sagt Raiko Fröhlich.

Die Kanuten sitzen also wohl weiter auf dem Trockenen. Der Verein will nun an die Stadtverwaltung herantreten und darum bitten, die Sache in die Hand zu nehmen und mit den beteiligten Institutionen eine Lösung zu finden, die nachhaltig ist, sagt Vereinschef Fröhlich. Ansonsten wissen die Kanuten nicht mehr, wie es weitergehen soll.